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Winnetous Nachlass : „Pierres Bilder behalte ich für mich“

Winnetous Erbe: Hella Brice mit dem Nachlass ihres Manns Pierre Bild: dpa

Hella Brice versteigert den Nachlass ihres verstorbenen Mannes. Im Interview erzählt sie, wie sie Winnetou-Darsteller Pierre Brice kennenlernte und warum sie sich jetzt von den Prunkstücken der Indianer-Sammlung ihres Mannes trennt.

          Frau Brice, wie sehr interessieren Sie sich eigentlich für Indianer?

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Ich muss ehrlich gestehen, dass ich nicht das Wissen über Indianer habe, das mein Mann sich angelesen hat. Er hatte so viele Bücher. Es war ja nach den Filmen der sechziger Jahre auch immer sein Bestreben, das authentische Leben der Indianer zu zeigen. Pierre hat die Kostüme für die Serie „Mein Freund Winnetou“, für die Karl-May-Spiele in Elspe und Bad Segeberg selbst entworfen. Er hat sie nach authentischen Vorlagen bemalt, ich habe die Fransen geschnitten und zum Teil die Perlenstickereien aufgenäht. Mein Mann sagte immer, dass wir viel von den Indianern lernen könnten: den Umgang mit der Natur, den Respekt vor dem Leben.

          Pierre Brice hat der Literaturgestalt Winnetou ein Gesicht gegeben – und er war ein Frauenschwarm. Wie haben Sie sich kennengelernt?

          Das erste Mal haben wir uns Ende der sechziger Jahre in einem Hotel in Gstaad getroffen. Meine Schwestern und ich hatten ihn dort entdeckt. Wir sind uns später noch einmal auf einem Flughafen über den Weg gelaufen, er konnte sich sofort an uns Drillinge erinnern. Dann haben wir uns 1976 auf dem Filmball in München wiedergesehen, meine Schwestern und ich zogen die Lose einer großen Tombola, der Hauptgewinn war ein Rolls-Royce. Dort haben wir uns richtig kennengelernt, ich habe mit Pierre getanzt – seitdem war es ihm und mir klar, dass wir füreinander bestimmt waren.

          Am Wochenende lassen Sie den Nachlass ihres Mannes versteigern. Fällt es schwer, sich von den Sachen zu trennen?

          Auf der einen Seite ja, natürlich. Auf der anderen Seite hat Pierre mich auch immer gelehrt, loslassen zu können. Ich weiß, dass die Sachen bei seinen Freunden – so hat Pierre immer seine Fans genannt – in liebevollen und besten Händen sind. Aber die schönsten Sachen habe ich natürlich behalten, die gebe ich nicht her.

          Immerhin stehen noch mehr als 1500 Gegenstände auf der Auktionsliste. Da ist ziemlich viel zusammengekommen. War Pierre Brice ein großer Sammler?

          Oh, ja, er hat zum Beispiel Kugeln gesammelt und Messer. Die Messer haben ihm so oft das Leben gerettet. Deswegen hat er auch immer eines bei sich getragen und eine große Sammlung angelegt. Und er hatte so viele Bücher, zum Beispiel über Charles de Gaulle, über Politik, über Geschichte, über Indianer.

          Die Prunkstücke der Auktion sind für viele Winnetou-Fans aber wohl die Silberbüchse und das Indianergewand. Woher stammen die denn?

          Die Kostüme hat Pierre in Elspe, Bad Segeberg und in Mexiko für die Serie „Mein Freund Winnetou“ getragen. Sie wurden von einem Indianistiker angefertigt, in Abstimmung mit Pierre. Die Silberbüchse ist eine echte Winchester. Nicht die aus den Filmen, aber Pierre hat mit ihr bei den Karl-May-Spielen gearbeitet und auch in „Winnetous Rückkehr“.

          Aber einiges haben Sie doch sicher auch zusammen erworben?

          Wir haben beide viele Möbel und Antiquitäten mitgebracht, als wir zusammengezogen sind. Ich hatte ein Antiquitätengeschäft in Bad Godesberg, Pierre hatte unzählige Sachen aus seiner Zeit in Rom, da kam schon eine Menge zusammen.

          Die Sie jetzt aber nicht alle versteigern, oder?

          Ich gebe ja nicht alles her. Es ist jetzt nicht so, dass unser Haus in Frankreich komplett leer ist. Mein Mann und ich hatten die Auktion gemeinsam geplant, allerdings erst, wenn wir unser Haus verkauft hätten und nach Deutschland gezogen wären. Wir hätten gar nicht alles mitnehmen können, wir haben ein 600 Quadratmeter großes Haus. Wir wollten uns ja verkleinern. Es war auch da schon Pierres Wunsch, dass ein Teil des Erlöses für das Projekt Dalai Lama Future4Children gespendet wird.

          An das jetzt tatsächlich einiges aus dem Aktionsgewinn gespendet werden soll?

          Ja, als wir vor einigen Jahren Seine Heiligkeit, den Dalai Lama, kennenlernen durften, haben wir über einen gemeinsamen Freund von diesem Projekt erfahren, und Pierre hat sofort gesagt, dass er es unterstützen möchte.

          Und was bleibt bei Ihnen zur Erinnerung?

          Ich behalte natürlich auch einige Kostüme für mich. Und Bilder, die Pierre gemalt hat.

          Sie sprachen von Bildern, einige stehen auch auf der Auktionsliste. Malte Pierre Brice in seiner Freizeit?

          Ja, aber das war hauptsächlich vor unserer gemeinsamen Zeit. Das war eher Ende der sechziger Jahre.

          Dieses Talent war seinen Fans bisher wohl eher unbekannt. Werden Sie denn bei der Auktion selbst zuschauen, wer das alles ersteigert?

          Ich glaube nicht, nein. Ich werde zwar in der Nähe sein, aber ich befürchte, das könnte mir doch zu sehr ans Herz gehen.

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