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Aktualisiert: 05.02.2015, 10:58 Uhr

Trennungssongs Phil Collins und mein gebrochenes Herz

Mit Liebeskummer suchte die Journalistin Starlee Kine Trost in Popsongs - und fand ihn nicht. Also rief sie Phil Collins, den Großmeister der Trennungssongs, an.

© Michael Kretzer Phil Collins bei einem Konzert in Frankfurt: Der Sänger gab einer amerikanischen Journalistin Ratschläge beim Schreiben eines Trennungssongs.

Bevor ich erkläre, weshalb ich mich vor ein paar Jahren dazu entschloss, einen Trennungssong zu schreiben und ihn dem unbestrittenen Meister dieses Genres, Phil Collins, vorzuspielen, obwohl ich keinerlei musikalisches Talent besitze und auch kein Instrument spiele, sollte ich zunächst ein paar Worte über die Trennung selbst sagen. Erst nachdem Anthony mit mir Schluss gemacht hatte, erkannte ich all die Warnsignale, die ich zuvor übersehen hatte: beispielsweise dass er, wie er erzählte, keine Fotos von seinen Freundinnen machte, weil die ihn nur runterziehen würden, sobald die Beziehung beendet sei.

Verknallt in Anthony war ich seit unserer ersten Begegnung. Aber er hatte eine Freundin in Kanada. Als sie sich eines Tages von ihm trennte, kamen wir zusammen. Eine Woche später sagte er, ich sei die Frau seines Lebens. Rückblickend war dies wohl das deutlichste Warnzeichen.

Zweifellos war die Beziehung mit ihm die kitschigste, die ich jemals geführt habe. Und wenn ich „kitschig“ sage, meine ich: großartig. Ganze Abende verbrachten wir damit, uns gegenseitig Komplimente zu machen. Die Kunst des Händchenhaltens hoben wir auf ein ganz neues Level. Und wir hörten stundenlang Musik, wie Teenager, einen Song nach dem anderen, dabei unaufhörlich lächelnd.

Anthony beendete die Beziehung am Silvesterabend

Wie dann unsere Phil-Collins-Phase begann, daran erinnere ich mich nicht mehr genau. Wahrscheinlich begann alles im Scherz, damit, dass Anthony eines Abends zu „Against All Odds“ synchron seine Lippen bewegte und dabei einfach anbetungswürdig aussah. Mit der Zeit ließ die Ironie nach, und wir wurden richtige Collins-Fans. (Und geben Sie es zu: Wenn Sie jetzt den Liedtext lesen, hören Sie dann nicht auch die Melodie? Verspüren Sie nicht den heftigen Drang, mitzusingen?)

How can I just let you walk away,
Just let you leave without a trace,
When I stand here taking every breath
With you? Ooh, ooh.
You’re the only one
Who really knew me at all.

Uns gefielen die Ehrlichkeit und Traurigkeit der Zeilen: „Wie kann ich dich nur gehen lassen, dich einfach weggehen lassen ohne jede Spur? Du bist die Einzige, die mich wirklich kannte.“ Wir stellten uns Phil Collins am Klavier vor, wie er das Lied schreibt, sein Gesicht tränenüberströmt.

I wish I could just make you turn around,
Turn around and see me cry.
There’s so much I need to say to you,
So many reasons why.

Anthony trennte sich am Silvesterabend von mir. Ich habe ja gesagt: kitschig. Ich ahnte nichts. Und ganz bestimmt wollte ich es nicht. Er sagte, ich würde damit klarkommen; ich heulte bitterlich. Ich suchte nach den richtigen Worten, und heraus kam: Wie kannst du mich nur gehen lassen? Ich bin die Einzige, die dich wirklich kannte.

© Youtube Großmeister des Herzschmerzes: Phil Collins

Ich meinte es genau so. Niemand brachte meine Gefühle in diesem Moment besser zum Ausdruck als Phil Collins.

Take a good look at me now,
’Cause I’ll still be standing here.
And you coming back to me
Is against all odds.
It’s the chance I’ve got to take.

Im Vergleich zu dem, was nun folgte, war meine bisherige Begeisterung für Phil Collins nur die Aufwärmphase gewesen. Ich hörte seine Songs nicht mehr zum Vergnügen, sondern um mich meinem Schmerz hinzugeben. Wenn ich sie hörte, fühlte ich mich besser. Und wenn ich „besser“ sage, meine ich: schlechter.

Ein Songtext bringt das Gefühl auf den Punkt

Traurige Lieder zu hören hat etwas Befriedigendes. Sie zeigen dir, wie du deine Tage verbrächtest, wenn du einfach schluchzend zusammenbrechen dürftest. Durch sie fühlst du dich weniger allein mit all deinen verrückten Gedanken. Außerdem beurteilen sie dich nicht. Sie verstehen dich.

Ein Trennungssong würde dir niemals zum Online-Dating raten oder dir weismachen, ohne deinen Ex besser dran zu sein. Ein Trennungssong sagt dir genau das Gegenteil, nämlich dass es ohne ihn schlimmer ist, und das ist genau das, was du hören möchtest, denn so empfindest du es. Ich wollte nicht aufgemuntert werden, niemanden Neues kennenlernen. Ich wollte mich in meinem Herzschmerz suhlen, so richtig.

32858653 © Illustration Jan Bazing Vergrößern Liebeskummer: Songtexte geben oft genau das wieder, was der oder die Verlassene fühlt.

Manchmal trägt man ein Gefühl in sich, von dem man nichts ahnt oder das man nicht beschreiben kann, und dann ist da dieser Songtext, der es auf den Punkt bringt, wie der von Bonnie Raitts „I Can’t Make You Love Me“.

I’ll close my eyes.
Then I won’t see
The love you don’t feel
When you’re holding me.

Die Songwriter Mike Reid und Allen Shamblin schrieben ihn, nachdem sie einen Zeitungsartikel über einen Typen gelesen hatten, der betrunken auf das Auto seiner Freundin geschossen hatte. Bei seiner Verurteilung wurde er gefragt, ob er etwas aus seiner Tat gelernt habe. „Ja“, antwortete er. „Du kannst eine Frau nicht dazu bringen, dich zu lieben, wenn sie es nicht tut.“

’Cause I can’t make you love me
If you don’t.
You can’t make your heart feel
Something it won’t.

Plötzlich waren die Songs über Liebeskummer überall

Vor der Trennung war mir gar nicht bewusst gewesen, in welcher Hülle und Fülle es diese Songs gibt. Mit einem Mal waren sie überall. So ist das, wenn dir jemand das Herz gebrochen hat. Im Supermarkt spielen sie ein lang bekanntes Lied, und du hörst es plötzlich zum ersten Mal richtig, weil es dir so aus der Seele spricht.

Nehmen Sie zum Beispiel „I Wanna Know What Love Is“ von Foreigner.

In my life,
There’s been heartache and pain.
I don’t know if I can face it again.
Can’t stop now.
I’ve travelled so far
To change this lonely life.
I wanna know what love is.

Nicht nur blendest du die Abgedroschenheit dieser Zeilen aus; du nimmt sie bereitwillig an. Du möchtest wissen, was Liebe ist. Von der Person gebrochen zu werden, die dir alles bedeutet, das ist keine subtile Erfahrung, kein dezentes Gefühl. Es ist heftig und intensiv, maßlos. Und deshalb müssen so auch die Lieder darüber sein.

I know you can show me.
Ohhhhhhh.

Nachdem ich monatelang ausgiebig dieser Art Songs gelauscht hatte, wusste ich, was zu tun war. Es genügte nicht mehr, nachmittags um drei im Pyjama auf dem Boden zu liegen und Musik zu hören. Ich musste den nächsten Level meiner Trauerschwelgerei erreichen: Ich musste selbst so einen Song schreiben.

„Sehr geehrter Herr Collins, ich habe ein ungewöhnliches Anliegen“

Ich wusste auch genau, welche Art von Trennungssong ich schreiben würde: einen, den man im Englischen einen torch song nennt, in dem eine unerwiderte oder verlorene Liebe beklagt wird. Diese Schmachtlieder stehen für den erbärmlichsten, traurigsten und einsamsten Teil deines Selbst, den du selbst Freunden gegenüber nicht offenbarst, den Teil, der genau weiß, dass du deinen Ex sofort zurücknehmen würdest, ohne dass er betteln oder sich entschuldigen müsste. Es ist erbärmlich, doch tief in dir empfindest du es so. Und es ist befreiend, jemanden dieses Gefühl beschreiben zu hören. Einige Worte lassen sich nicht aussprechen, sondern nur in Songs verpacken.

Zwar wusste ich jetzt, welche Art von Lied ich schreiben wollte, aber nicht, wie ich das anstellen sollte. Ich brauchte Hilfe. Und unter den Tausenden von Musikern, die über Herzschmerz schrieben, gab es nur einen, mit dem ich darüber reden wollte: Phil Collins, natürlich.

Bitte? Ist das so seltsam? In mir setzte sich die Idee fest, dass es großartig sein würde, Phil Collins zu fragen, wie man einen Trennungssong schreibt, ebenso wie andere Leute vielleicht den Wunsch haben, sich mit Michael Jordan über Freiwürfe auszutauschen. Natürlich dachte ich nie, dass es tatsächlich passieren würde.

Entgegen allen Erwartungen stellte sich heraus, dass ein Bekannter gerade mit Phil Collins auf Tournee war. Er gab mir dessen Kontaktdaten, und ich schrieb ihm eine E-Mail: „Sehr geehrter Mr. Collins, ich habe ein ungewöhnliches Anliegen.“ Dann hieß es warten, wobei ich meinen Posteingang im Sekundentakt aktualisierte.

Als er sich schließlich meldete, klang er freundlich und locker. Wir vereinbarten einen Telefontermin. In meinen Gedanken war er schon so involviert in meine Trennung, dass es verrückt erschien, dass er eigentlich nichts über sie wusste. Also fragte ich ihn:

Ich werde Ihnen die ganze Geschichte meiner Trennung erzählen, ist das in Ordnung?

Yeah. Yeah. Es sind Ihre 45 Minuten. (lacht)

In der Geschichte kommen Sie ja auch vor. Also, ich war mit Anthony zusammen, und an Silvester hat er sich von mir getrennt.

Yeah. Nett.

Ich sah ihn an, und es sprudelte einfach aus mir heraus: Ich kann nicht glauben, dass du mich einfach . . .

Gehen lässt.

Genau!

So begann mein Gespräch mit Phil Collins. Es dauerte nicht lange, und wir fühlten mit dem Leid des anderen. Auch er hatte gerade eine Trennung hinter sich, wie er erzählte:

Sie reden von Silvester. An meinem Geburtstag ist meine Scheidung offiziell geworden.

Tatsächlich?

Ich wollte sie überhaupt nicht. Dieser Tag wird mich immer daran erinnern. So wie jedes Silvester Sie an Ihre Trennung erinnern wird.

Ich weiß. Am liebsten würde man diese Tage überspringen, oder?

Yeah. Yeah.

Vor dieser Unterhaltung hätte ich nicht gedacht, ich könnte Gemeinsamkeiten mit Phil Collins haben. Mit 19 Jahren begann er bei Genesis. Ich nicht. Er trat bei „Live Aid“ auf, was ich nur im Fernsehen verfolgte. Er spielte in dem Film „Buster“ mit, den ich nie gesehen habe.

Aber mit ihm zu reden war einfach. Er erzählte, dass er bei Genesis Schlagzeug gespielt und gesungen, aber nicht geschrieben hat. „Against All Odds“ war einer seiner ersten selbstgeschriebenen Songs, entstanden während der Arbeit an seinem ersten Soloalbum. Er erinnerte sich:

Dieses Lied habe ich während meiner ersten Scheidung geschrieben. Meine Frau und die Kinder waren weg, und ich blieb ganz allein zurück. Es entstand also aus meiner Erfahrung heraus. Ganz anders ist es bei Was-wäre-wenn-Songs. Wissen Sie, was ich meine?

Hätten Sie dieses Lied auch schreiben können, wenn Ihre Frau Sie nicht verlassen hätte?

Wahrscheinlich nicht. Ehrlich gesagt, wären mir diese persönlichen Sachen nicht passiert, ich hätte vermutlich nie ein Album gemacht. Und hätte ich doch irgendwann eines aufgenommen, es wäre sehr viel mehr in Richtung Jazzrock gegangen, denn das war eigentlich mein Ding. Neben Genesis spielte ich in einer Band namens Brand X. Ich war mehr der Performer. Ohne diese Trennungsgeschichte hätte ich nicht das Bedürfnis gehabt, Nacht für Nacht, Tag für Tag am Klavier zu sitzen und aufzuschreiben, was ich fühlte.

Hat es Ihnen geholfen?

Nun ja, es war eher so, dass ich dachte: Wenn sie das hört, wird alles wieder gut werden. Wissen Sie?

Das dachten Sie tatsächlich?

Tat ich. Yeah. Albern, nicht wahr? Ich meine, so war es.

Haben Sie es überwunden?

Es gibt Menschen im Leben, über die man nie ganz hinwegkommt. So sagt man ja. Manchmal hat man aber, so wie ich beispielsweise, wegen gemeinsamer Kinder eine moralische Verpflichtung. Und wenn man Zeit mit seinen Kindern verbringen will, muss man auch Kontakt zu der Person halten, die einen sehr verletzt hat. Wenn ein paar kleine Menschen zu einem aufblicken und sagen: Dad, was soll ich machen? - dann kann man nicht einfach spurlos verschwinden.

„It’s not like you can just walk away and leave without a trace“, hat er gerade gesagt - nicht einmal Phil Collins kommt also umhin, Phil Collins zu zitieren. Und hätte seine Frau ihn 1979 nicht verlassen, er wäre niemals Phil Collins geworden. Liebeskummer machte aus einem Jazzrock-Schlagzeuger eine internationale Pop-Ikone.

Noch mehr erstaunte mich, wie ehrlich und normal er redete. Wieder einmal verstand es Phil Collins, meine Gedanken in Worte zu kleiden. Ein nicht ganz unbedeutender Teil von mir wünschte sich, Anthony möge mein Lied hören und zu mir zurückkommen.

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Ich berichtete Phil von meinem Versuch, eigene Lieder zu schreiben. Irgendwie fühlten sie sich nicht richtig an, waren zu überladen. Doch als ich mir die Texte meiner Lieblingssongs vornahm, um nachzuvollziehen, wie diese geschrieben waren, erschienen mir selbst die besten Lieder auf dem Papier ziemlich flach. Wie gelingt es, klischeehafte Gefühlsduseleien, einfache Sätze, in einen Song zu verwandeln, der das gesamte Spektrum menschlicher Emotionen erfasst? Phils Rat war:

Meist genügt es, direkt zu sein. So viele Leute versuchen, ihre Gedanken aufzuplustern oder ein bisschen zu schlau zu klingen. Aber oft sind es die einfachsten Dinge, die die Leute am Ende wirklich erreichen.

Der Text von „Love Hurts“ beispielsweise, gesungen von Graham Parsons und Emmylou Harris, wirkt gedruckt total kitschig.

Aber dann kommt es auf die Art und Weise an, wie er gesungen wird. Andernfalls kommt man auf das Terrain von Michael Bolton - wobei ich nichts gegen Michael habe, ich benutze ihn lediglich als Beispiel. Es gibt sicherlich auch Leute, die würden mich als ein Beispiel für jemanden benutzen, der mit überladenen, völlig glattgeschliffenen Sachen daherkommt - statt mit einer einfachen Idee, die man einfach singt, aber mit Überzeugung.

Da war er also, der Ratschlag. Wir verabschiedeten uns erst einmal. Es wurde Zeit, zu schreiben. Anfangs war es ziemlich beängstigend. Jedes einzelne Wort wirkte fehl am Platz.

Zusammenarbeit mit New Yorker Musikern

Eines Tages, ich wartete auf den Zug, dachte ich daran, wie sehr dieser Zug mich an Anthony und unsere entgleiste Liebe erinnerte. Ja, das war gut! Ich kritzelte die Zeile auf die Rückseite meiner Gasrechnung.

Ein weiteres Problem - meiner Meinung nach ein vergleichsweise kleines - war mein nicht vorhandenes musikalisches Talent. Also bat ich Joe McGinty um Hilfe, einen New Yorker Musiker, der von den Ramones über Ryan Adams bis hin zu Ronnie Spector schon mit jedem gespielt hatte. Er kennt unzählige Lieder. Und, für meine Zwecke von größter Bedeutung, Joe versteht etwas von Liebeskummer, was er mit etlichen seiner Songs bewiesen hat.

Ich traf mich mit Joe und Julia Greenberg, einer Musikerin und Songschreiberin, die oft mit Joe zusammen spielt. Ich hatte etwa ein Dutzend Lieder geschrieben und sie den beiden vor unserem Treffen geschickt.

Den Song, den ich für meinen ausgereiftesten hielt, sortierten sie bald aus; dann zeigte mir Julia ihren persönlichen Favoriten. Ich war mir sicher gewesen, dass er nicht in Frage kommen würde. Er befand sich unter den mit „verrückt“ überschriebenen Songs und entwarf das mitleiderregendste Szenario überhaupt: Anthony kommt wieder mit seiner kanadischen Ex-Freundin zusammen; doch anstatt ihn ziehen zu lassen, willige ich ein, das fünfte Rad am Wagen zu sein, solange das bedeutet, ihn weiterhin gelegentlich zu sehen. Der Text ging buchstäblich so:

I liked you.
And you liked her.
And I sort of liked her,
Because you liked her.

Julia hatte nur eine kleine Änderung gemacht: „liked“ durch „loved“ ersetzt. Sie war so davon überzeugt, dass es sich um einen echten Song handelte, dass sie bereits vor unserem Treffen eine Melodie entwickelt hatte. Den Song, aufgenommen auf Joes Anrufbeantworter, spielten die beiden nun mir vor. Das Ende ging so:

And I don’t know why I love you,
I just do, I really do.
And it doesn’t do me any good.
In fact, it does me bad.
And you’re oh so gone.
And I’m oh so sad.

Und während sie das Lied sangen, erfüllten sich die geschriebenen Worte mit Leben, als hätte eine Fee sie mit ihrem magischen Staub benetzt. Im Laufe der folgenden Woche feilten wir an Text und Melodie und nahmen den Song schließlich auf. (Wenn Ihnen danach ist, können Sie ihn hören.)

Es erschien mir völlig klar, wer ihn als Erstes hören sollte. Nein, nicht Anthony, das wäre ja verrückt, sondern Phil Collins.

Darf ich Ihnen mein Lied vorspielen? Ist das okay? Ich möchte Sie nicht in Verlegenheit bringen und...

Nein, nein. Ich möchte es hören, darüber haben wir doch geredet.

Gut, cool, aber seien Sie ehrlich!

In Ordnung.

FRAGE: Okay, es geht los.

Ich spielte meinen Song also Phil Collins vor. Und als ich fertig war, sagte er:

Nun ja, nun ja... Da sind einige großartige Sachen dabei. Mir gefällt besonders - wie geht die Zeile noch, diese mit dem „mir nicht gut tun“ und dem „mir schlecht tun“?

„It doesn’t do me any good. In fact, it does me bad.“

Ja, das ist fantastisch!

Wirklich?

Und diese Zeile danach, die sagt, du bist „oh so gone“ - „so was von weg“. Ich habe gelacht, als ich das gehört habe. „You’re oh so gone. And I’m oh so sad.“ Das ist wirklich smart.

Das ist so nett von Ihnen. Ich kann gar nicht...

Ich sage das nicht, um nett zu sein. Ich hätte auch sagen können, na, das ist nicht so mein Geschmack. Aber ... ich hab es gehört, und es gefiel mir wirklich. Es ist sehr witzig und sehr clever.

Vielen Dank! Ich habe versucht, all meine verrückten Konzepte aufzuschreiben, und der Text, der dabei herausgekommen ist, drückt genau das aus, was ich fühle.

Yep.

Denken Sie, dass er zurückkommt?

Ich hoffe es, denn offensichtlich empfinden Sie sehr viel für ihn.

Und denken Sie, dass es jemals aufhören wird, weh zu tun?

Nun ja, irgendwie scheinen Sie dieses schlechte Gefühl doch zu mögen, oder?

Oh ja. Nun, es ist...

Ich denke, dass Sie gar nicht wirklich über ihn hinwegkommen möchten. Sie genießen es in gewisser Weise. Das ist das Dilemma, aus dem Sie herauskommen müssen.

Sie haben mich da wirklich verstanden. Ich hatte so starke Gefühle, als ich mit Anthony zusammen war, und der einzige Weg, diese starken Gefühle für etwas weiterhin zu haben, besteht darin, nicht loszulassen. Ich würde liebend gerne sagen, er ist mir gleichgültig. Stattdessen schreibe ich einen Trennungssong und schicke ihn über den Äther. Ich habe irgendwie das Maß verloren.

Also, so sehe ich das nicht. Nein. Sie beschäftigen sich einfach mit einer Sache, mit der Sie sich beschäftigen müssen. Dadurch bekommen Sie sie aus Ihrem Kopf. Sie haben die Genugtuung, etwas Greifbares geschaffen und aus der Beziehung mitgenommen zu haben, etwas, das Ihnen bleiben wird.

Das stimmt. Aber fragen Sie sich nicht manchmal, was besser ist - am Ende den Song oder die Beziehung zu haben?

Oh, nein, man würde bestimmt lieber die Beziehung behalten.

Genau das ist das Problem.

Dass man diese Wahl nicht hat.

Update, sieben Jahre später: Soviel ich weiß, hat Anthony sich den Song niemals angehört.

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