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Ewan McGregor : Aus der Rolle gefallen

Ewan McGregor hat für „Amerikanisches Idyll“ hinter die Kamera gewechselt. Bild: Henny Garfunkel/Redux/laif

Hollywood-Star Ewan McGregor hat erstmals Regie geführt - im Film „Amerikanisches Idyll“. Dass es dazu kam, hat einen Grund: seine Tochter.

          Hamburg empfängt einen wieder mal mit Sprühregen, im Grand Elysée Hotel hält man mit einer auf Südseeklima eingestellten Heizung dagegen. Ewan McGregor wohnt hier, während er seinen neuen Film „Amerikanisches Idyll“ vorstellt, der nach dem gleichnamigen Roman von Philip Roth entstanden ist. Die Europapremiere war am Vorabend, nun ist Pressetermin. Eigentlich Routine für den gebürtigen Schotten. Aber diesmal ist einiges anders.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Erstmals in seiner mehr als 20 Jahre dauernden Filmkarriere stand er selbst als Regisseur hinter der Kamera. Als Schauspieler hat er eine außergewöhnliche Laufbahn hinter sich, der 45 Jahre alte McGregor gilt als einer der wandlungsfähigsten Hollywood-Stars. Er wurde bekannt durch das Drogendrama „Trainspotting“, er sang mit Nicole Kidman in „Moulin Rouge“, er spielte die Titelrolle in Roman Polanskis „Der Ghostwriter“, und er war der Jedi-Ritter Obi-Wan Kenobi in den „Star Wars“-Episoden zu Beginn der Zweitausender. So eine schauspielerische Bandbreite und Perfektion findet sich vielleicht noch bei Tom Hanks. Warum also hat es bei ihm so lange gedauert, bis er sich hinter die Kamera traute?

          Mit der Frage begrüßen wir ihn, als er zum Interview erscheint. „Warum das so lange gedauert hat? Die Antwort ist: Mut. Ich habe lange gebraucht, um tapfer genug zu sein, das durchzuziehen. Und zweitens war es Glück. Ich hatte viel Glück, dass mir diese Geschichte in die Hände fiel. Wir haben 13 oder 14 Jahre versucht, Regisseure zu finden“, erinnert sich McGregor. Hatte er mit seinem Produzenten dann einen Regisseur für den Stoff gefunden, hatte wieder einer der Hauptdarsteller keine Zeit für den Dreh. So blieb das Projekt immer wieder liegen. Aber McGregor verlor es nicht aus den Augen.

          „Damals war ich zu ängstlich und hab's nicht durchgezogen“

          Irgendwann beschloss er, selbst die Regie zu übernehmen. Hatte der Schritt vielleicht auch damit zu tun, dass man eines Tages merkt, man ist über 40, und man überdenkt sein Leben noch mal neu? „Und stellt dabei fest, dass das Leben zu kurz ist und man Dinge tun sollte, solange man Zeit hat?“, fragt McGregor zurück und lacht. „Naja, nicht wirklich. Aber ich habe vor Jahren einmal eine Geschichte gelesen, die ich gerne verfilmt hätte. Und da war ich zu ängstlich und hab's nicht durchgezogen. Und dann habe ich es bereut, denn den Film machte am Ende jemand anderes. Ich habe ihn nie gesehen, aber ich habe mir immer gewünscht, dass ich ihn gedreht hätte.“

          An dem Roman von Philip Roth, der mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, hielt er deshalb fest. „Amerikanisches Idyll“ spielt in den sechziger Jahren und erzählt die Geschichte von Swede, dem Spitzenathleten der Highschool in Newark im Bundesstaat New Jersey. Er stammt aus einer jüdischen Familie, heiratet die Schönheitskönigin seines Jahrgangs, übernimmt die Handschuhfabrik seines Vaters in Newark und zieht sich mit Frau und Tochter Merry auf eine Farm zurück. Doch sein Idyll bleibt nicht lange bestehen. In die Pubertät gekommen, radikalisiert sich Merry zusehends.

          Was genau war es, das McGregor an diesem Buch gereizt hat? „Es war die Geschichte zwischen Swede und Merry, die Vater-Tochter-Beziehung, die mich wirklich in den Bann zog“, sagt McGregor. „Ich habe das Drehbuch damals gelesen, als meine älteste Tochter Clara gerade 15 oder 16 Jahre alt war. Und ich kann rückblickend nur vermuten, dass ich mich gerade innerlich darauf vorbereitete, sie zu verlieren. Das heißt, sie war gerade dabei, aufs College zu kommen - eine sehr alltägliche Art also, sein Kind zu ,verlieren'. Trotzdem ist das nicht einfach. Und weil der Film von einem Vater handelt, der seine Tochter auf eine sehr dramatische Art verliert, muss das mit meinen Gefühlen damals perfekt gepasst haben. Es hat mich richtig ergriffen.“

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