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Ethan Hawke im Gespräch : „Ich bewundere Brad Pitt, aber ich beneide ihn nicht“

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„Ich merke mit zunehmendem Alter, das Leben ist nicht so perfekt, wie man sich das als jüngerer Mensch vorstellt“: Schauspieler Hawke Bild: AP

Schauspieler Ethan Hawke spricht im F.A.S.-Interview über Narzissmus, seine neueste Filmrolle als Scheidungsvater, seine eigenen Eltern - und darüber, warum er sich auf die zweite Hälfte seines Lebens freut.

          Ethan Hawke leidet unter akutem Zeitmangel. Drei neue Filme hat er gerade abgedreht und steht schon wieder in Toronto vor der Kamera; Co-Star ist Emma Watson. Unser Interview wird immer wieder verschoben. Am Ende beschließen wir, miteinander zu telefonieren. Hawke will seine Mittagspause opfern. Doch die Dreharbeiten verzögern sich heute. Statt Hawke meldet sich aus Kanada immer wieder sein Agent in der knisternden Leitung: „Tut mir leid, Ethan ruft gleich zurück.“ Als das endlich passiert, ist es 22.30 Uhr.

          Unser Thema: Hawkes mittlerweile siebter Film mit Regisseur Richard Linklater, mit dem er unter anderem schon „Before Sunrise“ und dessen Fortsetzungen „Before Sunset“ und „Before Midnight“ machte; es ist zugleich auch der ungewöhnlichste Film des Duos. Die Dreharbeiten zu „Boyhood“ begannen nämlich im Sommer 2002 in Houston, Texas, und wurden mit Unterbrechungen zwölf Jahre später abgeschlossen. Auf der diesjährigen Berlinale wurde Linklater dafür mit dem „Silbernen Bären“ für die beste Regie belohnt. Hawke, 43, der einst mit dem „Club der toten Dichter“ seinen Durchbruch hatte und für „Training Day“ für einen Oscar nominiert war, spielt in „Boyhood“ einen Scheidungsvater. 2005 wurde seine eigene Ehe mit der Schauspielerin Uma Thurman geschieden; seit 2008 ist er wieder verheiratet, mit Ryan Hawke, geborene Shawhughes. Insgesamt hat er vier Kinder, je zwei von jeder seiner beiden Ehefrauen.

          Mr. Hawke, in „Boyhood“ sehen wir Sie in 164 Minuten im Zeitraffer zwölf Jahre altern. Mit welchen Gefühlen haben Sie den fertigen Film gesehen?

          Das war eine ganz tiefgreifende Erfahrung für mich. Und nicht nur für mich, für das ganze Ensemble. In dieser Zeit ist eine Menge passiert, Dinge, die mein Leben verändert und geformt haben. Das hat Spuren in meinem Gesicht hinterlassen. Wir wissen alle, dass unser Leben endlich ist. Aber als ich „Boyhood“ dann gesehen habe, wurde mir das noch einmal so richtig bewusst. Ich sehe die Dinge heute tatsächlich klarer.

          Was sehen Sie klarer?

          Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich noch relativ jung war. Das war für mich ein dramatisches Ereignis und damit ein wichtiger Teil meiner Jugend. Und meine eigene Scheidung war natürlich auch so ein eingreifender Moment. Das waren zwei gravierende Ereignisse, die mich mit zu dem Mann gemacht haben, der ich heute bin. In diesen Film konnte ich all diese Dinge einfließen lassen und dazu noch meine eigenen Erfahrungen als Vater. Ich habe heute einen viel tieferen Einblick ins Leben, weil ich mehr Erfahrungen gemacht habe. Und damit spiele ich meine Rollen auch anders. Beim Filmemachen kannst du viele dieser scheinbar negativen Erinnerungen in die Arbeit einfließen lassen, und am Ende kommt dann trotzdem etwas Positives dabei heraus. Mir macht das richtig Spaß. Und das Faszinierende ist ja, dass sich die Perspektive im Leben ständig verändert. Ich war Sohn, bin jetzt selbst Vater und warte schon ganz gespannt darauf, was wird, wenn ich Großvater werde.

          Verstehen Sie Ihre Eltern heute besser?

          Auf jeden Fall. Ich habe unter der Trennung meiner Eltern gelitten. Das ist ja normal. Als Kind denkt man viel über die Motive seiner Eltern nach. Du meinst, sie sind vielleicht schwach oder sie lieben dich nicht genug. Wie kompliziert das alles ist, konnte ich damals gar nicht verstehen. Seitdem ich selbst Kinder habe, kann ich mich viel besser in meine Eltern hineinversetzen. Und natürlich habe ich ihnen viele Dinge vergeben. Da bin ich in einer sehr glücklichen Position. Denn heute habe ich Mitgefühl für meine Eltern. Es gibt ja auch Kinder, denen es nicht gelingt zu vergeben, weil die Verletzungen zu tief sitzen.

          Erkennen Sie sich in der Rolle des Scheidungsvaters?

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