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Jamie-Lee Kriewitz : „Ich liebe es, aufzufallen“

„In meinem Freundeskreis total normal“: Jamie-Lee Kriewitz nach dem Sieg beim Vorentscheid des „Eurovision Song Contest“ am Donnerstag. Bild: Imago

Jamie-Lee Kriewitz, Gewinnerin beim Vorentscheid des „Eurovision Song Contest“, über blaue Aliens, ihren veganen Modestil und den Vergleich mit Lena Meyer-Landrut.

          Es sei eine krasse Ehre, dass sie Deutschland beim „Eurovision Song Contest“ vertreten dürfe, hat Jamie-Lee Kriewitz nach ihrem Sieg beim Vorentscheid am Donnerstagabend in Köln gesagt. Die 17 Jahre alte Schülerin aus Bennigsen bei Hannover, die sich wie eine Figur aus japanischen Comicfilmen kleidet, gewann erst vor zwei Monaten die fünfte Staffel der Castingshow „The Voice of Germany“. Antreten wird sie mit der melancholischen Ballade „Ghost“.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Glückwunsch, Frau Kriewitz.

          Danke. Jamie-Lee ist aber cooler.

          Du hast in kurzer Zeit zwei Castingshows gewonnen. Bei „The Voice“ schienst du dich mehr zu freuen.

          Bei „The Voice“ war ich total überwältigt. Ich dachte, wie krass, ich hab jetzt diese große Castingshow gewonnen, in der man ja fast ein Jahr dringesteckt hat. Ich hätte es dem Zweitplazierten, dem Ayke, auch wirklich gegönnt. Beim Vorentscheid kannte ich die anderen kaum. Da wollte ich aber auch den Sieg unbedingt. Und ich bin doch auch total durch die Gegend gesprungen und hab laut geschrien. Ich wüsste jetzt nicht, was da zurückhaltender dran war.

          Du bist erst 17, das heißt, deine Eltern waren bestimmt mit in Köln.

          Mein Vater war dabei, meine Mutter war zu Hause und hat eifrig gevotet.

          Dein Vater ist Schlagzeuger.

          Genau. Der hat früher in der Punkrockband 3Zylinder gespielt, hat inzwischen aber die Musikrichtung ein wenig geändert. Der spielt auch in verschiedenen Bands und ist voll viel unterwegs.

          Und ihr spielt auch zusammen?

          Wir hatten mal ein kleines Bandprojekt, aber das ist schon länger vorbei.

          Du bist ein Fan von japanischen Zeichentrickfilmen. Wie kommt das? Warst du schon mal in Japan?

          Ich war noch nie in Asien, ich möchte aber unbedingt mal hin. Ich habe als Kind schon sehr gerne Animes gesehen, die haben was Superbesonderes. Animes sind so superschön gemacht und von den Storys einfach krass. Das hat mich total begeistert, und so hab ich mich dann auch voll für die Musik und die Fashion interessiert. Das ist alles total meins, das gefällt mir einfach mega.

          „Für mich ist das keine Verkleidung, das bin ja wirklich ich“: Jamie-Lee Kriewitz beim ESC-Vorentscheid in Köln.

          Die Art, wie du dich kleidest, nennt sich Decora-Kei.

          Genau. Decora-Kei hat mit Manga-Comics eigentlich gar nicht so viel zu tun. Der Sinn dahinter ist eher, dass man so niedlich wie möglich aussieht - und das auf extreme Weise. Verrückt soll das gar nicht wirken, das wirkt nur verrückt, weil es in Deutschland kaum jemand kennt. Indem man kindlich aussieht, will man anderen eine Freude machen.

          In Hannover fällst du bestimmt auf. Was sagen deine Freunde dazu?

          Ich habe viele Freunde, die sich auch in so einer Art kleiden, deswegen ist das in meinem Freundeskreis total normal. In Hannover fällt das natürlich mega auf, aber ich liebe es aufzufallen. Ich mag das echt gerne, wenn mich die Leute nicht so schnell vergessen wie andere, die an ihnen vorbeilaufen.

          Im Arm hast du ein blaues Plüschtier, den Stitch. Was ist ein Stitch?

          Das ist ein Charakter aus dem Zeichentrickfilm „Lilo & Stitch“. Stitch ist ein Alien aus dem Weltall. Anfangs ist er böse, dann trifft er auf ein Menschenkind und wird total lieb und niedlich.

          Und Stitch ist dein Glücksbringer?

          Ja. Bei den Blind Auditions von „The Voice“ hatte ich schon eine Stitch-Jacke an, ich habe aber auch einen Stitch-Anzug. Das Plüschtier habe ich vom „The Voice“-Team als Glücksbringer für den ESC-Vorentscheid bekommen.

          Verkleidest du dich einfach gerne, oder fühlst du dich in den Kostümen auch sicherer auf der Bühne?

          Für mich ist das keine Verkleidung, das bin ja wirklich ich. Ich liebe es, so rumzulaufen und aufzufallen, und ich glaube, das kann beim ESC nur positiv sein.

          Du bist Veganerin. Es ist bestimmt schwierig, sich so zu schminken und zu kleiden und dabei ganz auf tierische Produkte zu verzichten.

          Manchmal ist das schon schwer. Aber ich bestelle meine Sachen im Internet, und da steht dann dabei, aus was sie gemacht sind. Ich muss ja eigentlich fast nur darauf achten, dass da kein Pelz, kein Leder und keine Wolle drin sind. Die meisten Sachen, die ich mir angucke, sind eh aus Baumwolle.

          Seit wann bist du Veganerin?

          Seit zwei Jahren und neun Monaten.

          War das eine große Umstellung?

          Am Anfang musste ich mich erst mal reinleben. Das Ding ist, dass immer neue Sachen herauskommen, bei denen ich nicht gedacht hätte, dass sie passieren, zum Beispiel irgendwelche Naturkosmetikfirmen, die doch Tierversuche machen. Aber ich versuche mein Bestes, und ich glaube, es klappt ganz gut.

          Du hast die Schule unterbrochen, willst du dein Abitur noch machen?

          Ich mache auf jeden Fall die Schule fertig. Der Plan ist, dass ich nächstes Jahr mein Abi mache. Natürlich kommt’s jetzt ein bisschen darauf an, wie es mit mir läuft. Aber ich habe nicht vor, fünf Jahre mit dem Abitur zu warten.

          Du wirst oft mit Lena verglichen. Hast du sie schon mal getroffen?

          Lena habe ich noch nie getroffen. Aber ich fände es cool, auch weil wir aus der gleichen Gegend kommen. Sie kann mir bestimmt gute Tipps geben.

          Was, glaubst du, kann dir der ESC bringen, selbst wenn du nicht wie Lena gewinnst?

          Ich glaube, wenn ich gut beim Publikum ankomme, dass ich international Angebote kriegen könnte. Denn ich möchte im besten Fall nicht nur in Deutschland musikalisch bekannt und erfolgreich sein. Es wäre cool, auch international Interesse zu wecken, und ich glaube, dass das eine riesige Chance ist.

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