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Deutschland bei der Fußball-WM : Von Franz über Rudi bis hin zu Mario

WM-Sieg 1990: Ist ein Sieg für Deutschland in diesem Jahr auch möglich? Bild: dpa

Jahrzehntelang hat unser Autor für die F.A.Z. aus den Stadien dieser Welt berichtet. Nun, da die Fußball-WM vor der Tür steht, ist es Zeit für einen Rückblick: Erinnerungen an Titel, Thesen – und Temperamente.

          Ein Mann, ein Wort. So war es früher, als Interviews mit Fußballprofis noch keiner Autorisierung bedurften, als leise Kritik an den Verhältnissen im Klub oder in der deutschen Nationalmannschaft nicht als Sakrileg missverstanden wurde, als im Schlepptau der Spieler und Trainer noch keine Berater unterwegs waren und Meinungsverschiedenheiten innerhalb einer Mannschaft offen und ohne die Angst ausgetragen wurden, damit sogleich den innerbetrieblichen Frieden aufs Spiel zu setzen. Es waren manchmal rauhe, aber meistens herzliche Zeiten, in denen auch mal über Dritte gelacht und gelästert werden durfte, ohne dass eine Zensurbehörde des Fußballs eingegriffen hätte. Diejenigen, die für gut genug befunden worden waren, in den siebziger, achtziger und neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Bundesrepublik Deutschland und dann das wiedervereinigte Deutschland sportlich zu repräsentieren, kannten keine falschen Hemmungen oder Berührungsängste. Sie waren nicht zimperlich, nicht in ihrer Wortwahl und nicht auf dem Platz, und sie ließen sich auch nicht alles gefallen, nur dem schönen Schein zuliebe. Es war eine Zeit ohne Internet und Social Media, in der Stars des Fußballs und Fußballjournalisten einen barrierefreien Umgang miteinander hatten, bei dem so manche vertrauliche Information unter Verschluss blieb, wenn darüber gegenseitiges Einvernehmen herrschte.

          Roland Zorn

          Sportredakteur.

          Der Frankfurter Thomas Berthold, einer der besonders schlagfertigen Weltmeister von 1990, bedauert die Entwicklung hin zu einer Generation von Nationalspielern, die auf Schritt und Tritt von Mitarbeitern des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) oder ihrer Klubs begleitet und damit zumindest unausgesprochen zu allzeit „korrekt“ redenden und handelnden Personen des öffentlichen Interesses geformt werden. Berthold sagt: „Die Typen sterben einfach aus, weil viele Persönlichkeiten unterdrückt werden.“ Dass die Meinungsfreiheit auch für ihn nicht grenzenlos war, bekam Berthold allerdings am eigenen Leib zu spüren. Ende 1994 hatte der Nationalspieler dem „Spiegel“ ein Interview gegeben, in dem er unter anderem gesagt hatte: „Es ist alles so ernst bei uns, zu generalstabsmäßig geplant. Auch Berti ist zu verbissen. Selbst unser Torwarttrainer Sepp Maier macht keine Witze mehr.“ Der damalige Bundestrainer Berti Vogts reagierte humorfrei und berief den zweiundsechzigmaligen Nationalspieler nicht mehr in sein Aufgebot.

          WM 1990: Nach dem Finalsieg in Rom schreitet Trainer Beckenbauer wie in Trance über den Platz.

          Der manchmal kleinteilig denkende und handelnde Vogts folgte im Spätsommer 1990 dem Souverän Franz Beckenbauer, der den Deutschen ein paar Wochen vorher mit seiner grandiosen Mannschaft den ersten Weltmeistertitel seit 1974 beschert hatte. Was sich an jenem 8. Juli in Rom durch Andreas Brehmes Elfmetertor zum 1:0-Endspielsieg über Argentinien rundete, war der Höhepunkt einer deutschen Festa All'Italiana, die einen Monat lang die Menschen in Deutschland ähnlich verzauberte wie das deutsche „Sommermärchen“ 2006. Der Sommernachtstraum von Rom krönte eine Reise nach Italien, während der die Deutschen, die im Castello di Casiglio in Erba nahe des Comer Sees logierten, mit ihrem über Wochen intakten Teamgeist und der gemeinsamen Lust auf Fußball höchster Qualität jede Herausforderung gern annahmen und daraus Siege en suite machten.

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