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Veröffentlicht: 19.07.2013, 11:54 Uhr

Erinnerung an Wilhelm II. in Norwegen Hier war nicht alles schlecht am Keiser

Im norwegischen Ålesund ist Wilhelm II. Kult. Straßen und Kneipen sind nach dem letzten deutschen Kaiser benannt, der seine Urlaube hier verbrachte und der Stadt nach einem verheerenden Brand großzügig half.

von , Ålesund
© Robert von Lucius In Ålesund sind noch Straßen nach Wilhelm II. benannt

Wer auch nach Mitternacht noch ein Bier trinken will - das Glas kostet nur acht Euro - ist gut aufgehoben im Keiser’n Pub an der Keiser-Wilhelms-Gate. Mehr als 30 Städte, im Ausland etwa auch Jerusalem, Haifa und Johannesburg, erinnern an den letzten deutschen Kaiser. Nur eine Stadt aber machte das aus Dankbarkeit zum Kult, das westnorwegische Ålesund.

Dort erinnert im Stadtpark oberhalb der Altstadt ein sieben Meter hoher Obelisk mit Relief an Wilhelm II., ebenso eine der Hauptverkehrsstraßen. Ein Ausflugsdampfer in der Bucht trägt seinen Namen in der deutschen Schreibweise. Die bemerkenswerte Kirche zeigt im Kirchenfenster, versteckt hinter der Orgel, das Preußen-Wappen. Anderswo hat Norwegen nach dem Zweiten Weltkrieg so manche Erinnerung an Deutschland getilgt - die Kaufmannszeile etwa, ein Weltkulturerbe in der Stadt Bergen, benannte sich von „tyske brygge“, „deutsche Brücke“, um in „brygge“. Nicht so Ålesund, dabei war es eine Hochburg des Widerstands in den Jahren deutscher Besetzung. Der Grund dafür ist die Hilfe, die Wilhelm II. nach einem verheerenden Stadtbrand leistete, der den Ort in der Nacht zum 23. Januar 1904, also gut ein Jahr vor der staatlichen Unabhängigkeit von Schweden, zerstörte. 850 Holzhäuser brannten ab, 10000 Einwohner wurden über Nacht obdachlos.

Die Hilfe des Kaisers stellte alles andere in den Schatten

Der Kaiser liebte den Westen Norwegens und verbrachte seit 1880 seine Yacht-Urlaube am liebsten mit der „Hohenzollern“ in den Fjorden. Mit dem Bürgermeister war er befreundet. Als er vom Brand erfuhr, schickte er umgehend vier vollbeladene Hilfsschiffe der Kaiserlichen Marine mit Baumaterial, Medikamenten, Nahrung und Wolldecken - aus seinem privaten Vermögen finanziert. Die entladenen Schiffe dienten Obdachlosen im Hafen als Notunterkunft.

Noch jetzt heißt es in der Stadt: „Auch aus anderen Teilen der Welt wurde Hilfe gesandt, doch die Unterstützung von Wilhelm II. war derart großzügig, effektiv und stilvoll, dass er andere Hilfsleistungen damit völlig in den Schatten stellte.“ Jahre nach dem Brand war die Stadt neu errichtet, nun in Stein. Die Architekten waren vom damals vorherrschenden Jugendstil geprägt, bezogen in die Ornamente aber Wikingerornamente ein. Mit 450 Jugendstilhäusern in der norwegischen Variante, dem Drachenstil, zählt Ålesund neben Wien, Riga und Brüssel zu den herausragenden Jugendstilstädten.

Unter den 400000 Besuchern im Jahr sind viele Gäste von Kreuzfahrten - so lagen unlängst die Flaggschiffe der Kreuzfahrtflotten aus England, die Queen Elizabeth, und aus Deutschland, die Deutschland, nebeneinander am Kai. Wenn die Gäste die Schiffe verlassen, ist die erste Straße, auf die sie stoßen, die Keiser-Wilhelms-Gate. Sie hat ihren Glanz verloren - man trifft auf Treffpunkte für Anonyme Alkoholiker und Rauschgiftsüchtige, auf einen Tätowiersalon und eine Verkaufsstätte für Grabsteine, auf Plakate, die für „Kaizers Orchestra Big Bang“ werben - oder eben auf die nach Kaiser Wilhelm II. benannte Eckkneipe.

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