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Älteste Frau der Welt : 116 erfüllte Jahre

  • -Aktualisiert am

Steinalt und putzmunter, das geht: Emma Morano, die derzeit älteste Frau der Welt, zu Hause in Verbania am Lago Maggiore. Bild: AFP

Sie erlebte zwei Weltkriege und elf Päpste: Emma Morano aus Italien ist 116 Jahre alt. Der ältesten Frau der Welt geht es noch erstaunlich gut.

          Das Jahr hielt viel Neues bereit. In einem Editorial der „New York Times“ wurde 1899 erstmals das Wort „automobile“ verwendet. Am Wiener Carltheater wurde die Operette „Wiener Blut“ von Johann Strauss uraufgeführt. Sigmund Freud veröffentlichte die „Traumdeutung“. Die Bayer AG ließ sich Aspirin als Markenzeichen eintragen. In Südafrika begann der Zweite Burenkrieg. Und am 29. November des Jahres 1899 wurde Emma Morano geboren.

          Damals nahm nur der nächste Umkreis Notiz von der Geburt. Heute ist Emma Morano in der ganzen Welt bekannt. Denn seit vergangenem Donnerstag ist die älteste Frau Italiens auch der älteste lebende Mensch der Welt. Emma Morano ist mit ihren 116 Jahren nun die Einzige, die noch vor dem Jahr 1900 das Licht der Welt erblickt hat. Susannah Mushatt Jones, die 46 Tage vor ihr in Alabama geboren wurde, starb am 12. Mai in einem New Yorker Altersheim – und machte den Weg frei an die Spitze der menschlichen Alterspyramide.

          Ein Leben voller Erinnerungen

          Die vorläufige Bilanz eines italienischen Lebens: 116 Jahre und sechs Monate; drei Jahrhunderte (ins erste hat sie nur kurz hineingeschnuppert); und ein Leben voller Erinnerungen, Kämpfe, Optimismus. An äußeren Daten bemessen: Bei ihrer Geburt lebte Giuseppe Verdi noch; im Laufe ihres Lebens erlebte sie zwei Weltkriege, elf Päpste und unzählige italienische Ministerpräsidenten; als der erste Mensch den Mond betrat, bereitete sie sich langsam auf ihren 70. Geburtstag vor.

          Im März schon wurde Emma Morano offiziell in die Liste der zehn ältesten Menschen aller Zeiten aufgenommen, und steht nun auf Platz neun. Nun ist sie unter den noch Lebenden die Spitzenreiterin im Guinness-Buch der Rekorde. Und sie bekommt noch alles bewusst mit. Jeder, der sie kennt, ist beeindruckt von ihrer Energie und Lebendigkeit. Die Bewohner ihrer Heimatstadt Verbania, zu der ihr Wohnort Pallanza gehört, sind stolz auf ihre betagte Nachbarin. Die ortsansässige Schriftstellerin Mariangela Camocardi widmete ihr im März eine besondere Theaterinszenierung aus Gesang, Tanz, Schauspiel, Lesung und Film. Zahlreiche Besucher freuten sich, Emma Moranos Leben in dem Stück „Correva l’anno...“ („Es verging das Jahr...“) nachzuvollziehen.

          Sie erlebten ihre Geschichte und parallel dazu die wichtigsten historischen Ereignisse von 1899 bis heute. Im Hintergrund zogen alte Bilder von Pallanza, von europäischen Kriegsschauplätzen und Überseedampfern der italienischen Amerika-Auswanderer im frühen 20. Jahrhundert vorbei. Gebannt verfolgte das Publikum, wie Kriege, technische Entwicklungen und persönliche Probleme Emmas Leben beeinflussten. Seit kurzem hat Verbania ein neues Theater, 18 Millionen Euro teuer. Bürgermeisterin Silvia Marchionini kündigte den begeisterten Zuschauern an, das Stück zu Moranos 117. Geburtstag im November im neuen Theater zu wiederholen.

          Sie wollte unabhängig sein

          Zu feiern gab es in Emma Moranos Leben wenig. Geboren wurde sie im Piemont, in Civiasco, als ältestes von acht Geschwistern. Als junge Frau verliebte sie sich in Augusto, einen Gebirgsjäger. Aber er wurde an die Front gerufen, um im Ersten Weltkrieg zu kämpfen, und sie sahen sich nie wieder. Eine Theorie besagt, er sei im Krieg gefallen. Die Zeitschrift „L’Alpino“ dagegen berichtete im März 2014, Augusto sei zurückgekehrt und habe seine geliebte Emma nicht mehr gefunden, weil sie in der Zwischenzeit nach Pallanza gezogen war.

          Im Jahr 1926 heiratete Emma Morano Giovanni Martinuzzi. 1937 wurde sie Mutter, jedoch starb der kleine Angelo nach wenigen Monaten. Entgegen damals geltenden Konventionen trennte sich die mutige Frau 1938 von ihrem Mann, weil er gewalttätig war. Sie wollte unabhängig sein und nie wieder herumkommandiert werden, sagte sie später zur Begründung. Auch wenn es zu keiner Scheidung kam und auf dem Klingelschild der Witwe noch heute der Name ihres Manns neben ihrem Mädchennamen steht, ist sie stolz, den Rest ihres Lebens allein geblieben zu sein.

          Ihre Haushaltshilfe Mila berichtet, was Emma Morano so wichtig ist: „Sie wiederholt immer, dass ich mit den Männern aufpassen soll, mich nicht mit dem Erstbesten, der mir über den Weg läuft, verloben soll und dass ich, wenn mir einer nicht gefällt, ihn verlassen soll.“

          Seit 62 Jahren in Rente

          Emma Morano wohnt im beschaulichen Ort Pallanza in ihrer Wohnung direkt am Lago Maggiore, an der Kirche San Leonardo. Ihr Hausarzt Carlo Bava erzählt, sie erfreue sich noch immer guter Gesundheit. Jede Woche schaut er nach ihr und ist sehr zufrieden mit ihrem Zustand. Sie wuchs in den Bergen auf. Als sie schwer erkrankte, riet ihr ein Arzt, an den See zu ziehen, wo es wärmer ist und die Winter milder sind. Seit 1915 lebt sie nun hier, seit 62 Jahren ist sie in Rente. Ihre beiden Nichten Rosemarie und Antonietta sehen täglich nach ihr und helfen ihr im Alltag, seit kurzem lebt eine Pflegerin bei ihr.

          Das Geheimnis ihres hohen Alters erklärt sich Emma so: Sie nimmt keine Medikamente, isst täglich zwei rohe Eier, gönnt sich Gianduiotto-Nougatpralinen sowie ab und zu ein Gläschen hausgemachten Grappa. Ihr hohes Alter ist wohl auch genetisch bedingt: Ihre Mutter, eine Tante und mehrere Schwestern wurden mehr als 90 Jahre alt. Eine ihrer Schwestern erreichte sogar das stolze Alter von 103 Jahren. Am wichtigsten jedoch ist wohl ihre Überzeugung, stets positiv an die Zukunft zu denken und an den nächsten Tag heranzugehen. Humor hat sie auch: Sie selbst meint, es habe wohl geholfen, dass sie nur kurz mit ihrem Ehemann zusammenlebte.

          In einem Video, vor wenigen Jahren an ihrem Geburtstag aufgenommen, tanzt sie mit einem der vielen Geburtstagsgäste. Schon in ihrer Jugend tanzte sie für ihr Leben gern Walzer. Angst vor dem Tod hat sie nicht: „Wenn er kommt, dann kommt er. Außerdem bete ich viel.“ An ihrem 116. Geburtstag antwortete sie auf die Frage, wie es ihr gehe: „Mir geht es gut, mir geht es gut. Und solange das so ist, bleibe ich hier bei euch.“

          Quelle: F.A.Z.

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