http://www.faz.net/-gum-915df

Elternzeit : Und, was sagt der Chef?

  • -Aktualisiert am

Die Zahl der Väter, die Elternzeit nehmen, steigt seit Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007 kontinuierlich an. Viele sind es aber immer noch nicht. Bild: plainpicture/Westend61/HalfPoint

Wenn Väter Elternzeit nehmen, dann kurz: Nur jeder vierte bleibt länger als zwei Monate zu Hause. Zu groß ist die Angst vorm Karriereknick. Drei Männer, die es trotzdem gewagt haben, berichten – unter geänderten Namen.

          Andreas Hilpert, 42, Ingenieur. Zweimal Elternzeit: 6,5 und 8 Monate

          Mir ist es wichtig, viel Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. Meine Frau ist Justitiarin. Wir haben regelrecht darum gefeilscht, wer wie viele Monate Elternzeit nehmen darf. Meine große Tochter ist jetzt fünf. Ich hatte bereits mehrere Monate vor ihrer Geburt mit meinem Chef gesprochen und ihm angekündigt, dass ich Elternzeit nehmen möchte. Ich arbeite seit 14 Jahren für ein Ingenieurbüro aus der Schweiz. In der Schweiz sind Elternzeit und Teilzeit bei Vätern gar nicht üblich. In unserem Berliner Büro hatte ich ein gutes persönliches Verhältnis zum Chef. Wir waren damals nur vier Mitarbeiter. Er hat positiv-entspannt reagiert. In der Zeit, in der ich weg war, wurden meine Projekte größtenteils vom Mutter-Standort in der Schweiz aus erledigt.

          Natürlich hilft es mir, dass Ingenieure auf dem Arbeitsmarkt gerade gefragt sind. Ich musste keine Angst haben, nach der Elternzeit vielleicht nicht mehr gebraucht zu werden. Auch die Tatsache, dass ich ohnehin nie Karriere machen wollte, macht es entspannter. Seit ich für das Unternehmen tätig bin, wurde ich zweimal von Vorgesetzten angesprochen, ob ich nicht die stellvertretende Leitung des Büros übernehmen will. Als Führungskraft müsste ich mehr organisatorische Aufgaben erledigen, ich arbeite aber lieber fachlich. Deshalb habe ich abgelehnt. Außerdem war mir wichtig, so frei und flexibel wie möglich zu bleiben.

          Der Wiedereinstieg nach der ersten Elternzeit war nicht ganz einfach. Meine Frau und ich hatten beide unsere Arbeitszeit reduziert, ich auf 28 Stunden pro Woche, sie auf 30 Stunden. Nach meiner Rückkehr bekam ich einen neuen Chef, der mir auch gleich ein großes Projekt übergab. Das konnte ich in meiner verkürzten Arbeitszeit nicht stemmen. Anfangs habe ich deshalb auch an meinem freien Tag gearbeitet. Aber es war einfach nicht zu schaffen. Ich musste das Projekt schließlich abgeben. Seitdem läuft alles gut – auch bei der zweiten Elternzeit, die ich in diesem Jahr genommen habe und die demnächst zu Ende geht. Es passte zufällig, dass ein Werkstudent eingestellt wurde, der meine Arbeit in der Zwischenzeit übernommen hat und jetzt eigene Projekte bekommt.

          Beide Male musste ich die Elternzeit um jeweils rund zwei Monate verlängern, weil es mit dem Kita-Platz nicht auf Anhieb klappte. Auch da haben meine Chefs Verständnis gezeigt und mir grünes Licht gegeben. Dafür bin ich dem Unternehmen sehr dankbar. Meine Frau und ich kommen unseren Chefs aber auch entgegen. Wir haben unsere Arbeitszeiten extra so gelegt, dass immer einer von uns zuhause ist. Somit fehlen wir auch nicht bei der Arbeit, wenn mal ein Kind krank ist.

          Klaus Simon, 37, Schleifer. Zweimal Elternzeit: 6 und 7 Monate

          „Wenn du keinen Bock mehr zum Arbeiten hast, dann bleib doch zu Hause und kümmer’ dich um deine Kinder“: Das hat mein Meister zu mir gesagt, nachdem ich in der Arbeit zwei Wochen fast vollständig ausgefallen bin. Erst bekam meine eine Tochter Fieber, und kaum war sie wieder gesund, fing die zweite an zu spucken. Ich habe mich zu Hause um die beiden gekümmert und konnte nicht arbeiten gehen. Meine Frau ist Bankkauffrau. Sie verdient mehr als ich und hat die Möglichkeit, Karriere zu machen. Deshalb hat ihr Job Priorität. Ich habe keine Aufstiegschancen.

          Weitere Themen

          „Wir können Trump nicht vertrauen“ Video-Seite öffnen

          „Dreamer“ in Amerika : „Wir können Trump nicht vertrauen“

          In New York haben zahlreiche Menschen für den Verbleib der sogenannten Dreamer protestiert, hunderttausende illegal in Amerika eingereiste junge Menschen. Obwohl Präsident Donald Trump an einer Vereinbarung mit den Demokraten arbeitet, die diese Menschen vor der Abschiebung schützen soll, sind viele Aktivisten skeptisch.

          Topmeldungen

          Der Hauptsitz der Europäischen Bankenaufsicht in London: Frankfurt will sie nach dem Brexit haben. Doch das wird wohl nichts.

          EU-Kommission : Frankfurts Chancen auf Bankenaufsicht schwinden

          Banken- und Versicherungsaufsicht werden doch nicht zusammengelegt, hat die EU-Kommission jetzt entschieden. Das dürfte erhebliche Auswirkungen auf den Standort am Main haben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.