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Elizabeth Gilbert im Porträt : „Bei mir muss es persönlich sein“

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Sture Freude: Autorin Gilbert entspannt und mit typischem Lächeln im Hotel in Stuttgart. Bild: Müller, Verena

Mit dem Bestseller „Eat, Pray, Love“ hat Elizabeth Gilbert viele Leserinnen berührt. Jetzt will sie ihnen Mut machen, in sich die magische Macht der Kreativität zu finden. Eine Begegnung.

          Im Stuttgarter Maritim-Hotel ist der Weihnachtswahnsinn ausgebrochen. Vollgestopfte Shoppingtüten, bewacht von ihren Besitzern, die sich, fast ohne dass es auffällt, mit den Teilnehmern eines norddeutschen Therapeutenkongresses mischen. In diesem Umfeld würde man Elizabeth Gilbert, seit ihrem verfilmten Bestseller „Eat, Pray, Love“ Teil der Hollywood-Royalty, eher nicht erwarten. Doch Gilbert ist nicht der Typ, der Hotelzimmer umstreichen lässt, bevor sie darin einzieht. Selbst surrende Kühlschränke im Zimmer und zwei hässliche Granny-Smith-Äpfel auf einem zu flachen Tisch in ihrer Suite können Gilbert nicht aus der Reserve locken.

          Im Gegenteil. Gilbert breitet die Arme aus und heißt einen in ihrer „temporären Heimat“ willkommen. Geschämt für das unschöne Sofa, auf dem sie sitzt, wird sich nicht. Gilbert ist die Art von Person, die jeden bei einer elenden Flugverspätung davon überzeugen wird, die Fluggesellschaft nicht zu verklagen und die Verspätung als Geschenk des Universums zu betrachten. Wegen eines solchen Satzes würde man jemanden wie Gilbert nicht hassen, sondern sich ein Eis kaufen und auf den nächsten Flug warten. Und Gilbert würde ihren blonden Pagenkopf nach rechts neigen und ihr riesiges Gilbert-Lächeln senden.

          Schriftstellerei ohne Depression

          Jetzt, in Stuttgart, hat sie eine Lesung. In den letzten drei Monaten war Gilbert unterwegs, um ein Schriftstellermodell vorzustellen, das noch in den Anfängen steckt. Ungefähr so wie das Elektroauto im Verhältnis zum Benzinmonster. Gilbert behauptet jedenfalls in ihrem neuen Buch „Big Magic“, man könne ohne Traurigkeit, ohne Selbsthass Schriftsteller sein. Nicht mal eine kleine Depression sei nötig. Wäre das aber nicht sehr langweilig, und wenn ja, in welchen anderen Stoff würde man die Langweile transformieren müssen? In Gilberts Fall ist die Sache noch drastischer. Sie ist eine Schriftstellerin, die sich selbst und ihre Bücher liebt. Und ihren Instagram-Account. „Das ist netter Bullshit, der mich amüsiert!“ Aus ihrem Account ist schon vor der Ankunft in Stuttgart zu entnehmen, dass Gilberts Gepäck nicht mitgekommen ist und ihr Hotelschrank gestern leer blieb. Doch die „Tourgarderobe“, wie Gilbert sagt, ist wieder da. Schwarze Röcke, weiße Blusen. Das ist alles, denn Frau Gilbert ist Profi mit Bühnengefühl und mit der Fangemeinde eines Rockstars.

          „Ich weiß es nicht“: Julia Roberts im verfilmten Bestseller „Eat, Pray, Love“.

          Den Bestseller „Eat, Pray, Love“ veröffentlichte sie 2006; genau 199 Wochen rangierte er auf der Bestsellerliste der „New York Times“, verkaufte sich in Europa extrem gut, landete schon bald mit Julia Roberts und Javier Bardem in den Kinos. Der Film ist unter Cineasten-Hardlinern verhasst und wird gern als spirituelles McDonald’s verurteilt. Doch er erzählt Gilberts eigene Geschichte und davon, was ein Leben im 21.Jahrhundert von einem weißen, eigentlich gutsituierten und verheirateten Menschen – oder sagen wir: einer Frau – an Eingeständnissen fordert: Es kann sein, dass du deine Ehe aus falschen Gründen geschlossen hast, es kann sein, dass selbst zwanzig Therapeuten dir nicht helfen können, es kann sein, dass dein toller Job dich nirgends hinführt, es kann sein, dass du alles hinwerfen musst, es kann sein, dass du keine Kinder hast und nicht weißt, warum. Yoga oder Meditation werden dir helfen, aber all diese Fragen nicht für dich lösen.

          Gilbert sagt, sie habe an diese Zeit keine schlechten Erinnerungen, vielleicht auch, weil sie mittlerweile verblasst seien. „Es war eine Zeit in meinem Leben, in dem es auf viele Fragen nur eine Antwort gab: ,Ich weiß es nicht!“, sagt Gilbert, wobei diese Antwort auf all die Fragen ihr damaliges Umfeld mehr in Rage brachte als Gilbert selbst: „Die Bedeutung eines Satzes wie ,ich weiß es nicht‘ ist für die meisten Menschen eine Vollkatastrophe.“

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