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Einschulung Frau Mayers erster Tag

 ·  Die Einschulung macht Eltern stolz und Kinder nervös. Aber auch für Lehrer ist sie kein Tag wie jeder andere.

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© Fabian Fiechter Vergrößern Erster Schultag einer Lehrerin: Katharina Mayer gibt am Dienstag ihren ersten Erstklässlern das Zeichen für „Hören“

Der erste Schultag ist noch keine halbe Stunde alt, da fließen schon die ersten Tränen. Gerade haben die Zweitklässler der Michael-Ende-Schule im Frankfurter Stadtteil Rödelheim die neuen Erstklässler mit einer Aufführung begrüßt, jetzt treten die Leiterinnen der drei ersten Klassen in die Mitte der Turnhalle. Jede trägt eine andere Blume an der Bluse. Auch die Erstklässler haben am Morgen eine Blume bekommen und sollen sich nun um die Lehrerin scharen, die die gleiche Blume trägt wie sie. Aisha stürmt wie zwei Dutzend andere Jungen und Mädchen der Klasse 1a auf Katharina Mayer zu, schwarzer Pferdeschwanz, grünes Kleid - Sonnenblume. Dann fängt Aisha (die Namen aller Kinder wurden geändert) an, sich hilfesuchend umzusehen. Und als sie nicht findet, was sie sucht, Mama und Papa vermutlich, kommen ihr die Tränen.

Katharina Mayer ist lange genug Lehrerin, um zu wissen, was jetzt hilft: Sie legt Aisha den Arm um die Schultern und lässt das Mädchen sein Gesicht in ihrem Kleid vergraben. Dann setzt sich die Prozession in Bewegung, zwei Dutzend Kinder in halbwegs geordneten Zweierreihen auf dem Weg ins Klassenzimmer, an der Spitze die Lehrerin, Frau Mayer, und an ihrer Hand Aisha, die zwar noch skeptisch guckt, aber wenigstens nicht mehr weint.

Hat sie an alles gedacht?

Die Einschulung: ein neuer Lebensabschnitt, ein aufregender Tag - nicht nur für Schüler, auch für Lehrer. Katharina Mayer hat mit ihren 29 Jahren schon Erfahrung mit ersten Schultagen, vier davon hat sie als Klassenleiterin bislang mitgemacht. Aber diese Mal ist es auch für sie besonders aufregend: Zum ersten Mal hat sie die Leitung einer ersten Klasse, zum ersten Mal ist der erste Schultag die Einschulung. Sie kennt weder die Kinder noch die Eltern, und nicht einmal die Kollegen kann sie fragen, was sie erwartet. Welches Kind hat besonders viel Energie? Welche Mutter ist besonders behütend? Oder gibt es vielleicht auch Eltern, die sich zu wenig kümmern? Katharina Mayer wird es selbst herausfinden müssen. Dementsprechend nervös sei sie in den vergangenen Wochen gewesen, sagt Mayer einige Tage vor der Einschulung in einem Frankfurter Café.

Schon die Frage, wie man Schülern etwas beibringen will, die nicht lesen, nicht schreiben, nicht rechnen können: „Klar haben wir gelernt, Unterricht vorzubereiten, aber diese Situation ist schon etwas sehr Besonderes.“ Seit zwei Wochen ist Katharina Mayer unterwegs, kauft Materialien, holt sich Rat bei Kollegen, dekoriert das Klassenzimmer. Sie hat sich überlegt, wie sie die Tische am besten stellt. Sie bastelte einen Baum aus Tonpapier, an dem sich die Kinder messen können. Sie druckte Zahlen aus und laminierte sie, dazu Bilder, die den Kindern eine Vorstellung für die Zahl geben sollen, einen Baum für die eins, Zwillinge für die zwei. „Das sind viele kleine Schritte, die man vorbereiten muss“, sagt Katharina Mayer.

Die Vorbereitungen haben sie ruhiger werden lassen, aber die Gedanken sind noch da: Hat sie an alles gedacht? Schaffen es alle Kinder, die Stunde ohne Mama und Papa durchzuhalten? Was ist, wenn ein Kind sich nicht zu fragen traut, ob es auf die Toilette gehen darf, und es dann nicht mehr halten kann? Was kann sie machen, damit sich die Kinder schon am ersten Schultag bei ihr wohl fühlen? Aber letztlich weiß Katharina Mayer, dass an einem Tag mit einer aufgeregten Horde Kinder immer etwa Unvorhergesehenes passiert: „Man kann vieles planen, aber manchmal kommt es halt anders, als man denkt.“

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