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Illegale in Amerika : Lost Angeles

  • -Aktualisiert am

Joseline glaubte, doch noch ein Aufenthaltsrecht zu bekommen. Seit ein neuer Präsident im Amt ist, muss sie daran zweifeln. Bild: Magali Gauthier

Joseline Gonzalez lebt illegal in den Vereinigten Staaten. Unsere Autorin hat aufgezeichnet, wie ihr Leben als Schülerin in einem der gefährlichsten Bezirke von Los Angeles aussieht und was die Wahl Trumps für sie bedeutet.

          Ich bin in Guatemala-Stadt geboren. Als ich drei Jahre alt war, sind meine Mutter und ich mit einem Besuchervisum nach Los Angeles gereist. Meine Tante war ein paar Jahre zuvor dorthin gezogen, also wohnten wir eine Zeit lang bei ihr, um die Stadt kennenzulernen. Wir hatten nicht geplant, dort zu bleiben oder uns gar ein neues Leben aufzubauen, fast unsere ganze Familie lebt in Guatemala.

          In Los Angeles bin ich zum ersten Mal zur Schule gegangen - in Guatemala hätte ich vielleicht nie eine Schule besucht. Meine Mutter erkannte schnell, dass die Schulen hier besser waren, dass alles besser war als in Guatemala. Dort gibt es so viel Kriminalität, es ist verrückt, wie anders alles ist. Ich erinnere mich kaum an meine Zeit in Guatemala, aber wenn, dann an schlechte Dinge. Mein Großvater hatte einen Schönheitssalon, in den wurde immer wieder eingebrochen, bis wir ihn irgendwann nicht mehr geöffnet haben, weil wir so viel Angst hatten.

          Als ich fünf Jahre alt war, flogen wir für einen Monat zurück nach Guatemala und reisten kurz vor Ablauf unseres Visums wieder in die Vereinigten Staaten ein. Dann lief das Visum ab - wenn wir dann das Land verlassen hätten, hätten wir nicht mehr zurückkehren können.

          Erste Einschränkungen an der High School

          Lange wusste ich nicht, dass ich illegal in Amerika bin, also undocumented. Ich kann mich nicht mal daran erinnern, wann mir klar wurde, dass wir illegale Einwanderer sind. Zum ersten Mal an unüberbrückbare Hindernisse stieß ich dadurch in der High School. Es gab da viele coole Programme mit Universitäten in Kalifornien, ich war total begeistert. Damals hatte ich noch nie einen Campus gesehen, bis auf den der University of Southern California, der liegt in meiner Nachbarschaft, einen Spaziergang entfernt. Aber ich durfte mich nicht mal bewerben, weil ich keine Sozialversicherungsnummer habe, die Programme aber von der Regierung bezahlt werden.

          Ich weiß, das ist logisch, aber ich habe mich damals oft gefragt, warum eine Sozialversicherungsnummer die Ziele, die ich für mich selbst stecken möchte, definieren soll. Ich habe es immer weiter versucht, obwohl ich legal nichts machen konnte. Meine Lehrer wollte ich überreden, ein Auge zuzudrücken, mich inoffiziell teilnehmen zu lassen. Hat alles nicht funktioniert. Da habe ich mich gefragt, warum wir eigentlich hergekommen sind. Es hat mir die Motivation für die Schule geraubt. Würde das immer so sein? Jedes Mal, wenn ich eine Chance ergreifen will, werde ich abgelehnt, weil ich keine Sozialversicherungsnummer habe? Sieht so meine Zukunft aus?

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          Vieles scheitert an der Sozialversicherungsnummer

          Dann kam die Suche nach einem Nebenjob. Meine Freunde hatten nach der Schule nie Zeit, sie sind arbeiten gegangen. Ich ging nach Hause. Es war unerträglich, denn ich hasse es, nichts zu tun. Ich habe mich um ausgeschriebene Stellen beworben, aber immer hieß es: Sie haben keine Sozialversicherungsnummer, tut uns leid. Bei T-Mobile lassen sie dich kein Handy mit einem Vertrag kaufen, dazu brauchst du eine Sozialversicherungsnummer. Ich konnte kein Konto eröffnen. Ein Sparbuch auch nicht. Und meine Mutter genauso wenig, sie hat ebenfalls keine Sozialversicherungsnummer.

          Zwischendurch hatte ich neue Hoffnung. Ich bin gerade 18 Jahre alt geworden, jetzt kann ich mich für DACA bewerben: Deferred Action for Childhood Arrivals ist ein Gesetz, das 2012 von der amerikanischen Regierung verabschiedet wurde. Illegalen Einwanderern, die vor ihrem 16. Geburtstag in die Vereinigten Staaten gekommen sind, ermöglicht es, Aufenthalts- und Arbeitsrechte zu erhalten.

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