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Beziehungen : Wie du lernst, deinen Ex zu verstehen

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Muss eine Trennung immer grausam werden? Bild: Picture-Alliance

Nach der Trennung kommt oft der Hass. Es geht aber auch anders, friedlich. Ein Programm soll dafür sorgen. Hätte die Schluss-machen-Agenda auch bei ihrem letzten Beziehungsende geholfen?

          Wenn jemand Corinne vor zwei Jahren prophezeit hätte, dass sie Heiligabend irgendwann nochmal gemeinsam mit ihrem Exmann feiern würde, dann hätte sie denjenigen für verrückt erklärt. Und wenn dieser Jemand ihr dann noch gesagt hätte, dass dies schon ein Jahr später passieren würde, dann hätte die IT-lerin ein Jahresgehalt dagegen gewettet. Lachend sitzt sie vor einem offenen Kaminfeuer in einem Hotelfoyer im niederländischen Apeldoorn, eine elegante Frau Mitte 50 im feinen Kostüm, das Haar sorgsam hochgesteckt, und erinnert sich daran, wie unvorstellbar diese Wiederannäherung für sie gewesen ist.

          Denn die Trennung, die sie hinter sich hatte, war in einen völligen Kontaktabbruch gemündet. Ein Jahr lang hatte zwischen Corinne und ihrem Ex eine komplette Funkstille geherrscht, trotz der gemeinsamen Kinder, trotz der 36 Jahre, die sie verheiratet gewesen waren. Zu tief war Corinnes Verletzung gewesen, zu abscheulich das, was ihr Ex ihr angetan hatte. Zunächst hatte er sich einfach verändert, er war aggressiv und aufbrausend geworden und hatte sich über Dinge geärgert, die er vorher stets in Ordnung gefunden hatte. Dann sagte er, er brauche Zeit für sich, und zog „für ein paar Monate“ aus. Doch aus den Monaten wurde ein Jahr, und als er dann immer noch nicht zurückkommen wollte, reichte Corinne die Scheidung ein.

          „The 5 Steps to Living Happily Even After“

          Zunächst gaben sie sich wegen der bereits volljährigen Söhne weiterhin Mühe miteinander, sie half ihrem Ex beim Auszug und beim Einrichten der neuen Wohnung, sie feierten Geburtstage zusammen und Weihnachten. Aber dann fand sie heraus, dass er schon seit zwei Jahren eine Freundin hatte, eine Arbeitskollegin, 15 Jahre jünger als er. „Ich lud ihn zu mir ein und konfrontierte ihn mit meiner Entdeckung, und da sagte er, er habe mir gerade sagen wollen, dass er seit neuestem eine Freundin habe“, erinnert sie sich. Und so schmiss sie ihn raus. „Ich war so wütend! Ich hatte ihm 36 Jahre lang vertraut, wir waren ein Team. Und dann dieser Betrug!“

          Dass sie nicht in ihrer Wut verharrte, hat mit Katherine Woodward Thomas zu tun. Die amerikanische Beziehungs- und Familientherapeutin hat im Zuge ihrer eigenen Scheidung ein Programm entwickelt, das es Expartnern ermöglicht, selbst nach einer blutigen Trennung wieder respekt- und sogar liebevoll miteinander umzugehen – was alles andere als selbstverständlich ist. Denn unser Körper rutscht in den Angriffsmodus, wenn wir verlassen werden. „Die Natur hat eine Trennung nicht vorgesehen; in früheren Zeiten wären wir gestorben, wenn unser Clan uns verstoßen hätte“, sagt Woodward Thomas am Telefon. In der Welt unseres Gehirns sei eine negative Bindung immer noch besser als gar keine, und so weigere es sich loszulassen und schalte stattdessen von Liebe zu Hass.

          Bekannt geworden ist Woodward Thomas’ Programm mit dem Namen „Conscious Uncoupling“ durch die Schauspielerin Gwyneth Paltrow und den „Coldplay“- Sänger Chris Martin, die 2014 aus dem Familienurlaub auf den Bahamas ihre mit Hilfe des Programms vollzogene Trennung verkündeten. Nun ist der amerikanische Bestseller unter dem deutschen Namen „Lass uns in Frieden auseinandergehen“ auch auf Deutsch erschienen – der amerikanische Untertitel zeigt allerdings eher, um was es bei dem Programm geht, er lautet: „The 5 Steps to Living Happily Even After“.

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