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Ein absoluter Beginner : Jungfrau, männlich, 38 sucht...

Wer ist schon gern alleine im Bett? Bild: Picture-Alliance

Er geht auf die 40 zu, hatte bisher aber weder eine längere Beziehung noch Sex. Hier erzählt ein Langzeit-Single, warum sein Leben wohl so ist, wie es ist.

          Auf Facebook habe ich geschrieben, dass ich beim CSI Bad Dürkheim arbeite. Aber das ist nur ein Witz. CSI steht für Crime Scene Investigation, das ist eine Serie, die ich gerne im Fernsehen gucke. In Wirklichkeit bin ich Druckereihelfer, ich packe Beipackzettel in Kartons, eingeschweißt in Bündel zu je 1000 Stück, und dann stelle ich die Kartons auf Paletten und übergebe sie an die Lkws. Ja, und das Profilbild, das ich auf Facebook habe, mit den hübschen Frauen um mich rum, das war auf dem Bad Dürkheimer Wurstmarkt letztes Jahr. Wir standen da zufällig zusammen, nach dem siebten Bier, und ein Eventfotograf hat es gemacht. Ich habe es dann von seiner Seite runtergeladen. Ich kenne die Frauen gar nicht.

          Katrin Hummel

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Als ich zehn war, haben sich meine Eltern scheiden lassen. Erst zog ich zur Mutter, aber die hatte einen eigenen Friseursalon und kam immer erst abends nach Hause. Als meine Schulnoten im Keller waren, zog ich zu meinem Vater und zu dessen neuer Frau, was aber keine gute Idee war, denn die Frau war eifersüchtig auf mich. Sie hat mich immer runtergemacht, wenn mein Vater nicht da war: „Du bist ein Versager, du hast deine Lehre abgebrochen, schau dir deinen Vater an, der ist bei der BASF, und du hockst nur rum.“ Dabei stimmte das gar nicht, ich habe nie rumgesessen, sondern nach dem Abbruch meiner Lehre direkt Praktika gemacht.

          Einmal, als mein Vater bei der Arbeit war, kam ich abends nicht ins Haus rein, mein Schlüssel passte plötzlich nicht mehr. Ich klingelte und klingelte, weil ich Licht sah, und nach einer halben Stunde öffnete sie schließlich, sie hatte dabei meinen Hund auf dem Arm. Sie fragte, was ich hier suchen würde. Ich antwortete: „Ich wohne hier.“ Und da sagte sie: „Aber nicht mehr lange, dafür werde ich sorgen. Und geh künftig zu deiner Mutter, wenn dein Vater bei der Arbeit ist.“ Ich bin dann rauf in mein Zimmer und hab’ geheult. Meinen Hund hat sie auf dem Arm behalten.

          Mit 19 fiel ihm das erste Mal auf, dass er anders war

          Ich habe oft geweint wegen ihr. Sie erlaubte auch nie, dass ich mich abends mit Freunden treffe. Mit 15 musste ich in eine Klinik, weil ich viel zu dünn und zu klein war. Die Ärzte haben damals vermutet, ich sei wegen der Scheidung meiner Eltern in meiner Entwicklung stehengeblieben. Ich weiß nicht, ob das stimmt, ich bin kein Psychologe. Vielleicht war sie ja auch daran schuld. Sie hat mir mein Selbstbewusstsein genommen, denn vor der Scheidung meiner Eltern war ich ganz anders. Mit 16 bin ich bei ihr und meinen Vater ausgezogen.

          Ich hatte bisher drei Freundinnen: Die erste lernte ich in der Klinik kennen, mit ihr lief aber nichts außer Küssen und Händchenhalten. Die zweite lernte ich mit siebzehn kennen, in einer Karaoke-Bar, in der ich mit meinen Fußballkumpels war. Ich hatte getrunken, sie saß am Nebentisch, so kamen wir ins Gespräch. Drei Wochen waren wir zusammen, wir haben geknutscht, mehr war nicht drin, obwohl ich es probiert habe.

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