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Ehrenamt-Projekt Ein Kümmerer für Altkünkendorf

In der Uckermark ist nicht viel los. Sogenannte Dorfkümmerer sollen wieder Leben in besonders bedrohte Orte wie Altkünkendorf bringen.

© Matthias Lüdecke Vergrößern Ein Zeichen setzen: Dorfkümmerer Hans-Jürgen Bewer will den Kirchturm von Altkünkendorf als Aussichtsplattform nutzen

Um die Kirche läuft eine Gruppe kleiner Kinder in farbigen Regenjacken. Sie sind nur zu Besuch. In Altkünkendorf leben fast keine Kinder. „Voriges Jahr hatten wir das außerordentliche Ereignis der Geburt eines Altkünkendorfers“, sagt Hans-Jürgen Bewer. Der Einundsiebzigjährige ist Ortsvorsteher und trägt den ungewöhnlichen Titel des „Dorfkümmerers“. Ein Ehrenamt, finanziell vom Land gefördert.

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Altkünkendorf ist ein Dorf, um das sich jemand kümmern muss. Es liegt wenige Kilometer von der polnischen Grenze entfernt, anderthalb Stunden Autofahrt von Berlin nach Nordosten. In diesem Landkreis, der Uckermark, leben nur rund 42 Einwohner pro Quadratkilometer, und das sieht man: Wenige Dörfer verlieren sich in weiter Landschaft. Das Wort von den „gleichwertigen Lebensverhältnissen“ bekommt hier eine neue Bedeutung: Die Straßen sind gut, die alten Häuser renoviert. Aber leben wollen hier trotzdem immer weniger. Auf einer Wiese weht eine große Deutschlandflagge über ein paar grasenden Pferden.

Die Uckermark ist ein strukturschwacher Landkreis in einer ohnehin schon strukturschwachen Region. 14,6 Prozent der Menschen sind arbeitslos, viele wandern ab, kaum Kinder kommen nach. Im Landkreis gibt es viel weniger Geburten als Sterbefälle. Bis 2030 wird hier die Bevölkerungszahl um rund 20 Prozent niedriger sein als 2010. Die Bevölkerungsprognose bildet einen Baum, dessen breitester Punkt sich von der Mitte, wo heute die Fünfzigjährigen sind, nach oben verschiebt. Im Jahr 2030 ist der Baum oben sehr breit und unten ganz schmal.

Mitten in einem Biosphärenreservat

Im Dorf ist nur selten jemand zu sehen. Der Bus stoppt, ein Kind mit Schulranzen steigt aus, es war der einzige Fahrgast. Im Hof eines Hauses an der Hauptstraße steht ein alter Trabi ohne Reifen, drumherum laufen Hühner. Ein alter Mann in beiger Jacke wankt die Hauptstraße hinab in Richtung „Dorfgemeinschaftshaus“ unter der alten Eiche. Da treffen sich dienstags ein paar Rentner.

Nachhaltiger Tourismus - Uckermark gewinnt Bundeswettbewerb © dpa Vergrößern Ein Dorf, um das sich jemand kümmern muss: Altkünkendorf

Nach Angaben Bewers sind unter den 180 Einwohnern Altkünkendorfs nur sechs bis sieben Kinder. Aber es gibt immerhin keine Abwanderung mehr. Das Dorf könne Einwohner gewinnen, „Familien sogar“, sagt Bewer, aber es mangele an Bauland. Denn außerhalb des Dorfs sei alles „Schutzzone zwei“. Bauverbot dank des Weltnaturerbes. „Weltnaturerbe“, sagt Bewer und wird lauter. „Das muss man erst einmal in die Köpfe hineinkriegen.“ Darum dreht sich bei Bewer alles. Um den Versuch, sein Dorf zu fördern und gegen Lethargie und Widerstände anzukämpfen. Und wohl auch darum, selbst ein paar Spuren zu hinterlassen.

Altkünkendorf liegt mitten im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Das wurde 1990 noch zu DDR-Zeiten als Nationalpark unter Schutz gestellt, eine schöne weite Moorlandschaft, in der sich seltene Vogelarten wieder ansiedeln. Darin liegt auch der Grumsiner Wald, ein Buchenwald, der an Altkünkendorf angrenzt und der vor der Wende das Revier von Erich Mielke war. Die Anwohner durften nicht hinein, der Minister für Staatssicherheit hatte im nahen Schloss Wolletz seinen Jagd- und Erholungssitz. Die Bäume wuchsen, wie sie wollten. 2011 wurde der Wald zum Teil des Unesco-Weltnaturerbes „Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands“ erklärt.

„Ich möchte noch etwas gestalten“

Von seinem Haus kann Bewer den Wald sehen. Seit 1999 lebt er am Dorfrand zusammen mit seiner Frau, einer Ärztin. Einen „Neu-Altkünkendorfer“ nennt er sich. Aber mittlerweile, sagt er selbst, sei er ja nicht mehr wegzudenken. Früher arbeitete er als Leiter der Maschinentechnik im „PCK Schwedt“, dem „Petrolchemischem Kombinat“. Das ist heute noch eine große Raffinerie, auch wenn die Abkürzung mittlerweile für „Petrolchemie und Kraftstoffe“ steht. Damals habe er viel reisen dürfen, sagt Bewer. „Auch in das NSW“, ins „nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet“, also in den Westen.

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