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Eheleute Wulff trennen sich : Der Glanz war nur Schein

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Eine Trennung, die kaum noch jemanden überrascht hat: Bettina und Christian Wulff sind kein Paar mehr. Christian Wulff ist bereits aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen.

          Christian Wulff und seine zweite Frau Bettina haben sich getrennt – knapp ein Jahr, nachdem Wulff von seinem Amt als Bundespräsident zurücktrat. Ein Kriseln zwischen beiden war ersichtlich spätestens seit Bettina Wulffs Buch, in dem sie von paartherapeutischer Behandlung schrieb. Wulff zog am Wochenende – der fünfte Umzug in vier Jahren – nach Hannover in eine innenstadtnahe Wohnung, nahe beim Maschsee und damit auch nahe der niedersächsischen Staatskanzlei, in der er zwischen 2003 und 2010 Ministerpräsident war. Enge Vertraute, die mit ihm in den vergangenen Tagen Kontakt hatten, beschrieben ihn als „stabil“, zumal er offenbar Zeichen sehe, dass das strafrechtliche Ermittlungsverfahren gegen ihn nicht in eine Anklage münde.

          Offenbar hat das Ehepaar am Montag in einer hannoverschen Anwaltskanzlei eine Trennungsvereinbarung unterzeichnet, nach der Bettina Wulff im Haus in Großburgwedel mit den Kindern wohnen bleibt – die räumliche Trennung sei mit Rücksicht auf die Kinder vereinbart worden. Die Sorge um den gemeinsamen Sohn Linus wird sich das Ehepaar teilen. Der Anwalt des Ehepaares, Gernot Lehr, sagte, es werde neben den dürren Worten vom Montagmittag „keine weiteren Erklärungen zu ihrer privaten Situation geben“.

          Vier Stationen: Christian und Bettina Wulff kurz nach Beginn ihrer Beziehung im Juni 2006 bei einem Fest in Hannover (oben),  beim Bundespresseball 2006 in Berlin (hier) … Bilderstrecke
          Vier Stationen: Christian und Bettina Wulff kurz nach Beginn ihrer Beziehung im Juni 2006 bei einem Fest in Hannover (oben), beim Bundespresseball 2006 in Berlin (hier) … :

          Wulff hat sich damit innerhalb gut eines Jahres von beiden Personen gelöst, die ihn in den vergangenen Jahren enger als andere begleitet hatten – erst von seinem engsten Berater und Sprecher Olaf Glaeseker und dann von seiner Frau. Glaeseker deutete – wie andere Mitarbeiter Wulffs in seiner Schlussphase als Regierungschef – an, dass sein Zugang zu Wulff erschwert werde, weil Wulff den Ratschlägen seiner Frau, einer ehemaligen Pressesprecherin und PR-Beraterin, folge.

          Die 39 Jahre alte Bettina Körner hatte er 2006 kennengelernt, angeblich auf einer Südafrikareise, als sie Sprecherin eines großen hannoverschen Industrieunternehmens war. Sie galt als lebensfroh und munter, aber auch als jemand, der eher an Glanz und Film interessiert ist denn an intellektuellen oder musischen Fragen. Das entsprach nicht seinen Vorstellungen – Wulff lebte zwar auch stärker als vielleicht manch anderer Politiker von Ideen seines Umfeldes, hatte aber auch selbst Werte gesetzt und vorgegeben, die nicht die ihren waren.

          „Ein Monolog in 18 überflüssigen Kapiteln“

          Anfangs deutete die Glanzpresse Bettina Wulffs Auftreten so, dass sie nach der Wahl ihres Mannes zum Bundespräsidenten im Juni 2010 Farbe in das Palais des Bundespräsidenten bringe. Die beiden hatten im März 2008 geheiratet, einen Monat nachdem Wulff sich von seiner ersten Frau hatte scheiden lassen. Frühe Warnungen aus seinem Freundeskreis hatte Wulff überhört.

          Fast jeder Fehler, der ihn in den vergangenen vier Jahren in Bedrängnis brachte, war entweder von ihr begangen worden – etwa das Upgrade auf einem Ferienflug – oder von ihm, in der Absicht, ihr und ihrer Neigung zur Welt des Scheins zu gefallen. Dazu zählten der Hauskauf in ihrer Heimatstadt Großburgwedel, die Hochzeitsreise auf Einladung sowie gemeinsame Unternehmungen mit dem Filmemacher David Groenewold in München und auf Sylt.

          Da es dabei zum Anschein kam, dass private und dienstliche Gefälligkeiten sich überschnitten haben könnten, leitete die hannoversche Staatsanwaltschaft Ermittlungen ein. Ihr Antrag auf Aufhebung der Immunität des Bundespräsidenten führte zu seinem Rücktritt im Februar 2012 und dem Umzug in die hannoversche Region. Bettina Wulff fand sich wieder als Beraterin eines Unternehmens und Bewohnerin eines mittelgroßen Hauses in einem Vorort, ohne großen Stab dienstbarer Geister und ohne den Glanz der Auslandsreisen als First Lady, als Gastgeberin im Schloss Bellevue, als Schirmherrin vieler Stiftungen.

          Dass sie das offenkundig nicht verwand, deutete sich an in ihrem ebenso selbstgefälligen wie nichtigen Buch „Jenseits des Protokolls“. Das Buch erhielt vernichtende Kritiken – es sei schamlos, larmoyant, niveaulos, „ein Monolog in 18 überflüssigen Kapiteln“ – und vor allem von Geltungssucht und Anspruchshaltung geprägt. Sie selbst dagegen hielt es für „gut und authentisch“.

          Spätestens mit der Veröffentlichung des Buchs, gegen das sich Christian Wulff gesträubt hatte, begann die Krise, die jetzt zur Trennung führte. Ihr Mann, schrieb sie, habe es nicht geschafft, sich auch um ihre Gefühle zu kümmern – ihre Bedürfnisse habe sie unterdrücken müssen.

          Prominenten-Ehen sind nicht so belastbar

          Beziehungen sind eine höchst private Angelegenheit. Woran sie im Einzelfall zerbrechen, wissen oft nur die Beteiligten selbst, und manchmal nicht einmal die. Ehen im Licht der Öffentlichkeit wie die von Bettina und Christian Wulff hätten allerdings im Hinblick auf ihre Haltbarkeit ungünstigere Aussichten als die meisten „normalen“ Beziehungen, sagt der Psychiater Borwin Bandelow: „Um prominent zu werden, hilft es, narzisstisch veranlagt zu sein.“ Viele Prominente seien daher zunächst in sich selbst verliebt. Das schade einer Beziehung: Wenn beide nur sich selbst im Blick hätten und den prominenten Partner hauptsächlich als narzisstische Aufwertung der eigenen Person begriffen, sei es unwahrscheinlich, dass die Verbindung lang halte. Außerdem sei der Bedarf nach emotionalen „Kicks“ bei prominenten Menschen besonders ausgeprägt, und sie könnten sich das Risiko, der Versuchung nachzugeben, eher leisten. Finanzielle oder persönliche Konsequenzen seien leichter zu bewältigen, wenn man etwa ein Kindermädchen oder eine zusätzliche Wohnung bezahlen könne. (lspr.)

          Quelle: F.A.Z.

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