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Ehekrise bei den Sarkozys Kriegserklärung in der Stadt der Liebe

13.04.2010 ·  Tollhaus Elysée-Palast: Aus Gerüchten über eine Ehekrise des französischen Präsidentenpaars machen Berater von Nicolas Sarkozy eine peinliche Staatsaffäre. Gleichzeitig behaupten die Sarkozys, in ihrer Ehe sei alles in bester Ordnung.

Von Lena Bopp, Paris
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Und dann hat Carla Bruni etwas Kluges gesagt. Vermutlich ungewollt. Doch in diesem Augenblick erklärte sie ganz Frankreich und in gewisser Weise auch ihrem Gatten Nicolas Sarkozy sehr deutlich, wie man sich angesichts der Gerüchte um die eheliche Untreue des Präsidentenpaares am besten verhalten hätte: Gerede dieser Art habe es schon immer gegeben und werde es wohl auch immer geben, sagte sie vergangene Woche in einem Radio-Interview. Doch sie seien absurd, unnütz und uninteressant. Und außerdem: „Sie erhalten nur dann Bedeutung, wenn man sie ihnen zugesteht.“

Das hätte ein sinnvoller Rat sein können, wäre er nur etwas früher gekommen. Denn als Carla Bruni ihn aussprach, redete ganz Frankreich schon seit Tagen über kaum etwas anderes als das Liebesleben des Präsidentenpaares. Auf ganzen Seiten versuchten französische Zeitungen nachzuzeichnen, wie aus dem einfachen Gerücht, die Ehe des Präsidenten befinde sich in einer Krise, eine Staatsaffäre werden konnte, die sogar den Inlandsgeheimdienst beschäftigte. Wieso, fragte man sich, vermutete der Berater des Präsidenten hinter dem Geflüster ein „Komplott“ und „fließende Geldströme“, während Carla Bruni im Radio versicherte, sie und ihr Mann seien keinesfalls Opfer irgendeines „Komplotts“ geworden? Und was eigentlich hat die ehemalige Justizministerin Rachida Dati mit der ganzen Sache zu tun?

Bruni hält Monogamie für langweilig

Aber der Reihe nach: In Paris tuschelt man seit Wochen über eine angebliche Affäre, die der Präsident mit seiner Umweltstaatssekretärin Chantal Jouanno haben soll. Seine Gattin - immerhin eine Frau, von der der Satz überliefert ist, sie halte Monogamie für langweilig - soll sich hingegen mit dem populären Sänger Benjamin Biolay amüsieren, auch er ein Mann, dem ein Hang zum Vergnügen nachgesagt wird. Dass Bruni und Biolay einander kennen, ist unbestritten. Auch, dass sie gemeinsam am letzten Album von Bruni, „Comme si de rien n'était“, gearbeitet haben, ist bekannt. Nun aber sollen sie kürzlich sogar eine Woche gemeinsam in Thailand geurlaubt haben. Alles nur ein Gerücht, versteht sich, gegen das seit Freitag auch Biolay vorgeht, der von dem Fernsehsender „France 24“ 20.000 Euro Schmerzensgeld fordert, weil die Berichte über eine angebliche Affäre einen Angriff auf seine Privatsphäre darstellten.

Ein Fall für die Justiz - und den Staat: Genau an dem Tag, an dem Carla Bruni das Gerede im Radio als Lappalie abtat und versicherte, es habe auch keinerlei polizeiliche Untersuchungen zu dessen Herkunft gegeben, genau an diesem Tag hatte der Direktor des französischen Inlandsgeheimdienstes, Bernard Squarcini, gegenüber einer Internetzeitung bestätigt, dass seine Behörde sehr wohl ermittelt habe. Schon Anfang März sei man vom Generaldirektor der nationalen Polizei damit beauftragt worden, herauszufinden, wie die Gerüchte ins Internet gelangen konnten. Allerdings habe man die Arbeit schon am Ende desselben Monats wieder eingestellt. Und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem auch die Zeitung „Journal du Dimanche“ offiziell Klage gegen Unbekannt eingereicht hatte - wegen „Verbreitung falscher Nachrichten“. In einem Blog auf der Website des „Journal du Dimanche“ war das Gerücht als Erstes aufgetaucht, nachdem es zuvor lediglich durch Pariser Salons und als Twitter-Gezwitscher durchs Netz gegeistert war. Binnen weniger Stunden gelangte die Nachricht aus dem Blog dann allerdings in diverse englische, italienische und amerikanische Klatschmagazine, und zwar immer unter Berufung auf die als seriös geltende Quelle des „Journal du Dimanche“. Das wiederum veranlasste die Zeitung dazu, nicht nur das Blog umgehend zu sperren, sondern auch Anzeige zu erstatten und einen Entschuldigungsbrief an das Präsidentenpaar zu verfassen.

Druck aus dem Elysée-Palast

Nicht wenige vermuteten, dass diesen Schritten gehöriger Druck aus dem Elysée-Palast vorausgegangen war. Denn das „Journal du Dimanche“ gehört dem Rüstungsfabrikanten Arnaud Lagardère, den Nicolas Sarkozy gerne als seinen „Bruder“ bezeichnet. Er hat dem Präsidenten schon einmal einen ähnlichen Gefallen getan, als im August 2005 auf dem Titel der Zeitschrift „Paris Match“ ein Foto von Sarkozys damaliger Frau Cécilia erschien, das sie mit einem anderen Mann zeigte. Damals ließ Lagardère den Chefredakteur der Zeitschrift feuern. Und auch dieses Mal mussten zwei Mitarbeiter das „Journal du Dimanche“ verlassen: Michael Amand, der Direktor des Internetdienstes der Zeitung, und der dreiundzwanzig Jahre alte Blogger Mickaël L., der die Nachricht in seinem Blog verarbeitet hatte. Dabei war der junge Mann eigens angeworben worden, um mit Hilfe seines Blogs eine größere Leserschaft auf die Website zu locken. In der Tat war ihm das ja auch vorzüglich gelungen.

Aber über diese spezielle Aufmerksamkeit war man im Elysée-Palast wohl nicht erfreut. Als Nicolas Sarkozy während eines Großbritannien-Besuchs im März von einem Journalisten auf die Gerüchte angesprochen wurde, erwiderte er unwirsch, er habe nicht den Bruchteil einer Sekunde Zeit, sich mit dieser „idiotischen Frage“ zu beschäftigen. Und seine Frau Carla Bruni erzählte einer britischen Journalistin blumig, sie vermute, dass eine Ehe für immer halten solle, aber wer wisse schon, was passiere. Gleichzeitig behauptete sie aber, ihr Mann könne gar nicht untreu sein: „Oder haben Sie schon Fotos gesehen, die das Gegenteil beweisen?“

Sich selbst in einem menschlicheren Licht zeigen

All dies kann aber sicher nicht allein als Erklärung für die doch deutliche Nervosität genügen, mit der das Präsidentenlager auf die Verdächtigungen reagierte. Dahinter steht womöglich auch die Sorge, die Politik der Offenheit, die Nicolas Sarkozy seit jeher auch und gerade in Bezug auf sein Privatleben walten ließ, könne wie ein Bumerang zu ihm zurückkehren. Denn anders als seine Vorgänger im Präsidentenamt hat Sarkozy seine Ehefrauen nie aus der Öffentlichkeit ferngehalten. Im Gegenteil. Einst sprach er von „der Liebe fürs Leben“, die ihn mit Cécilia verbinde, und ließ sich später, als er von Cécilia schon geschieden war, turtelnd mit der schönen Carla Bruni ablichten. Oft sah es so aus, als würde Nicolas Sarkozy seine Frauen auch als Teil seiner eigenen Imagebildung begreifen mit dem Ziel, sich selbst in einem menschlicheren Licht zu zeigen. Folglich muss er fürchten, dass Gerüchte um eheliche Krisen seinem Image schaden.

Erschwerend kam hinzu, dass die Gerüchte zu einem Zeitpunkt veröffentlicht wurden, der für einen Präsidenten nicht ungünstiger hätte sein können. Schließlich befand sich das politische Frankreich Mitte März noch im Wahlkampf. Die Regionalwahlen standen bevor, ein wichtiger Stimmungstest auch für die nationale Politik. Und deswegen, so wurde gemunkelt, sei der Präsident auch am ersten Wahlsonntag in Begleitung seiner Frau an die Urnen getreten und habe ihr demonstrativ die Hand gehalten, als die beiden das Wahllokal wieder verließen. Mit diesen Bildern, die das französische Fernsehen denn auch auffallend häufig ausstrahlte, hätte sich die ganze Angelegenheit sicherlich gut beenden lassen.

„Wir wollen bis zum Ende gehen“

Wenn eben nicht der Kommunikationsberater von Nicolas Sarkozy, Pierre Charon, in einem Interview mit dem „Nouvel Observateur“ die Angelegenheit zum „casus belli“ erklärt hätte: „Wir wollen bis zum Ende gehen, damit sich so etwas nicht wiederholt.“ Zur gleichen Zeit stellte auch Sarkozys Anwalt, Thierry Herzog, öffentliche Mutmaßungen darüber an, diese Kampagne ziele darauf, „den Präsidenten der Republik und seine Gattin zu destabilisieren“.

Ein Sündenbock war bald gefunden. Bei einem Essen mit mehreren Abgeordneten soll der Kommunikationsberater Charon erläutert haben, der Elysée-Palast habe Beweise, dass die frühere Justizministerin Rachida Dati die Gerüchte gestreut habe. Dati, eine ehemals enge Vertraute von Sarkozy, war schon vor einiger Zeit in Ungnade gefallen und ins Europaparlament abgeordert worden. Sarkozy hat ihr wohl auch übelgenommen, dass sie sich gleich nach den für seine Partei UMP äußerst schlecht verlaufenen Regionalwahlen im Fernsehen zu Wort gemeldet hatte. Umgehend wurden ihr also Dienstwagen, Chauffeur und Leibwächter weggenommen, die sie nach ihrem Ausscheiden aus dem Ministeramt noch hatte behalten dürfen.

Rachida Dati bleibt eine Freundin der Familie

Über die Ostertage sah sich Rachida Dati deswegen genötigt, alle Vorwürfe empört von sich zu weisen. Ihre öffentliche Stellungnahme, in der sie dagegen protestierte, für die Verbreitung der „absurden und unmöglichen Gerüchte über das Privatleben des Präsidentenpaares“ verantwortlich zu sein, wirkte zwar ebenso peinlich wie hilflos. Dann aber bekam sie unerwartet Schützenhilfe von niemand Geringerem als der Präsidentengattin Carla Bruni. Denn die hob in ebenjenem Interview, das sie in der vergangenen Woche im Radio gegeben hat, hervor, Rachida Dati sei und bleibe eine „Freundin“ der Familie. „Ich glaube nicht an die Gerüchte, nach denen Rachida Dati die Gerüchte gestreut haben soll“, präzisierte sie. Schließlich hätten ihr Mann und sie nun beschlossen, dem Ganzen keinerlei Bedeutung mehr beizumessen.

Demnach bliebe also nur noch, den Sarkozys für das nächste Mal eine bessere Absprache zu wünschen. Zu dem Familienrat, den man diesbezüglich abhalten müsste, könnte man vielleicht auch gleich Pàl Sarkozy, den Vater des französischen Präsidenten, einladen. Der hat im Alter von 81 Jahren soeben seine Memoiren vorgelegt, in denen er vor allem - ja, über was wohl - über seine zahlreichen Amouren plaudert. „Um es zu sagen, wie es ist: Ich bin von einer Frau zur anderen gesprungen, wie man von einem Flugzeug ins nächste wechselt.“ Dem Vernehmen nach soll der Vater dem Sohn das Manuskript vor Abdruck gezeigt haben. Nicolas Sarkozy habe sich aber jeden Kommentars enthalten.

Genau das wäre wohl auch im Fall der Gerüchte um das Liebesleben des Präsidentenpaares die bessere Strategie gewesen. Carla Bruni scheint ihre Landsleute diesbezüglich jedenfalls besser zu kennen als der Präsident. In einer am Freitag veröffentlichten Umfrage haben 82 Prozent der Befragten angegeben, die Gerüchte über das Privatleben von Politikern würden ihr Urteil über diese Menschen nicht beeinflussen. Und in einer Republik, deren bisherige Präsidenten ihre Ehen bekanntermaßen so gut wie nie in einem streng katholischen Sinn führten, kann das eigentlich auch niemanden überraschen. Seltsam nur, dass das neuerdings ausgerechnet im Elysée-Palast anders gesehen wird.

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Jahrgang 1979, Redakteurin im Feuilleton.

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