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Dschungelcamp : Er ist ein Star, holt ihn da raus!

  • -Aktualisiert am

Trotz einer Rolle im „Wickie”-Film demnächst im Dschungelcamp: Günther Kaufmann Bild: ddp

Das Zeltlager der gescheiterten Prominenten - kurz „Dschungelcamp“ - geht in die nächste Runde. Privat ganz unten und künstlerisch ganz oben ist nur einer der Kandidaten: der Fassbinder-Darsteller und ehemalige Häftling Günther Kaufmann.

          Die Fernsehsendung „Ich bin ein Star - holt mich hier raus“ geht am Freitag in ihre fünfte Runde. In das „Dschungelcamp“ von RTL, das Geld und Aufmerksamkeit verspricht, ziehen zehn Personen ein, die in der Welt der Prominenten schon gescheitert sind oder noch scheitern. Eine Vita ragt aus den Achterbahnlebensläufen der Kandidaten dann doch heraus: Privat ganz unten und künstlerisch ganz oben war nur einer der Kandidaten - der frühere Fassbinder-Darsteller und ehedem wegen Mordes verurteilte Günther Kaufmann.

          Kaufmann wuchs in einem Münchner Problemviertel als Sohn eines schwarzen amerikanischen Soldaten und einer Deutschen auf. „Der weiße Neger vom Hasenbergl“ wird er später seine Autobiographie nennen. Ende der siebziger Jahre entdeckte ihn der Regisseur Rainer Werner Fassbinder. Bis 1982 drehten die beiden neun Filme, unter anderem „Die Ehe der Maria Braun“, „Berlin Alexanderplatz“ und „Die Sehnsucht der Veronika Voß“. Anschließend hatte Kaufmann zahlreiche Auftritte im Fernsehen, etwa bei „Derrick“ oder im „Tatort“.

          Billy Idol verklagen

          Nach zwei gescheiterten Ehen heiratete er 1986 ein drittes Mal. Die Filmangebote wurden rarer, und so lebte Günther Kaufmann mit seiner Frau Alexandra vom Ersparten, an der Algarve. 1992 erkrankte Alexandra Kaufmann an Knochenkrebs. Die Therapie war teuer, in Berlin etwa wurden ihr Zellen aus Affenhirnen gespritzt, jede Injektion kostete 1000 Mark. Bald waren die Kaufmanns pleite.

          Eines Tages tischte die Erkrankte ihrem Mann die hanebüchene Geschichte auf, der Sänger Billy Idol habe zugesagt, 70 Millionen Dollar in Kaufmanns Grundstück in Portugal zu investieren. Nun aber habe der Musiker sein Angebot zurückgezogen und müsse auf Schadensersatz verklagt werden. Man müsse einen Geldgeber finden, der den Prozess finanzieren könne.

          Das Geld mit dem Gewohnheitskriminellen durchgebracht

          Günther Kaufmann überzeugte einen alten Bekannten, den Steuerberater Hartmut Hagen, von dem Plan. Hagen gab dem Paar etwa 850.000 Mark. Irgendwann erzählte Alexandra Kaufmann ihrem Mann, ein amerikanisches Gericht habe angeordnet, sie müsse ein halbes Jahr lang in New York leben.

          Freilich gab es weder einen Prozess noch eine richterliche Anordnung. In Wahrheit lebte Alexandra Kaufmann von Hagens Geld ein halbes Jahr bei ihrem Geliebten, dem Gewohnheitskriminellen Hans-Joachim U., in Berlin. In München ertränkte Günther Kaufmann seine Sorgen derweil in Alkohol. Als Hagen misstrauisch wurde und kein Geld mehr zu geben bereit war, wurde er von U. und dessen zwei Kumpanen in seinem Haus überfallen. Sie klebten Hagen den Mund mit Klebeband zu, der Mann erstickte.

          Zu Unrecht wegen Mordes verurteilt

          Günther Kaufmann gehörte bald zu den Verdächtigen. Er erzählte der Polizei von dem angeblichen Prozess, seine Frau aber sagte, er lüge. Der gebrochene Schauspieler sagte dem Polizisten schließlich: „Sie kriegen jetzt ein Geständnis von einem, der es nicht war.“ Später wird er sagen, er habe gestanden, um seiner kranken Frau die Verhöre zu ersparen. Doch obwohl sie vor Ende des Prozesses starb, blieb der Schauspieler bei seiner Version. 2002 wurde er wegen Mordes verurteilt. Zwei Jahre und acht Monate saß er im Gefängnis, bevor die wahren Täter entdeckt wurden.

          Seither arbeitete Kaufmann wieder als Schauspieler, etwa als „Fremder“ in der Bremer Inszenierung „Die Zehn Gebote“ von Johann Kresnik oder als „Bruder Tuck“ im Musical „Robin Hood“. Mit den Filmen „Weiße Lilien“ und „Leroy“ kehrte Kaufmann zurück auf die Kinoleinwand. Dem großen Publikum präsentierte sich der Schauspieler im vergangenen Jahr, als er sich in Michael Herbigs Castingshow „Bully sucht die starken Männer!“ um eine Rolle im „Wickie“-Film des Regisseurs bewarb. Kaufmann ergatterte eine Rolle, was seine finanziellen Probleme aber offenbar nicht lösen konnte. Anders ist nicht zu erklären, dass der Schauspieler nun in den australischen Dschungel zieht.

          Quelle: F.A.Z.

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