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Musiker Drangsal : Ihr könnt mich, aber bitte feiert mich auch

„Die sehen ja aus wie ’ne Schülerband“: Gruber auf der Bühne. Bild: Edgar Schoepal

Max Gruber und seine Band Drangsal machen Musik, die das Post-Punk-Herz höher schlagen lässt – und Grubers Befindlichkeit nach außen kehren. Ein Besuch backstage.

          Bald wird Max Gruber in den ersten Urlaub seines Lebens fahren. Er weiß dann gar nicht, was er da machen soll, auf Rhodos. Er kann ja nicht die ganze Zeit seinem, wie er sagt, einzigen Hobby nachgehen und Wrestling schauen. Lesen will er auch nicht. Soll er etwa wegfahren, um dann auf Rhodos ein Buch zu lesen? Aber zum Glück fährt er nicht allein. Dann muss er sich nicht nur mit sich selbst beschäftigen – das macht er schließlich schon beruflich.

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Max Gruber ist Drangsal, und Drangsal ist Max Gruber. Zumindest ist auf allen Bildern, allen Social-Media-Accounts von Drangsal, selbst auf der einen EP, die zwar nicht sein Gesicht, wohl aber seinen schmalen, muskulösen Bauch zeigt (der Bauchnabel ist das Loch der Platte, den Gag findet Gruber richtig gut) – selbst auf der EP also ist immer nur Max Gruber zu sehen. Max Gruber mit seiner melancholisch umwölbten Stirn und den unergründlich stierenden Augen, die stets den Anschein erwecken, sie würden nicht nur aus ihren Höhlen, sondern mit größter Anstrengung auch aus einer anderen Welt, wohl aus Max Grubers Gedankenwelt, herausschauen. Was sie dann sehen, gefällt ihnen vielleicht nicht immer. Darum trägt Gruber seine Gedankenwelt nach außen, er schreibt Texte über sich und seine Befindlichkeiten und Gefühle. Und macht Musik, die es vor 35 Jahren schon mal fast ganz genauso gab – und er macht das sehr, sehr gut. Drangsal besteht also eigentlich aus Max Gruber plus Band, „Drangsal ist aber auch die Band“, sagt Gruber an diesem Abend in Köln.

          Es sind die Achtziger, mehr muss man nicht sagen, und mehr kann man auch nicht sagen, wenn man Drangsal zum ersten Mal hört. Aber es sind die guten Achtziger, also es ist nicht „Last Christmas“ oder Modern Talking, es ist The Cure, es ist New Order, es sind die Smiths, es ist Morrissey. Und das machen Drangsal, das macht Gruber mit so großem musikalischem Feinsinn und einer ungeschliffenen Schönheit, die das Post-Punk-Herz in höchsten Höhen schlagen lässt. „Die sehen ja aus wie ’ne Schülerband“, kommt es später beim Konzert von hinten. So kann man das natürlich auch ausdrücken.

          „Wehe, das wird hier so ’ne Schmierkampagne.“

          Am Abend zuvor noch konnte man Gruber in der Instagram-Story von Lars Eidinger bewundern, die nicht wie sonst nur den Schauspieler zeigte, sondern eine von einem mutmaßlich sadistischen Fernsehteam zusammengewürfelte Privatparty, eine Karaoke-Party wohlgemerkt. Andere Gäste: Kevin Kühnert, Sophia Thomalla und eben Gruber. Sophia Thomalla singt Nena, in Leopardenhose und mit Champagner in der Hand, und ist sehr Sophia-Thomalla-haft. Gruber performt mit Akustikgitarre. Trotzdem ist er heute fit.

          Drangsal spielen heute auf dem „c/o pop“-Festival in Köln, einer Veranstaltung, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, neue musikalische Talente zu entdecken und zu fördern. So haben hier vor vielen Jahren schon Bands wie Caribou, Phoenix oder Arcade Fire gespielt, die heute große Hallen füllen. Jetzt also Drangsal. Aufbau, Soundcheck, das macht Gruber, das machen Drangsal nur selten. Aber wenn sie es schon machen, dann auch richtig. Gruber fühlt sich beobachtet, wobei man fairerweise sagen muss, dass das auch stimmt. Er schaut von der Bühne auf einen herab, droht mit dem ausgestreckten Zeigefinger: „Wehe, das wird hier so ’ne Schmierkampagne.“ Er ist schmal und nicht besonders bedrohlich, auch nicht aus dieser Perspektive. „Nee, Quatsch.“ Er macht nur Spaß. „Aber ich mag keine Journalisten.“ Journalistinnen vielleicht? „It’s not a gender thing.“

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