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Diskussion über Jugendstudie „Warum sollen Jungs nicht weinen?“

25.09.2006 ·  Einen „Kampf der Geschlechter“ gibt es laut Shell-Jugendstudie unter den Teenagern in Deutschland. „Auf das Leistungspedal“ drückten vor allem Mädchen. Ist die Gleichberechtigung das zentrale Thema unter Jugendlichen?

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Eigentlich, haben sie gesagt, sollte man über Gleichberechtigung gar nicht reden, sondern sie „einfach leben“. Dann haben sich die sechs Schüler vom Frankfurter Schiller-Gymnasium doch an einen Tisch gesetzt und über weinende Männer, künstliche Barbies und die Bundeswehr diskutiert.

Lara (17 Jahre): Bis jetzt war Gleichberechtigung für mich kein Thema. Dann war ich im Internet auf einer Seite von einer Bank. Die haben da einen Vergleich zwischen einer Frau und einem Mann mit der gleichen Position gemacht. Und die Frau hat zwei, drei Prozent weniger verdient. Und das ist schon viel. Für mich war das ein halber Schock, daß beide Geschlechter das gleiche leisten und trotzdem unterschiedlich bewertet werden.

Dominik (18 Jahre): Aber nur finanziell, sonst nicht. Sonst werden sie gleichbehandelt.

Lara: Wobei ich das schon ziemlich happig finde, daß du für die gleiche Leistung jemanden schlechter bezahlst.

Dominik: Ich hab nicht das Gefühl, daß Frauen irgendwie weniger berechtigt sind.

Alexandra (17 Jahre): Also, ich glaube aber schon, daß in den meisten höheren Stellen, also in den Chefetagen, der prozentuale Anteil der Männer höher ist.

Dominik: Was ich nur komisch finde, wenn man vom Thema Gleichberechtigung spricht, daß Frauen nicht zur Bundeswehr müssen. Das ist ne Frechheit.

Lara: Sie dürfen…

Dominik: Dürfen ist ja schon mal okay. Aber warum müssen sie nicht?

Lara: Wahrscheinlich weil wir körperlich ...

Christopher: …ach, was, Schmarrn!

Dominik: Ich find's richtig, also Frauen streben ja immer nach Gleichberechtigung und ich finde, daß man das dann schon auch machen könnte, daß Frauen dann auch zur Bundeswehr müssen. Daß Frauen dann dem Staat genauso dienen müssen, wie's der Mann macht.

Mubarik (16 Jahre): Ich bin zwar für Gleichberechtigung, aber ich finde nicht unbedingt, daß Frauen die gleichen Aufgaben wie Männern aufgezwungen werden sollten. Frauen sind ja auch physisch nicht so stark und kräftig wie der Mann und können auch nicht soviel leisten wie zum Beispiel ein Mann. Ich will nicht verallgemeinern, aber es ist halt einfach so, wissenschaftlich.

Sarah Virginia (16 Jahre): Das heißt ja nicht, daß Frauen gleichberechtigt sein müssen und dann auch sollen und dann auch -weiß ich nicht - so Wanderschaften durch den Wald machen mit zwei Kilo Gepäck, aber sie könnten in anderen Bereichen vielleicht irgendwas lernen. Erste Hilfe leisten oder so als Krankenschwestern anlernen.

Hättet ihr ein Problem damit, wenn eure Frau viel mehr Geld verdienen würde als ihr?

Dominik: Ich fänd's toll. Wieso nicht? Ich meine, wenn ich jetzt irgendeinen Job habe und der macht mir Spaß, aber ich verdiene nicht viel Geld, aber meine Frau macht etwas, wo sie richtig viel Geld verdient, um so besser. Es wäre aber auch nicht schlimm, wenn sie's nicht tun würde.

Christopher: Man muß sich halt überlegen, wenn man eine Ehe eingeht oder plant, ein Kind zu bekommen, welches Elternteil dann arbeiten geht. Wenn dann meine Frau mehr Geld verdienen würde, würde ich mich als Mann nicht in meiner Ehre gekränkt fühlen, wenn ich dann zu Hause als Hausmann arbeiten würde. Ich persönlich hätte damit kein Problem.
In der heutigen Gesellschaft ist es eben so, daß die Frau nicht mehr die Hausfrau ist.

Wie stellt ihr euch euer Leben in fünfzehn Jahren vor?

Christopher: Ich glaube jeder macht sich so einen Plan, wie das Leben so ablaufen soll. Natürlich hat jeder die Traumvorstellung, daß er irgendwann einen Beruf erlernt, danach eine Familie hat. Aber wenn man sich heute die Gesellschaft anschaut, dann wird es immer schwieriger, einen Partner zu finden und dann noch einen Partner, mit dem man länger zusammen bleiben will.

Alexandra: Also ich hoffe erstmal, daß ich jemanden finde, daß ich einen Menschen finden werde, mit dem ich vielleicht mein Leben lang auch zusammen sein kann. Und Beruf, natürlich. Wir sind ja auf einem Gymnasium, also wir wollen erstmal das Abitur machen. Danach Studium, wenn man mit dem Studium fertig ist, in irgendeinen Beruf sich einarbeiten und dann guckt man eben, was das Leben bringt.

Wie sieht für euch die ideale Familie aus?

Mubarik: Ich bin nicht dafür, daß beide Eltern berufstätig sind, wenn man Kinder hat. Ich bin halt der Meinung, die Kinder brauchen die Zeit der Eltern. Ob der Mann oder die Frau zu Hause bleibt, da können sie sich ja abstimmen.

Christopher: Na, ja es ist schon so, daß die Eltern da ja auch Vorbild sind. Bei mir ist es zumindest so, daß meine Eltern beide arbeiten. Und ich bin damit zufrieden. Ich hätte gern später mal das gleiche Leben.

Wollt ihr später Kinder haben?

Alexandra: Das muß man sich auch leisten können. Find ich. Wenn ich von meinem Gehalt her sage, mehr als zwei Kinder wird schwer, dann kann ich nicht mehr in den Urlaub fahren, dann sollte man auch bei zwei bleiben.

Dominik: Aber genau dein Gedanke führt dazu, daß Leute gar keine Kinder mehr bekommen, weil sie denken, daß sie's sich nicht mehr leisten können.

Christopher: Ja, sie denken, daß sie den Kindern ein schlechtes Leben bieten, wenn sie denen finanziell nichts bieten können. Aber zur Erziehung gehört ein bißchen mehr als das Finanzielle. Wahrscheinlich setzten die Eltern sich zu hohe Ansprüche.

Dominik: Ja, das ist vielleicht auch der eigene Anspruch. Natürlich wenn man eine Ausbildung macht, man studiert, dann erwartet man ja auch von sich selbst was. Wenn man sich dann für sein Kind auch selber einschränken muß und dem Kind noch nicht mal das Beste bieten kann, dann lassen die meisten Leute es halt. Wenn du selber hohe Ansprüche hast, dann hast du die auch für dein Kind.

Lara: Das würde mich auch dazu bewegen, keine Kinder zu bekommen, wenn ich wüßte, daß ich kein Geld habe, um meine Kinder durchzubringen. Ich glaube, daß der soziale Unterschied immer größer wird und daß man einfach Angst hat.

Sarah Virginia: Bei mir wird's eher nur ein Kind. Ein Einzelkind hat halt den Vorteil, daß man einfach viel mehr bieten kann.

Mubarik: Ich bin der Meinung, wenn ich es mir leisten kann, kann ich auch mehr Kinder haben. Ich will mindestens zwei und maximal fünf. Ich glaube aber nicht, daß die meisten keine Kinder bekommen, weil sie es sich nicht leisten können. Viele denken, daß sie dann an jemanden gebunden sind und nicht mehr so frei handeln und frei leben können.

Könntet ihr Jungs euch vorstellen, für euer Kind zu Hause zu bleiben?

Mubarik: Ja, schon.

Lara: Du würdest deinen Beruf aufgeben?

Mubarik: Das heißt ja nicht, daß man seinen Beruf aufgibt. Man kann ja auch wieder anfangen.

Lara: Aber du machst ja eine Pause von bestimmt achtzehn Jahren.

Dominik: Es kommt da halt auch darauf an, ob dein Chef mitspielt.

Alexandra: Ich will eigentlich schon einen eigenen Job haben, selbst auf meinen eigenen Beinen stehen. Es kann ja sein, daß man nach zehn Jahren sagt, wir kommen nicht mehr miteinander klar. Und wenn die Frau aufhört zu arbeiten, sitzt sie dann relativ im Leeren.

Sarah Virginia: Aber das ist ja heute gar nicht mehr notwendig, daß die Eltern ihren Job aufgeben. Heute gibt es soviele Kindergärten, soviele Krabbelstuben und sowas. Das finde ich auch ehrlich gesagt ein bißchen altmodisch, wenn man sagt, einer muß zu Hause bleiben, um das Kind zu versorgen.

Wer kann ein Kind besser versorgen, die Mutter oder der Vater?

Christopher: Wenn das Kind noch sehr jung ist, dann braucht es natürlich die Mutter oder zumindest ein Elternteil, der die ganze Zeit zu Hause ist. Da wäre es mir in den ersten Jahren der Entwicklung lieber, wenn die Mutter wirklich zu Hause ist und auf das Kind aufpaßt und dann später wieder arbeiten geht. Aber das ist dann natürlich ihre Entscheidung.

Lara: Wenn mein Mann zu Hause bleiben möchte und ich arbeiten kann, dann wär das auch in Ordnung.

Mubarik: Also, ich bin der Meinung, daß eine Mutter mit ihrem Kind viel sanfter und auch viel emotionaler umgeht. Das ist auch von Natur aus so, weil das Kind aus der Mutter kommt. Ein Mann ist vielleicht auch in den Emotionen etwas anders als eine Frau.

Dominik: Anders, aber dann nicht weniger emotional. Vielleicht fängt der Vater an zu heulen, wenn das Kind auch heult, keine Ahnung.

Dürfen Männer weinen?

Alexandra: Für mich ist das eher eine Schwäche, wenn ein Junge sich nicht traut zu weinen, wenn er wirklich traurig ist. Und auch ruhig vor Leuten, da hab ich überhaupt kein Problem mit.

Christopher: Warum sollte ein Junge seine Emotionen unterdrücken? Es gibt immer Situationen, wo man weinen muß. Das ist ja nicht so: „Ein Junge ist hart, wenn er nicht weint.“ Das ist nur so ein Klischee.

Ist für Frauen gutes Aussehen wichtiger?

Lara: Es sollte nicht so sein, aber es ist so. Unfair ist das vor allem im Beruf. Daß man da als Frau Leute um den Finger wickeln kann. Aber wenn dann wirklich nach Qualitäten gefragt wird, ob man zum Beispiel mit dem Computer umgehen kann und dann sitzt da so eine Barbie mit künstlichen Fingernägeln, bringt's natürlich auch nichts.

Dominik: Es kommt ja auch immer auf den Mann an. Also wenn es ein Chef ist, der seine menschlichen Triebe ausschaltet, dann interessiert den nicht, ob die Frau jetzt schön oder häßlich ist.

Mubarik: Männer achten bei Frauen eben mehr auf Schönheit. Das ist im Moment eben so.

Alexandra: Ja, wenn man Männer so im Büro sieht, die sind ja auch alle ziemlich aufgestylt. Die schminken sich vielleicht nicht, aber die machen jetzt auch schon mehr aus sich.

Sarah Vrginia: Ich finde heute ist es ja mittlerweile normal, daß Männer auch so Crèmes benutzen.

Lara: Warum sollten die denn auch nicht? Das ist doch Gleichberechtigung. Das sollte man gar nicht mehr hinterfragen.

Moderation: Judith Kessler

Quelle: FAZ.NET
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