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Streit im Schwimmbad : Bayern und der Burkini

Mancherorts ein Aufreger: der Burkini. Bild: dpa

Wie viel Stoff ist zu viel? In Bayern entbrennt eine hitzige Diskussion über den Burkini im Schwimmbad.

          An sich sind die Bayern tolerant, was die Kleiderfrage anbelangt. Wer glaubt, in der Münchner Staatsoper nur in einer kurzen Lederhose dem Geheimnis von Richard Wagners „Ring“ nachspüren zu können, muss keine Vertreibung aus dem Parkett fürchten. Auch nicht, wer auf dem Oktoberfest ein Dirndl trägt, das sich auch in der Hamburger Herbertstraße sehen lassen könnte. Um so verwunderlicher ist es, was sich aus einem einzigen Besuch einer muslimischen Frau im Hallenbad in der oberpfälzischen Stadt Neutraubling entspann.

          Albert Schäffer

          Politischer Korrespondent in München.

          Sie trug einen Ganzkörperschwimmanzug, einen Burkini, der nur Gesicht, Hände und Füße freihält. Statt einem Schulterzucken, gepaart mit einem zünftigen „Do schau her!“, folgten Proteste anderer Badegäste – allesamt weiblich, weil Frauenbadetag war. Eilends wurde ein Schild in dem Hallenbad aufgehängt, auf dem die „sehr verehrten Badegäste“ ermahnt wurden, dass die Badbenutzung „nur in üblicher Badebekleidung“ gestattet sei. Eine Definition, was üblich sei, fehlte auch nicht: „Badeanzug/Bikini bzw. Badehose.“

          Ausgerechnet am Frauenbadetag

          Der Neutraublinger Bürgermeister Heinz Kiechle sorgte für zusätzliche Klarheit in der „Hallenbaddiskussion“, wie er sie nennt. Er verwies auf die Benutzungssatzung des Bades, in der festgelegt ist, dass nur „allgemein übliche Badekleidung“ getragen werden dürfe. Damit seien eben auch Burkinis ausgeschlossen, stellte der CSU-Politiker fest. Es sei auch nicht nachvollziehbar, warum ein Burkini „ausgerechnet am Frauenbadetag“ getragen werden müsse – einem Tag, der eigens dafür gedacht sei, „auch einem sensiblen Personenkreis das Baden zu ermöglichen.“

          Endgültig eine Schlagseite vom Besonderen ins Allgemeine bekam die Neutraublinger „Hallenbaddiskussion“, als Kiechle sich noch an eine verfassungsrechtliche Bewertung des Ganzkörperanzugs wagte: „Im Übrigen darf man sich schon fragen, was der Burkini als eine Erfindung jüngster Zeit mit freier Religionsausübung zu tun hat.“ Eine mutige Einordnung, hat das Bundesverwaltungsgericht im Jahr 2013 doch den Antrag einer muslimischen Schülerin auf Befreiung von einem koedukativen Schwimmunterricht gerade mit dem Hinweis verneint, das Mädchen habe die Möglichkeit, einen Burkini zu tragen.

          Kiechle ist nicht der einzige Bürgermeister, der mit dem Burkini seine Not hat. In Konstanz drohte vor einigen Jahren eine gerichtliche Auseinandersetzung, nachdem einer muslimischen Frau, die einen Burkini trug, der Zugang zu einem städtischen Bad verwehrt worden war. Der Stadtrat beschloss schließlich, diese Form der Badekleidung zuzulassen, aus Respekt vor dem kulturellen und religiösen Selbstverständnis der Muslime in Konstanz.

          Eine Kompromisslinie suchten die Basler, deren Gartenbad Eglisee nur Frauen vorbehalten ist – und deshalb bei muslimischen Frauen weit über die Stadtgrenzen hinaus beliebt ist. Dort wird seit diesem Jahr „ausgewiesene Badekleidung“ verlangt; dazu gehöre „Bikini inkl. oben ohne, Badekleid oder enganliegender Ganzkörperschwimmanzug“. Nicht erlaubt ist das Baden in „Straßenkleidung, in Unterwäsche und in weiten Burkinis“. Es könnte noch weiteren Regelungsbedarf in Neutraubling geben.

          Quelle: F.A.Z.

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