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Veröffentlicht: 28.09.2013, 19:18 Uhr

Dieter Hallervorden Endlich am Ziel


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Er hat ja heute auch ganz andere Sorgen. Das Schlosspark-Theater zum Beispiel, das trotz all seiner - auch finanziellen - Kraftanstrengungen nicht so ausgelastet ist, wie er sich das vorgestellt hat. Dass die Berliner Lokalzeitungen selbst zu mancher Premiere keinen Reporter schicken, treibt ihn auf die Palme: „Wenn sie uns totschweigen, können wir nicht überleben.“ So etwas trägt dazu bei, dass Hallervorden, eine hierzulande seltene Kombination aus Künstler und Macher, an Schlafstörungen leidet und zögert, sich als zufriedenen Menschen zu bezeichnen: „Ich habe sehr oft meine Löcher. Ich gerate leicht in Panik, weil ich mir zu viel auf die Schultern geladen habe und weil die Wege, um das Ziel zu erreichen, so steinig und steil sind.“ Stolze dreizehn Abende hat er in diesem September selbst auf der Bühne seines Theaters bestritten, was er nicht als Akt der Verzweiflung verstanden wissen will. „Wenn ich hier aufgebe, ist das für mich eine Niederlage“, sagt er. „Ich will das zu Ende führen. Aber jetzt, in der fünften Spielzeit, muss der entscheidende Durchbruch gelingen.“

Kurz vor Beginn der Vorstellung hatte ein blondgelockter junger Mann im Publikum Platz genommen. Johannes Hallervorden, gerade fünfzehn geworden, verfolgt jeden Auftritt seines Vaters, wenn es ihm möglich ist. Auch er selbst hat schon als Schauspieler gearbeitet, gerade dreht er eine Serie. Die späte Vaterschaft sei eine Gnade, sagt Dieter Hallervorden, mit seinem Jüngsten verbringe er „viel mehr Zeit miteinander, als es in unserer Gesellschaft zwischen Generationen üblich ist“. Gleichwohl spürt er die Last der Verantwortung gegenüber einem jungen Menschen, der möglichst lange einen Vater haben solle; bis 81, sagt Hallervorden, müsse er mindestens durchhalten. Und er erzählt: „Ich habe nie Schwierigkeiten mit dem Alter gehabt, sondern es genossen im Sinne von: Das habe ich schon geschafft, mal sehen, was jetzt noch drin ist. So denke ich auch heute noch, natürlich mit ein bisschen mehr Verzagtheit.“

In seiner Autobiographie „Wer immer schmunzelnd sich bemüht . . .“ beschreibt Hallervorden, wie seine Mitschüler einst vor Lachen am Boden lagen, als er bei einem Rennen wie ein „frisch kastrierter Erpel“ lief. Das klingt nach einem Probelauf für Didi. Letzterer schließlich wäre beim Marathon in die falsche Richtung gelaufen, hätte unterwegs die Hose verloren - und am Ende, wenn er das Ziel doch noch erreicht hätte, wäre das Olympiastadion eingestürzt. Wenn Hallervorden in „Sein letztes Rennen“ seine Runden dreht, lacht niemand mehr; gut möglich aber, dass der eine oder andere Zuschauer eine Träne verdrückt.

Aber wird das Kinopublikum, den Didi noch im Kopf, Hallervorden in einer Tragikomödie sehen wollen? „Ich stapele in meinen Erwartungshaltungen lieber tief. Um so weniger kann ich enttäuscht werden“, sagt Hallervorden. Entscheidend sei „wie immer das Publikum. Ob es womöglich bei 60.000 Zuschauern hängenbleibt oder es doch ein paar mehr werden, das entscheidet ja auch für mich sehr viel: wie es bei mir weitergeht.“ Bei seinem langen Lauf zu sich selbst sieht Hallervorden sich offensichtlich noch längst nicht am Ende.

Und manchmal, da lässt auch dieser spät entdeckte Charakterdarsteller den Didi noch aufblitzen. Eine Szene, erinnert sich Kilian Riedhof, in der Paul Averhoff mit zwei Koffern durch eine Tür geht, habe er oft wiederholen lassen, und beim dreizehnten Take habe sich Hallervorden heillos in der Tür verfangen und sei beinahe gestolpert. Worauf er in die Runde blickte und sagte: „Palim, palim.“

Killer, Kinostar und Kabarettist

Dieter Hallervorden, geboren 1935 in Dessau, studierte Romanistik an der Humboldt-Uni in Ost-Berlin. Als aufflog, dass er bei Übersetzerdiensten wenig Staatstreue bewies, setzte er sich in den Westen ab. Nachdem ihn die Max-Reinhardt-Schauspielschule (“mangels Talent“) und die „Stachelschweine“ abgelehnt hatten, gründete er 1960 mit den „Wühlmäusen“ sein eigenes Kabarett. Lob erhielt er für Filmauftritte als Killer im „Millionenspiel“ (1970) und 1974 als irrer „Springteufel“. Im gleichen Jahr wurde Hallervorden mit der Serie „Nonstop Nonsens“ zu einem der bekanntesten Komiker des Landes. Er sang Blödelsongs wie „Du, die Wanne ist voll“ und erreichte mit den „Didi“-Kinofilmen ein großes Publikum. 1991 verabschiedete er Didi und kehrte zurück zum Kabarett. 1996/97 moderierte er „Verstehen Sie Spaß?“. 2009 wurde er Intendant des SchlossparkTheaters. Dieter Hallervorden ist in zweiter Ehe verheiratet. Seit sein jüngster Sohn in Berlin aufs Gymnasium geht, ist Hallervorden nur noch selten in der Brétagne, wo er auf einer Insel ein Schlösschen besitzt.

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