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Veröffentlicht: 28.09.2013, 19:18 Uhr

Dieter Hallervorden Endlich am Ziel


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Diese Ehrfurcht gilt nicht allein Dieter, sie gilt auch Didi. In Tobias Hohmanns „Das große Dieter Hallervorden Buch“ kommt eine Reihe von Filmschaffenden um die vierzig zu Wort, die sich allesamt auf Didi berufen, von Dennis Gansel („Die Welle“) bis Christian Becker („Wickie“). Der Bestseller-Autor Sebastian Fitzek schreibt: „,Didi der Doppelgänger‘ hat mich als Kind so begeistert, dass ich begann, mir eigene Geschichten auszudenken.“ Sie alle, Kinder der Achtziger, sind geprägt vom Didi-Humor und nicht, zum Beispiel, vom zwar massenkompatiblen, doch nur mäßig komischen „Spott-Light“-Kabarett des seriösen Herrn Hallervorden.

Dieter Hallervorden © picture-alliance / dpa Vergrößern Lachnummer der Nation: unser aller Didi

Letzterer gibt sich keine Mühe zu verhehlen, dass er vom Didi-Thema gründlich angeödet ist. „Für mich ist das ein abgeschlossenes Kapitel“, sagt er. „Ich wollte vor einer vollen Kirche predigen, die habe ich gehabt. Ich habe mit Didi nie gehadert, ich habe die Rolle nur irgendwann verlassen müssen, weil ich mit ihm nie zu neuen Ufern gekommen wäre.“ Sehr wohl gehadert hat Hallervorden mit den Kritikern, die ihn regelmäßig derart in die Pfanne hauten, dass man sich fragen konnte, was der Mann eigentlich verbrochen hatte. Mit seinem harmlos-kindlichen Slapstick wurde er, dessen Wurzeln im politischen Kabarett lagen, als grimassierender Antipode des Feingeistes Loriot geschmäht. Der Komiker wiederum, der es im Sommer 1985, zu Hallervordens goldenen Kino-Zeiten, als „Lachmann der Nation“ aufs Cover des „Spiegel“ schaffte, war nicht „Didi“, sondern Otto Waalkes.

Kapitel für Kapitel wurde so an der privaten Max-Frisch-Tragödie Dieter Hallervordens geschrieben, der sich trotz steter Beteuerungen (Ich bin nicht Didi!) von seiner Umwelt immer wieder zurückgeworfen sieht auf den abgestreiften Charakter: Palim, palim! Eine Identitätskrise von Stillerschen Ausmaßen. Noch als sich Hallervorden kurz vor der Bundestagswahl als einer der „Menschen bei Maischberger“ für die FDP in die Bresche warf und - als DDR-Flüchtling und Stasi-Zielobjekt - seinen herzlichen Hass gegenüber der Linken kundtat, wurde er von der unbefangenen Gastgeberin hartnäckig als „Didi“ angesprochen. Und das, obwohl er in der Runde überraschend humorlos rüberkam: „Wollen wir ernsthaft diskutieren oder politisches Kabarett machen?“

Dabei hat Hallervorden die Vielseitigkeit, die ihm mancher nicht zugestehen mag, schon in „Nonstop Nonsens“ demonstriert. Neben dem sympathischen Supertrottel aus den Einspielfilmen gab es in den Sketchen ja noch einen ganz anderen Didi, der seine Mitspieler Kurt Schmidtchen, Gerhard Wollner und Rotraud Schindler, Hallervordens Ex-Frau, mutwillig in die Verzweiflung trieb: eine unberechenbare, latent gefährliche Type, gar nicht weit entfernt vom sadistischen Irren im Film „Der Springteufel“ (1974), den er häufig seine beste Rolle genannt hat. Doch der Didi-Exegese ist Hallervorden nun endgültig müde; dazu, konstatiert er beim Interview, sei ihm seine Zeit zu schade.

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