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Dieter Hallervorden : Endlich am Ziel

Wie fit der Schauspieler nach wie vor ist, davon hat sich das Theaterpublikum gerade überzeugen können. Mit viel Elan hat Hallervorden in dem Stück „Die Socken Opus 124“ den alternden Mimen Brémont gegeben, der mit einem Kollegen (Ilja Richter) noch mal groß herauskommen will, jedoch die große Sorge hegt, sich lächerlich zu machen - weshalb er energisch dafür plädiert, das für ihn vorgesehene Clownskostüm abzulegen. Es fällt schwer, nicht auch in diesem Brémont ein Alter Ego Hallervordens zu sehen.

Mit dem Laufen, sagt Hallervorden, habe er nicht aufgehört, fünfmal die Woche jogge er dreißig, vierzig Minuten. Auch das Bierglas, das vor ihm steht, ist auffällig klein. Es ist allerdings auch rasch leer, und nachdem trotz lautstarker Erinnerung der Nachschub ausbleibt, geht der Hausherr, leicht verschnupft, höchstselbst zum Tresen, so dass endlich ein ordentlicher Humpen vor ihm steht. In dieser kleinen Szene bestätigt sich, was anderswo über Hallervorden zu hören und zu lesen war: Er ist ein höflicher, offener, umfassend gebildeter Gesprächspartner, zugleich aber eine sensible Künstlernatur und ein Perfektionist, der, wenn seine hohen Ansprüche nicht erfüllt werden, schon mal schroff werden kann. Die Aufforderung des extrem lärmempfindlichen Intendanten an seine Mitarbeiter, dort an der Theke nicht so laut zu sein, klingt jedenfalls nicht nach einer Bitte.

„Wer immer schmunzelnd sich bemüht . . .“: Hallervorden als Komiker
„Wer immer schmunzelnd sich bemüht . . .“: Hallervorden als Komiker : Bild: picture-alliance / KPA Copyright

Seine Sache, das Schauspiel, ist dem Mann, den man als komischen Vogel liebt, eben so ernst, dass er keinen Spaß versteht. Hallervorden, der als Didi Everybody’s Depp war, legt keinen Wert darauf, Everybody’s Darling zu sein. Also echauffiert er sich offen über den Vermarkter des Films, der auf der Rückseite eines Flyers die lustig gemeinte Gewinnspiel-Frage stellt, ob den Paul Averhoff wohl Dieter Hallervorden oder Otto Waalkes spiele: „Dass man sich bei diesem Film, der keine Boulevardkomödie ist, sondern eine Aussage hat, auf dieses Niveau herablässt, das finde ich erstaunlich.“ Kein Problem hingegen hat er, der sich stets gegen eine Gleichsetzung von Dieter mit Didi wehrte, mit dem Werbespruch: „Dieter Hallervorden will es noch einmal wissen.“ Denn: „Die Leidenschaft des Paul Averhoff, das ist eigentlich meine eigene.“

Daher legt Hallervorden kurz vor dem Filmstart noch einen weiteren Marathon hin. Etliche Interviews und Fernsehauftritte, eine Kino-Tour durch zehn Städte in fünf Tagen, er läuft und läuft und läuft. Alles für ein Werk, dessen Drehbuch er „Starqualitäten“ bescheinigt und von dem er sagt: „Für die Leistung in diesem Film brauche ich mich den Zuschauern gegenüber in keinem Punkt zu schämen.“ Den legendären Läufer Paul, sagt der Regisseur Kilian Riedhof, habe nur jemand spielen können, „der selbst in irgendeiner Weise eine Legende ist, und Dieter ist für mich ein kollektiver Mythos“. Für Hallervorden, glaubt Riedhof, sei die Rolle „wie eine Wiedergeburt“, die ihm noch ganz neue Wege eröffnen werde. „Sehr offen, sehr radikal in seiner Emotionalität“ habe er den Paul gespielt und die für ihn ungewöhnlichen „tiefen, melancholischen Noten um Tod und Vergänglichkeit“ perfekt bewältigt.

Tatsächlich spielt Hallervorden derart leise und zurückgenommen, dass genügend Raum für seine Mitspieler bleibt: Tatja Seibt, Otto Mellies, Katrin Sass, Frederick Lau und Katharina Lorenz sorgen dafür, dass der Hauptdarsteller kein einsames Rennen läuft. Selbst eine Heike Makatsch, die Averhoffs Tochter spielt, zeigt keine Furcht, in den Didi-Dunstkreis zu geraten. Die jungen Schauspieler, erzählt Regisseur Riedhof, „waren begeistert und fast ehrfürchtig, mit Dieter spielen zu können“.

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