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Selbst kompostieren : Bioabfall? Her damit!

  • -Aktualisiert am

„Share-Waste“-Nutzerin Katrina Wolff (r) kompostiert fleißig mit ihrer Nachbarin Jenny. Bild: ShareWaste

Kann ich deinen Müll haben? Der eine braucht mehr Kompost für seinen Garten, der andere will den Bioabfall unkompliziert los werden: Eine App bringt beide zusammen und tut was für die Umwelt.

          Würmer bahnen sich ihren Weg durch welke Salatblätter, Kartoffelschalen und faulende Äpfel – aber Katrina Wolff bleibt cool. Wenn die Neuseeländerin von Bio- und Grünabfall spricht, oder vielmehr von dem, was daraus unter Einfluss von Luftsauerstoff und Bodenlebewesen entsteht, glänzen ihre Augen. Kompost ist eines der Lieblingsthemen der Gärtnerin, die nicht nur den Garten vor ihrem Haus bei Auckland in ein Obst- und Gemüseparadies verwandelt hat, sondern auch bei einer Handvoll Nachbarn Wunder wirkt.

          Wolffs Wundermittel sind humus- und nährstoffreiche Düngemittel – vom biodynamischen Komposthaufen und aus diversen Wurmkisten. Dort verrotten nicht nur ihre eigenen Küchen- und Gartenreste, sondern auch die ihrer Nachbarin Jenny. Die nämlich ist zufällig zu Wolffs Abfall-Dealerin geworden: „Unsere Pfade hätten sich im echten Leben kaum gekreuzt“, meint sie, „Jenny ist online auf mich aufmerksam geworden.“

          Die Neuseeländerinnen sind zwei von etwa 6300 registrierten Mitgliedern der Android- sowie iPhone-App „Share Waste“. Wer seinen Bio- oder Grünabfall zu Hause aus Platz- oder anderen Gründen nicht kompostieren oder den natürlichen Dünger nicht verwenden kann, findet über die Plattform willige Abnehmer. Entstanden ist die Idee aus der Not heraus: Als das Ehepaar Eliska und Tomas Bramborova 2016 von der australischen Westküste in die Großstadt Sydney zog, wurde den beiden schlagartig schmerzhaft bewusst, dass das kommerzielle Bioabfall-Entsorgungssystem nicht ihren Vorstellungen entsprach. „Wir konnten nicht selbst kompostieren“, erklärt Eliska, „doch das bestehende System war zu unflexibel: Wir hätten bei der Abholung zu Hause sein und dafür noch 15 Dollar zahlen sollen.“

          Kompostierung im urbanen Raum

          Damit wollte sich das aus Tschechien stammende Ehepaar nicht zufriedengeben. „Ich habe in einer Facebook-Gruppe gefragt, ob jemand aus unserer Nachbarschaft den Abfall möchte“, erzählt Eliska Bramborova. Tatsächlich meldete sich eine Dame. Doch der 30-minütige Spaziergang mit einem Eimer voller Essensreste alle vierzehn Tage stellte sich für die junge Mutter bald als zu mühsam heraus. Nach einem Gespräch mit ihrem Mann Tomas, der als Software-Entwickler tätig ist, war die Idee geboren, mit einer App „etwas Nützliches zu schaffen“. Im November 2016 war die Plattform online; Geber wie Empfänger von organischen Resten konnten sich auf einer Landkarte eintragen. Einige Wochen und Posts in Facebook-Gruppen später hatten die beiden drei Abnehmer in der Nähe gefunden.

          „ShareWaste“-Gründerin Eliska Bramborova

          Mittlerweile hat sich ShareWaste nicht nur in Sydney etabliert, sondern über Social Media in ganz Australien sowie in den Vereinigten Staaten und Großbritannien. Und nicht nur das: „Vor kurzem haben wir eine Lizenz-Version für die Aucklander Initiative ,Compost Collective‘ gestaltet, die Kompostierung im urbanen Raum fördert“, sagt Bramborova. Es ist ein Modell, das künftig auch mit anderen Initiativen und Gemeinden umgesetzt werden kann. Nicht nur im englischsprachigen Raum.

          Der Bedarf für kreative Lösungen wie ShareWaste scheint vorhanden, sind Essensabfälle insbesondere für Großstädte doch weltweit ein Riesenproblem: Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge leben mehr als die Hälfte der Menschen weltweit in urbanen Gebieten, bis 2050 wird diese Zahl auf 66 Prozent steigen. Zunehmen werden dann auch die Essensabfälle: Schon heute produzieren wir in der Europäischen Union jährlich zwischen 118 und 138 Millionen Tonnen Bioabfall. Bis 2020 wird das Aufkommen wohl um weitere zehn Prozent steigen.

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