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Wald im Konzernbesitz : Die Förster von der Bahn

  • -Aktualisiert am

Nicht auf dem Holzweg: Förster Gerhard Hetzel bei der Arbeit, im Wald. Angereist ist er im Zug. Bild: Wohlfahrt, Rainer

Die Deutsche Bahn gehört zu den größten Waldbesitzern, auf Augenhöhe etwa mit der Familie von Thurn und Taxis. Das Unternehmen beschäftigt eigene Förster - Männer wie Gerhard Hetzel.

          Ein Förster, der auf dem Weg zur Arbeit den Zug nimmt? Für Gerhard Hetzel gehört das zum Alltag. Schließlich erstreckt sich sein 3000 Hektar großer Verantwortungsbereich über sechs deutsche Bundesländer. Und vor allem ist die Deutsche Bahn AG der Arbeitgeber des promovierten Forstwissenschaftlers: Der gebürtige Württemberger arbeitet als einer von sieben Förstern im Dienste der Bahn.

          Das Klischee des Traditionsförsters – grüner Loden, Flinte über der Schulter, Jagdhund an der Leine – erfüllt Hetzel nicht. Der Familienvater, Jahrgang 1962, trägt Outdoorkleidung und hat eine Fahrradtasche in der Hand. Irgendwie passt das aus dem 18. Jahrhundert stammende romantische Stereotyp auch nicht zu seiner modernen Berufsbezeichnung: „Fachbeauftragter für Vegetation“.

          Die Bahn und der Wald, das ist eine so alte wie vielfältige Geschichte: Einst setzten eigene Forstbautrupps Bäume entlang der Strecken, um das Gelände zu stabilisieren und um Holz für Schwellen oder Bauvorhaben zu gewinnen. Von der Baumschule über das Sägewerk bis zum Langholztransport – um alles kümmerten sich die Bahngesellschaften früher selbst. Noch heute werden jährlich 67.000 Festmeter Holz in den Wäldern der Bahn eingeschlagen. Rund 20.000 Hektar groß ist die Forstfläche der Bahn AG zurzeit. Damit gehört das vor 20 Jahren aus der Deutschen Bundesbahn hervorgegangene Unternehmen zu den größten privaten Waldbesitzern Deutschlands, auf Augenhöhe etwa mit der Familie von Thurn und Taxis. Den Löwenanteil des Bahnforstes machen die viele hundert Kilometer langen, im Durchschnitt aber nur 25 Meter breiten Flächen aus, die sich als jeweils zehn Meter breite Waldstreifen links und rechts der Gleise entlangziehen.

          Stabilisierung von Hängen durch Bepflanzung

          Es gibt aber auch die größeren Bahnwälder, die in sich geschlossen sind. Manche dieser Forste sind geschichtsträchtig, wie der 20 Hektar große Wald südlich des Bahnhofs Elm bei Fulda. Angelegt wurde der Nutzwald für den Eigenbedarf der Eisenbahn, als deren Schienen noch ausschließlich auf Schwellen aus Holz befestigt wurden. „Wer diesen Wald gepflanzt hat, der kannte den Standort gut“, erzählt Gerhard Hetzel, zeigt auf Bergahorn und Esche, auf die Erlen an den Bachläufen: Sorten und Struktur des Waldes sind gut an den feuchten Boden angepasst - und an die Hanglage. Diese Stabilisierung von Hängen durch Bepflanzung war schon früh eine Spezialität der Eisenbahn-Förster.

          Im Schatten der Bäume warten aber auch Zeugnisse einer anderen, düsteren Geschichte: Während des Zweiten Weltkriegs wurde im Bahnhof Elm ein Munitionszug aus der Luft angegriffen. Die Wagen explodieren, der Bahnhof wurde in Trümmer gelegt. Bis heute finden sich immer wieder Teile des zerstörten Zuges im Wald, aber auch Scherben und Reste technischer Einrichtungen aus dem alltäglichen Bahnbetrieb. „Das ist ein zutiefst eisenbahnhistorischer Wald“, sagt Gerhard Hetzel. Jetzt holt sich die Natur diesen Bahnwald, den Hetzel aus der Bewirtschaftung genommen hat, Stück für Stück zurück. In den alten Geräteschuppen zum Beispiel, zwischen hundertjährigen Stämmen sollen Fledermäuse einziehen. Die Bahn bekommt dafür „Ökopunkte“ gutgeschrieben, die sie bei Neubauten einlösen kann.

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