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Wiener Opernball : Alles Oper!

Kristallisationspunkt der Wiener bürgerlichen Gesellschaft: Das Jungdamen- und Jungherrenkomitee am Donnerstag bei der Eröffnung des Opernballes in der Staatsoper Wien Bild: dpa

Wie eine Reise in die gute alte, etwas verstaubte Zeit: Auf dem Wiener Opernball drehen sich 5000 Besucher in prächtigen Roben im Dreivierteltakt. Richard Lugner kommt dieses Mal mit Goldie Hawn – und ist zufrieden.

          „Alles Oper“ war naheliegenderweise das Motto des 61. Wiener Opernball. Und ihm war konsequent die Gestaltung des Festes untergeordnet, für das traditionell am Donnerstagabend vor Fasching die Staatsoper zum Ballsaal umfunktioniert wird. „La fleur que tu m’avais jetée“, sang der Tenor Jonas Kaufmann mit warmem Timbre aus Bizets „Carmen“. Zur „Polonaise“ aus Tschaikowskis „Eugen Onegin“ zogen 144 Debütanten-Paare ein. Versilberte Rosen, welche die Jungherren trugen und am Ende ihren Jungdamen überreichten, sollten an den Rosenkavalier erinnern.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Der von Tanzlehrern mit Fleiß einstudierte Aufzug zeigt, dass der Opernball zwar auch ein Vermarktungs- und Fernsehereignis ist, aber nicht nur. Er ist auch ein Kristallisationspunkt der Wiener bürgerlichen Gesellschaft. So waren eben nicht nur Miss und Mister Austria unter den jungen Damen und Herren in Weiß und Frack, sondern auch die Sprösslinge von Großbäckern, ehemaligen Bundesministern oder gegenwärtigen Parteistrategen, welche die launigen Kommentatoren des ORF genau beim Namen zu nennen wussten.

          Das Wort Debütantin gilt freilich als gesellschaftlich veraltet und ist daher eigentlich verpönt. Aber ganz in Weiß waren die Kleider der jungen Damen denn doch, und ihre Häupter schmückten dreifaltige Krönchen, die kein Geringerer als Karl Lagerfeld gestaltet hatte. Der Meister beließ es bei der Anwesenheit seiner Kreationen. Prominentenjäger mussten sich mit anderen begnügen, beispielsweise mit dem in ein schwarzes Piratentuch gehüllten Künstler Gottfried Helnwein. Er passte vortrefflich zum Motto, da er nicht nur einst ein Plattencover (als es das noch gab) der Hardrock-Band Scorpions gestaltete, sondern auch Bühnenbilder von Opern.

          Goldie Hawn benahm sich gut

          Bauunternehmer Richard Lugner ließ sich wieder mal nicht lumpen. Er hatte die amerikanische Schauspielerin Goldie Hawn in seine Loge eingeladen, die sich, wie die Boulevardblätter bedauernd anerkennen mussten, gut benahm und den Anschein erweckte, sich zu amüsieren. Nicht einmal eine Szene mit seiner dieses Jahr von ihm geschiedenen Frau Cathy gab es, die sich zwar von anderer Seite einladen ließ, aber an einer Begegnung mit „Mörtel“ kein Interesse zeigte und die Natur ihrer verflossenen Beziehung mit den Worten „der Kuchen ist gegessen“ charakterisierte. Auf die gewohnte Prise Dschungelcamp mussten die Seitenblicker nicht verzichten, Eingeweihte nannten die Namen Gina-Lisa Lohfink und Florian Wess.

          Cathy Lugner kam mit einem anderen Mann und zeigte an einer Begegnung mit „Mörtel“ kein Interesse.
          Cathy Lugner kam mit einem anderen Mann und zeigte an einer Begegnung mit „Mörtel“ kein Interesse. : Bild: dpa

          Zwei Debüts gab es darüber hinaus bei jenem Fest, mit dem Wien nach dem Zweiten Weltkrieg wieder gesellschaftliche Normalität gesucht hatte. Maria Großbauer zeichnete erstmals für die Organisation verantwortlich, die zuvor Desirée Treichl-Stürgkh besorgt hatte. Von der Werbefachfrau, deren Vater wie auch Ehemann Wiener Philharmoniker ist, Letzterer sogar Vorstand, durften gleichermaßen Professionalität und Nähe erwartet werden. Ein wirklicher Neuling auf diesem Ereignis, das eben auch ein österreichischer Staatsball ist, war das Staatsoberhaupt. Bundespräsident Alexander Van der Bellen, ein alter Grüner, hatte die Eröffnung des Opernballs vorab eher als notwendige Selbstverständlichkeit denn als Herzenswunsch erscheinen lassen. Seine Frau Doris Schmidbauer, die einst sogar gegen den Opernball demonstriert hatte, begleitete ihn.

          Schauspielerin Goldie Hawn saß mit Lugner in der Loge und beobachtete das Treiben auf dem Wiener Opernball von dort aus.
          Schauspielerin Goldie Hawn saß mit Lugner in der Loge und beobachtete das Treiben auf dem Wiener Opernball von dort aus. : Bild: dpa

          Gleichsam eine unbeabsichtigte Reverenz an sie leistete ein Häuflein Kommunisten, die draußen erstmals seit langem eine Demontration gegen den Opernball („Eat the Ritch“) veranstaltete. Doch nicht dadurch war der Staatsball überschattet, sondern durch den Tod der österreichischen Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser, die einer schweren Krankheit erlegen war. Präsident und Kanzler sprachen daher nur wenige Worte, verzichteten begreiflicherweise auf den Tanz und gingen gleich wieder.

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