15.04.2007 · Papst Benedikt XVI. wird an diesem Montag achtzig Jahre alt. Mit dem Feiern hat er schon einmal begonnen - in Rom auf dem Petersplatz. Alles war liebevoll in bayerischer Hand. Die Pilger fanden es „unglaublich“, hier in Rom den Geburtstag eines bayerischen, eines deutschen Papstes feiern zu können.
Von Heinz-Joachim Fischer, RomDer Petersplatz in Rom war liebevoll in bayerischer Hand. Und „die Stadt und der Erdkreis“, denen der Papst als „Urbi et orbi“ an Festtagen gewöhnlich den feierlichen Segen erteilt, wunderten sich über so viele Gefühle aus deutschen Herzen: angefangen vom Oberhaupt der katholischen Kirche, dem Deutschen Joseph Ratzinger, der an diesem Montag vor 80 Jahren geboren wurde und deshalb am Sonntag zuvor sich und seine Gläubigen mit einem Pontifikalamt auf diesen Ehrentag einstimmte, über Edmund Stoiber, den scheidenden Ministerpräsidenten des Freistaats Bayern, der sich vor Stolz über diesen berühmten Landessohn kaum fassen konnte, bis zu den Pilgern aus bayerischen und anderen deutschen Landen zu Zehntausenden, denen das Glückswort ins Gesicht geschrieben stand: „Wir sind Papst.“
Manchmal sagten sie es, voller Rührung und auch so, als ob sie sich dessen immer wieder versichern müssten, wie „unglaublich“ es sei, hier in Rom den 80. Geburtstag eines bayerischen, eines deutschen Papstes feiern zu können: „Sagenhaft, Wahnsinn, absolut toll.“ Viel mehr war an diesem Vormittag aus den Benedetto-Fans kaum herauszubringen. Außer: Sie seien schon beim Weltjugendtag in Köln im August 2005 dabei gewesen, sagen Mädchen und Jungen aus der Gegend von Altötting, „aber hier, so nah an der Wirkungsstätte des Papstes, das ist einfach unfassbar schön“.
Weiß-blaue und schwarz-rot-goldene Fahnen
Die bunten Trachten vieler Pilger, die weiß-blauen und schwarz-rot-goldenen Fahnen der Heimat, Transparente mit wohlmeinenden Wünschen bestimmten das Bild, als Benedikt XVI. die Messe auf dem weiten Platz vor der Petersbasilika begann. Die Farben aus den Gefilden nördlich der Alpen machten dem Rot der Kardinäle und dem Violett der Bischöfe Konkurrenz. Als der Gottesdienst fast schon in die Routine katholischer Hochämter überging, ergriff Benedikt das Wort. Da zeigte sich sofort, dass dieser Papst ein Magier des Wortes ist, des richtigen, treffenden, klugen und jenes, das aus dem Herzen kommt und zu Herzen geht.
Da ist ein Unternehmer aus Stuttgart, der bekennt, wie er damals auf Mallorca die Kirchenglocken habe läuten hören, dann doch neugierig geworden sei und vor stolzer Rührung habe weinen müssen. „Wir sind Papst. Und er macht es doch gut“, meint der Schwabe anerkennend. Und auch jetzt ist der Mann den Tränen nahe, als Benedikt sagt: „Seid nachsichtig mit den Schwächen meiner Amtsführung!“ Solche Worte nimmt man dem Papst ab, weil bei vielleicht etwas kalkulierter Demut auch überzeugte Bescheidenheit angesichts der Schwierigkeit des Amtes und der Schwierigkeiten der Amtsführung dabei ist.
Ungekünstelte Herzlichkeit
Weil auch die persönliche Herzlichkeit ungekünstelt ist. Wenn er etwa seinen älteren Bruder Georg anschaut oder jene in den ersten Reihen, die ihm im Laufe seines Lebens freundlich begegnet sind. Priester, Theologen als Schüler des Professors, Freunde, die ihm familiäre Wärme vermitteln konnten. Oder wenn er der Eltern gedenkt und der Schwester Maria, die schon „heimgegangen sind“. Es freut den Bischof von Rom an diesem Tag besonders, dass ihm der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., einen persönlichen Glückwunsch schrieb und einen besonderen Vertreter zum sonntäglichen Pontifikalamt entsandte.
Aber die Erwähnung des Ehrenprimas der orthodoxen Christen, der im türkischen Istanbul residiert, lenkt selbst an diesem Festtag die Aufmerksamkeit auf die Probleme dieser zwei Jahre. Da sind die Beziehungen zu den anderen Christen, die besser sein könnten: zu den Brüdern und Schwestern der evangelisch-reformatorischen Kirchen oder den Christen unter dem Moskauer Patriarchat, das sich nicht so leicht gnädig stimmen lässt.
Nur mit Mühe zur Versöhnung überredet
Da sind die heiklen Beziehungen zu den Muslimen, die nur mit Mühe nach der Regensburger Vorlesung zur Versöhnung überredet werden konnten. Just zu den Geburtstags- und Jahresfeiern entwickelte sich im Verhältnis zu den Juden und dem Staat Israel eine kleine Kontroverse über die Haltung Pius' XII. zum deutschen Nazi-Regime und dessen völkermörderischem Treiben. Das muss den deutschen Papst besonders schmerzen.
Benedikt weicht in seiner Predigt auch diesen dunklen Seiten nicht aus, wenn er von der „Finsternis“ spricht, der die Menschheit in ihrer Wanderschaft auf Erden, in Armut, Kriegen und Hass ausgesetzt sei. Auch darin hat sich Benedikt den Gläubigen und den Nichtglaubenden eingeprägt als ein Kirchenlehrer, der die Welt kritisch zu beurteilen versteht, zu würdigen und zu tadeln. Er schert keineswegs alles über ein und denselben frommen Kamm. Er weiß, dass durch Glauben nicht alles besser wird. Aber er gibt die Zuversicht, dass es besser werden kann. So, wenn er zum Schluss wieder die Herzen der Menschen anspricht, besonders all jener, die von weit her aus dem Norden gekommen sind: „Barmherzigkeit setzt dem Bösen Grenzen.“ Ein schöner Geburtstagswunsch des Papstes für die Welt, finden die Pilger, der Wunsch eines achtzigjährigen Deutschen aus Bayern.
Happy Birthday
stefan umnus (moggwai)
- 16.04.2007, 00:27 Uhr
@stefan umnus
Erwin Steinhauer (hauer2)
- 16.04.2007, 12:31 Uhr
Glaube und Wissenschaft
Franz Danne (ennad)
- 17.04.2007, 01:54 Uhr