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Fischer bleibt Fischer

Von PHILIP EPPELSHEIM, Fotos DANIEL PILAR

13.03.2017 · Die Ostsee ist sein Fanggebiet: Konrad Fischer fährt seit 50 Jahren raus. Und fährt immer weiter.

Seit 50 Jahren ist Konrad Fischer schon Fischer. Er fährt raus auf die Ostsee, fängt Plattfisch und Dorsch. Ein Seebär, zerzaustes Haar, blaue Augen, dicke Zigarre, derbe Worte. Oft auch Seemannsgarn und andere unglaubliche Geschichten. Das erste Jahr auf See musste Konrad Fischer jeden Tag über der Reling hängen. Dann hatte er es geschafft. Seitdem kann das Meer ihm nichts mehr.

Damals fuhr Konrad Fischer noch mit seinem Vater raus. Fischer ist Fischer in fünfter Generation. Seit sechs Jahren begleitet ihn Matrose Thomas Buick. Der war früher mal Lastwagenfahrer. Nach zwei Unfällen fand er, das Meer passe besser zu ihm, auch wenn es mindestens genauso gefährlich ist wie auf der Straße. Eine Unachtsamkeit – und man ist weg.

  • Schon früh auf hoher See: Konrad Fischer fischt in der Kieler Förde.
  • Auf dem Weg zum Fischen.
  • Konrad Fischer (rechts) und Thomas Buick, beim Einholen der Netze.
  • Konrad Fischer holt die Netze ein.
  • Fischer und Buick beim Saubermachen: im Schleppnetz war ein Klumpen Altöl, das den Kutter und Teile des Fangs verschmutzt hat.
  • Hafenarbeiter helfen beim Entladen.

Manchmal wären sie mit ihrem Kutter, der „Maria“, fast schon abgesoffen. Aber bislang ging es doch immer gut mit dem alten Kahn, Baujahr 1936, älter noch als der Kapitän und sein Matrose. Fischer ist 68 Jahre alt, Buick 51. Sie sind die älteste Kutterbesatzung weit und breit. Fischer wie sie gibt es immer weniger. Weil der Beruf hart ist und der Lohn gering. Die Fische verschwinden, die Vorschriften und Kosten werden immer mehr.

Deshalb hat Konrad Fischer im Hafen von Möltenort bei Kiel auch noch den Fischbratkutter „Elke“, sein zweites Standbein. Weil man vom Fischen allein schon längst nicht mehr leben kann. Jedenfalls nicht, wenn man Familie hat. Auf der „Elke“ wird Thomas Buick zum Koch und Konrad Fischer zum Gastronom. Allerhand Prominenz war schon da.

Während sich Konrad Fischer eine Zigarre anzündet, folgen die Möven dem Fischkutter in der Dämmerung. Unter Deck bleibt der Abwasch auch mal stehen, wenn viel zu tun ist.

Wenn man Glück hat, erzählt Konrad Fischer, wie er Ministerpräsident von Schleswig-Holstein werden wollte; wie er sich mit dem Pentagon wegen eines Flugzeugträgers herumschlagen musste; wie er Engländern weismachte, dass er U-Boot-Kommandeur sei. Und was er außer Fisch noch so alles im Netz hatte. Alte Buddeln, eine sogar mit Flaschenpost von 1913, damit kamen sie ins Guinness-Buch. Auch Minen haben sie schon aus dem Wasser geholt, verrostete Gewehre, Drohnen, ein Autowrack, alles Mögliche. So ist das Fischerleben eben.

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Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 13.03.2017 11:10 Uhr