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Nach tödlicher Messerattacke : Tausende bei Demonstrationen in Kandel

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„Kandel ist überall“ und „Schutz für unsere Kinder“: Der Kandeler Fall der Messerattacke eines afghanischen Flüchtlings sorgte für heftige Debatten über Alterstest bei Flüchtlingen. Bild: EPA

Auch nach zwei Monaten sorgt die Messerattacke eines afghanischen Flüchtlings auf ein 15-jähriges Mädchen in Kandel für Aufruhr. An vier teils rechts-, teils linksgerichteten Versammlungen nehmen am Samstag insgesamt etwa 4500 Menschen teil.

          Gut zwei Monate nach dem tödlichen Messerangriff eines afghanischen Flüchtlings auf eine 15-Jährige im rheinland-pfälzischen Kandel sind dort tausende Menschen auf die Straße gegangen. An den vier teils rechts-, teils linksgerichteten Versammlungen nahmen am Samstag insgesamt etwa 4500 Menschen teil, wie die Polizei am Abend mitteilte. Die jeweiligen Teilnehmerzahlen der einzelnen Demonstrationen nannte die Polizei auch auf Nachfrage nicht.

          Ein Protestzug unter dem Motto „Kandel ist überall“ richtete sich gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Zu Beginn dieser Versammlung habe ein Teilnehmer einen Beamten mit einem Fußtritt verletzt, erklärte die Polizei. Gegen den Angreifer sei Pfefferspray eingesetzt und ein Ermittlungsverfahren wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte eingeleitet worden.

          Die Polizei teilte weiter mit, dass die rund 80 Teilnehmer einer Spontan-Demonstration des linken Spektrums nach intensivem Gespräch mit den Beamten sich schließlich der Versammlung unter dem Motto „Schutz für alle Schutzbedürftige“ angeschlossen hätten. Die Strategie der Polizei, mögliche Ausschreitungen zwischen gewaltbereiten Demonstranten aus der rechten und linken Szene bereits bei der Anreise zu verhindern, ging laut einer ersten Zwischenbilanz von Polizeidirektor Martin Kuntze weitgehend auf.

          Ein Afghane soll am 27. Dezember in Kandel seine 15-jährige Ex-Freundin erstochen haben. Bei dem festgenommenen mutmaßlichen Täter handelt es sich den Ermittlungen zufolge um einen Asylbewerber, der im Frühjahr 2016 unbegleitet nach Deutschland kam.

          Der Beschuldigte gab an, zur Tatzeit erst 15 Jahre alt gewesen zu sein. Laut einem medizinischen Gutachten ist er der Staatsanwaltschaft Landau zufolge jedoch wahrscheinlich etwa 20 Jahre alt. Die Messerattacke in Kandel löste bundesweit Entsetzen, aber auch politische Debatten über Alterstests bei jungen Flüchtlingen aus.

          Ein Protestzug unter dem Motto „Kandel ist überall“ richtete sich gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung.

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