http://www.faz.net/-gum-8ns1f

Musik für Kinder : Kindergarten-Sound ohne Gitarre und Flöte

Rolf Zuckowskis neue Freunde: Markus Pauli, Lukas Nimschek und Florian Sump Bild: Foto Universal Music/ Michi Schunck

Die Band „Deine Freunde“ macht Musik für Fünf- bis Zwölfjährige. Ihre Texte handeln von Schokolade und Hausaufgaben. Dabei klingen ihre Lieder aber so, dass auch Eltern Spaß haben.

          Es ist 16.30 Uhr. In einer Stunde beginnt das Konzert. Treffen im Backstage-Bereich, einem Kellerraum der Gießener Kongresshalle. Es hallt, das Buffet ist schon ziemlich abgegessen, Plastikbecher stehen herum, man trinkt Apfelsaft. Deine Freunde sind gut gelaunt, es wird gekaspert und gelacht. Die Dialoge sind wie ein Pingpongball, der fröhlich von einem zum anderen hüpft. Ohne Pause.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Deine Freunde sind eine Kinderband, aber nicht in dem Sinne, dass es Kinder sind, die auftreten. Sie sind auch keine Teenieband, im Gegenteil, aus der Sicht von Teenagern sind Florian Sump, Markus Pauli und Lukas Nimscheck steinalt: 35, 38 und 28 Jahre.

          Kindermusik war lange Zeit nicht cool

          Auf den ersten Blick könnte man Deine Freunde für ein erfolgreiches Casting-Projekt halten. Drei nette junge Männer, die gut singen und tanzen können und erfolgreich in einem Segment sind, das noch nicht bis zum Letzten ausgelutscht ist: das der Musik für Kinder.

          Jahrzehntelang war das Thema besetzt durch Rolf Zuckowski, der mit sanfter Stimme und eingängigen Gitarrenklängen Kinderliederklassiker wie „In der Weihnachtsbäckerei“ schuf. Daneben etablierten sich Sänger wie Volker Rosin, die muntere Musik für Kinderpartys komponierten („Das singende Känguruh“), aber richtig cool war auch das nicht – und mitunter strapaziös für Elternohren. Deine Freunde funktionieren nach dem Prinzip, mit dem auch bei Kinderfilmen gearbeitet wird: Animierte Tierfiguren, Pferdemädchen oder Walt-Disney-Charaktere locken die kleinen Zuschauer ins Kino – aber der Humor und die Musik sprechen auch die Eltern an, die mit dabei sitzen.

          Kindergärtner gründet Band

          Bei Deine Freunde sind es vor allem die Texte, die für Kinder gemacht sind. Es sind Themen aus dem Alltag, es geht ums Aufschieben von Hausaufgaben, um das Gefühl der Leichtigkeit in den Ferien, um Grabenkämpfe im Sandkasten – die Musik aber, eine Mischung aus Rap und Pop, unterscheidet sich kaum von den Hörgewohnheiten der Erwachsenen. Eine ausgeklügelte Marketingstrategie also?

          Eher das Gegenteil. Es begann ganz harmlos, an einem Ort, an dem sich eher keine Musikagenten oder Labelmanager tummeln – im Kindergarten. Sump arbeitete damals als Erzieher in Hamburg. Er tanzte gern mit den Kindern, aber was ihn zunehmend nervte, waren die Kinderlieder, die niedlich und lustig waren, aber manchmal auch an der Lebenswelt der Kinder vorbeigingen. „Die Auswahl an Kinderliedern war so begrenzt“, erzählt er heute. „Es gab nur zwei, drei Richtungen. Das fand ich doof und dachte, es ist an der Zeit, das zu ändern.“

          „So wie im Schlaraffenland“

          Die Lebenswelt von Kindern, das ist eben nicht nur St. Martin oder Plätzchen backen, sondern auch Dinge, die den Eltern nicht so gefallen, zum Beispiel die kaum zu stillende Lust auf Schokolade. Mama will aber, dass man nur Obst isst, also gibt es nur einen Ausweg: Ab zu Oma, denn „Oma holt mir Naschi aus dem Schrank, / Sie hat das in ’ne Schublade, voller Schokolade, / Voll, so wie im Schlaraffenland.“

          „Schokolade“ war das erste Lied, das Sump komponierte, 2011. Zusammen mit Pauli und Nimscheck ging er ins Studio. Das Demo testeten sie an den Kindergartenkindern, „und die waren sofort begeistert“, erzählt Sump. „Wir haben uns damals gefragt, ob Kindermusik genauso klingen muss wie Kindermusik, mit Xylophon statt E-Gitarre“, ergänzt Nimschek. „Und wir haben immer mehr herausgefunden, dass das nicht so sein muss.“

          Weitere Themen

          Kadenz des Lebens

          100 Jahre Ingmar Bergman : Kadenz des Lebens

          „Und ich hörte zu wie ein Lehrbube“: Der Komponist und Schriftsteller Jüri Reinvere erzählt von seiner gemeinsamen Zeit mit Ingmar Bergman auf der Insel Fårö. Der Regisseur Bergman wäre heute hundert Jahre alt geworden.

          Mamma Mia - Teil 2 Video-Seite öffnen

          Here we go again : Mamma Mia - Teil 2

          Sie singen wieder: Mit "Mamma Mia! Here we go again" kehren Pierce Brosnan, Amanda Seyfried, Meryl Streep und Co. zurück auf eine kleine griechische Insel und zur Musik der legendären Band ABBA.

          Topmeldungen

          Auch an dem spektakulären Bankraub in Berlin soll ein Mitglied des Clans beteiligt gewesen sein.

          Razzia in Berlin : Münzraub, Bankraub, Geldwäsche

          In Berlin geht die Polizei gegen eine arabische Großfamilie vor. Den Mitgliedern wird eine ganze Bandbreite von Straftaten zur Last gelegt. Auf die Schliche kamen ihr die Ermittler durch eine unvorsichtige Handlung.

          Putin vs. Trump : Russland stößt amerikanische Staatsanleihen ab

          Das dürfte Donald Trump nicht gefallen: Russland wirft seit einiger Zeit seine amerikanischen Staatsanleihen auf den Markt. Damit will Putin vom Dollar unabhängiger werden – und Trump unter Druck setzen.
          Geschlossen gegen Antisemitismus: Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Israel

          Orbáns Soros-Kampagne : Gefährliche Zwischentöne

          Ungarns Ministerpräsident Orbán wird immer wieder Antisemitismus vorgeworfen. Doch Israels Regierungschef Netanjahu verteidigt ihn. Wie passt das zusammen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.