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David Garrett „Es geht um Musik“

 ·  David Garrett gilt als Rockstar unter den Klassikern. Mit seiner für fünf Millionen Euro versicherten Stradivari im Arm spricht er beim Interview in einem Berliner Hotel über Zuhören, Auftreten und Abschalten.

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© Hoang Le, Kien Vergrößern „Gott sei Dank kann ich mich nur an die Zeit erinnern, als ich schon einigermaßen gut spielen konnte.“

Zu David Garrett geht es weit nach oben. Durch die Flure eines Berliner Hotels, mit dem Aufzug hoch, am Ende noch eine Treppe hinauf, hier residiert er gerade. David Garrett ist der Rockstar unter den Klassikern. Er spielt Chopin und Coldplay, Beethoven und Queen, Mozart und U2. Er ist populär – und weiß es.

Schon mal überlegt, eine Geige wie ein  Rockstar auf der Bühne zu zertrümmern?

Nein. Warum auch? Es geht um die Musik. Jeder, der zu meinem Konzert kommt, weiß, selbst wenn es einen Effekt bei Crossover-Shows gibt, ist der immer der Musik untergeordnet.

Sie hätten etwas Unvergessliches gemacht.

Alles, was man für eine gute Show braucht, ist gute Musik. Wenn du zusätzlich das Wagnersche Gesamtkunstwerk einbeziehst, kannst du die Menschen aus ihrem Leben nehmen und eine Welt um die Musik basteln. Aber alles ist der Musik untergeordnet, und das muss auch nicht schockieren. Es geht darum, die Bandbreite an Gefühlen in der Musik wiederzuentdecken.

Haben Sie mal daran gedacht, einen Tag nicht Geige zu spielen?

Das mache ich oft. Geige zu spielen ist keine Pflichtveranstaltung. Gerade für den Körper und die Hände ist es gut, die Geige mal nicht anzufassen. Ich habe die vergangenen fünf, zehn Tage Pause gemacht und gar nicht Geige gespielt. Ich hatte einfach keinen Bock darauf. Das ist auch wichtig. Sonst hast du auch keine Inspiration, wieder gut zu arbeiten. Der Abstand gibt wieder Motivation.

Weit kann er sich aber nicht von seiner Geige entfernt haben. Die Stradivari, versichert für fünf Millionen Euro, hält er beim Gespräch auf dem Schoß. Mit den Fingern zupft er die Saiten.

Das beste Konzert, das Sie je erlebt haben?

Isaac Stern habe ich noch gehört, in Oxford, mit César-Franck-Sonate. Das fiel mir jetzt sofort ein. Toll! Henryk Szeryng mit Beethoven-Sonate, da war ich auch noch sehr jung. Das war ein
Erlebnis. Danach habe ich mir gesagt: Jetzt übst du noch mal.

Was muss man tun für eine gute Show?

Zuhören. Jeder Musiker auf der Bühne kann die Noten spielen und hat eine
gewisse Idee der Interpretation im Kopf. Aber man muss den Moment gestalten, alles wahrnehmen und darauf reagieren. Das Tempo im Orchester unterscheidet sich, Viola oder Cello artikulieren anders – darauf musst du reagieren. Man muss sich so vorbereiten, dass man die Freiheit hat, sofort anders zu spielen.

Jedes Konzert ist anders?

Ja. Das Gerüst ist gleich. Der Rahmen wird nicht gesprengt, aber darin finde ich Millionen von Möglichkeiten. Wie langweilig wäre es für mich, ein Beethoven-Konzert immer gleich zu spielen?

Irgendwo stand geschrieben, dass für seine Auftritte die Frisur das wichtigste sei. Stimmt nicht. Die Haare sind einfach locker zum Pferdeschwanz gebunden. Im Gesicht Bartstoppeln. Er ist gerade erst aus New York eingeflogen. Unter seinen Augen dunkle Ringe.

Wissen Sie noch, wie es war, das erste Mal eine Geige in der Hand zu halten?

Nein. Gott sei Dank kann ich mich nur an die Zeit erinnern, als ich schon einigermaßen gut spielen konnte.

Sie haben mit vier Jahren zu spielen begonnen. Wann merkten Sie, das hört sich gut an?

Gott sei Dank recht bald. Mein erstes Erlebnis war mein Auftritt bei «Jugend musiziert». Ich habe die F-Dur-Romanze von Beethoven gespielt, und das ging damals schon ganz gut. Da war ich fünf.

Wann haben Sie das erste Mal das Wort Wunderkind gehört?

Als ich noch nicht wusste, was das ist. Was reden die von Wunder, ich arbeite acht Stunden am Tag!

Noch aufregend, auf der Bühne zu stehen?

Immer. Es gibt positive und negative Aufregung. Gute Aufregung verlangsamt alles, du fühlst, dass du alles noch besser kontrollierst und beherrschst. Zeit wird langsamer, und du kannst schneller reagieren. Schlechte Aufregung ist, wenn plötzlich alles schneller läuft.

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Die Fragen stellte Jan Hauser.

Quelle: Magazin »Z«
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