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Daniel Radcliffe im Gespräch „Ich hatte eine phantastische Jugend“

Er ist „der Kerl, der Harry Potter war“. Und wie geht es jetzt weiter? Daniel Radcliffe über das Aufwachsen am Filmset, die erste Liebe, Heiraten, Gedichte und zu viel Geld.

© AP Hat Angst vor dem Älterwerden: Daniel Radcliffe, 22 Jahre junger Schauspieler

Mr. Radcliffe, Ihr neuer Film „Die Frau in Schwarz“ ist ein Horrorfilm mit vielen grusligen Szenen. Wovor haben Sie Angst?

David Klaubert Folgen:

In meinem Leben? Ich weiß, es klingt blöd, wenn ich das mit 22 sage: Älter zu werden ist etwas, das mir Angst macht. Ich war es mein ganzes Leben gewohnt, der Jüngste in all den Räumen zu sein, in denen ich gearbeitet habe. Darum ist es für mich jetzt merkwürdig, dass ich zum Beispiel Sportstars sehe, die jünger sind. Ich glaube, ich werde den Alterungsprozess nicht besonders gut meistern.

Mit elf Jahren haben Sie den ersten Harry-Potter-Film gedreht, ein ganzes Jahrzehnt lang haben Sie den jungen Zauberer verkörpert. Haben Sie manchmal Angst, zu enden als „der Kerl, der einst mal Harry Potter war“?

Hm, wissen Sie, das könnte passieren, wer weiß das schon. Aber ich denke nicht, dass ich mir von diesem Gedanken vorschreiben lasse, wie ich mein Leben lebe und welche Entscheidungen ich treffe. Ich mache mir Gedanken über meinen nächsten Schritt, über meinen nächsten Job und darüber, wie ich ihn bestmöglich erfüllen kann. Alles andere wäre nicht konstruktiv.

18924011 Endlich erwachsen: In seinem ersten Kinofilm nach „Harry Potter“ spielt Radcliffe den jungen Witwer und Anwalt Arthur Kipps. © Concorde Bilderstrecke 

Sie sind sozusagen auf dem Filmset groß geworden. War das eine glückliche Jugend?

Ja, sehr, extrem glücklich. Ein Filmset ist für ein Kind doch einer der aufregendsten Orte überhaupt. Er ist voller Energie, verschiedener Menschen, Kreativität und Spaß. Und man darf Sachen machen, von denen man vorher nie geträumt hätte. Man wird für die Arbeit mit Blut oder Schlamm beschmiert, darf Dächer runterrutschen und was weiß ich noch. Alles, was einem als Kind eigentlich verboten wird, muss man plötzlich machen, wenn man Schauspieler ist. Das war eine phantastische Jugend, ich bereue nichts.

Gab es neben den Dreharbeiten genügend Freiräume für das, was Heranwachsende so erleben: die erste Liebe, die ersten sexuellen Erfahrungen?

Absolut. Das kann ich Ihnen sagen, dafür hatte ich Zeit. Ich war ja nicht alleine am Set, da waren die anderen jungen Schauspieler, da waren unsere Doubles. Wir hatten eine wirklich gute Zeit. Es gab viele Romanzen, viele Flirts, ein paar Dates. Ich denke, jeder Teenager findet die Zeit, Sexualität zu erkunden.

Das klingt ein bisschen nach Zeltlager-Atmosphäre.

Genauso hat es sich damals angefühlt.

Als Harry Potter wurden Sie zum Held einer ganzen Generation, ein Vorbild für Millionen von Kindern in aller Welt. Hat Sie das manchmal belastet?

Das habe ich nie als Belastung wahrgenommen. Harry Potter ist ein gutes Vorbild. Mich selbst würde ich nie auf ein moralisches Podest stellen und sagen: Ich bin ein Vorbild für andere junge Menschen. Deshalb hat mich das nie belastet, ganz im Gegenteil. Als ich in Amerika Theater gespielt habe und abends zum Bühnenausgang raus bin, standen da Kinder und haben gesagt: Danke, du hast unsere Kindheit so schön gemacht. - Das ist so besonders, so wundervoll.

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Hat es Sie nie genervt, immer der brave Harry Potter zu sein? Hatten Sie als Teenager nie das Bedürfnis, auszubrechen und mal über die Stränge zu schlagen?

Das habe ich. Ich bin damit nur nicht in der Klatschpresse gelandet. Ich lebe noch immer mein Leben. Ich habe getrunken, bin mit meinen Freunden weggegangen, alles, was Teenager eben machen. Aber ich habe es geschafft, das aus den Medien rauszuhalten.

Wie haben Sie das gemacht?

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