17.02.2006 · Die dänische Kronprinzessin Mary und ihr Gatte Kronprinz Frederik sind zu Besuch in Hamburg und Schleswig-Holstein, um Ausstellungen dänischer Kunst zu besichtigen. Mit dabei: der „lille Prinsen“ oder „lille Mand“, ihr Sohn Christian.
Von Frank PergandeSchon einmal war das dänische Thronfolgerpaar in Deutschland. Im November 2004 galt es, in Berlin den dänischen Dichter Hans Christian Andersen zu ehren, als sechs deutsche Andersen-Botschafter ernannt wurden. Nun sind die Königlichen Hoheiten erstmals bei den direkten Nachbarn Dänemarks zu Gast. Am Freitag erlebten die Hamburger Frederik und Mary. An diesem Samstag besucht das Paar Schleswig-Holstein. In die Geschichte des dänischen Königshauses eingehen wird die Reise in jedem Fall.
Denn „lille Prinsen“ oder „lille Mand“ ist dabei, der kleine Prinz oder kleine Mann. Es ist die erste Auslandsreise des Paares mit dem Sohn Christian, der im Oktober vergangenen Jahres geboren wurde. Viel wird er also noch nicht von der Reise haben. Dafür steigert der Umstand, daß das Paar zu dritt kommt, die norddeutsche Begeisterung für die jungen Leute aus dem dänischen Königshaus.
Ohnehin gelten Frederik und Mary als das beliebteste Kronprinzenpaar der europäischen Königshäuser. Ja, nach einem Filmtitel heißt es mit Blick auf die Kronprinzessin immer wieder mal: „Verrückt nach Mary“. Bei den Olympischen Spielen in Sydney lernten Frederik und Mary sich kennen. Die Romanze hielt über mehrere Jahre, am 14. Mai 2004 war die Hochzeit. Aus der Australierin Mary Donaldson wurde an diesem Tag eine dänische Staatsbürgerin und eine Prinzessin. Die Dänen waren zufrieden, daß Frederik nach all seinen Bekanntschaften mit einem Fotomodell und einer Popsängerin solide wurde, wenn auch in den Armen einer Frau, die nicht dänisch-blond war.
Dänische Landschaftsmalerei
Der Besuch in Hamburg begann am Freitag nachmittag in der Kunsthalle Hamburg. Direktor Hubert Gaßner, vor wenigen Tagen erst in sein Amt eingeführt, hätte es sich wohl nicht träumen lassen, gleich so hohen Besuch empfangen zu dürfen. Das Statens Museum Kopenhagen ist gerade zu Gast in der Hamburger Kunsthalle mit einer Ausstellung dänischer Landschaftsmalerei des „Goldenen Zeitalters“. Eine Stunde blieb dafür Zeit. Dann begab sich Seine Königliche Hoheit in das Zentrum für Marine und Atmosphärische Wissenschaften, während Ihre Königliche Hoheit sich das Ganztagsgymnasium Klosterschule ansah.
Höhepunkt und Anlaß der Reise war dann am Abend die Matthiae-Mahlzeit im Hamburger Rathaus. Seit 1356 wird dort mit einem Festmahl der Matthias-Tag gefeiert, „wenn die Zeitläufe es erlauben“, wie es so schön in einer alten Urkunde heißt. Der Matthias-Tag ist eigentlich der 24. Februar. Im Mittelalter begann an diesem Tag der Frühling und auch der Frühjahrsputz: Die Dienstboten wurden getauscht, die Aufgaben im Senat neu verteilt und neue Bürgermeister gewählt. Eine „Senatsumsetzung“ freilich war diesmal nicht zu erwarten. So etwas würde heutzutage schließlich nicht mehr auf einem Festmahl verkündet werden, sondern zuerst in der CDU-Fraktion der Bürgerschaft.
Bürgermeister Ole von Beust (CDU) erwartete seine Gäste „auf dem Spiegel“. Das ist nun eine Hamburgische Besonderheit: Der Bürgermeister steht oben auf der Senatstreppe, seine Gäste müssen sich zu ihm hinaufbewegen. So also auch Frederik und Mary, wenngleich das heute niemand mehr als Ausdruck hanseatischen Selbstbewußtseins gegenüber Monarchien empfinden wird. Früher wollten die Bürgermeister ihre zu Pferde kommenden Gäste nicht gleich an der Rathauspforte begrüßen, weil das so aussehen mußte, als würden sie die Steigbügel der Gäste halten.
Höhepunkte dänischer Kunst
Hohe Gäste gehören zur Matthiae-Mahlzeit genauso wie der Silberschatz der Stadt auf der Tafel. Vierhundert Leute erleben jedes Jahr die hanseatische Pracht im Rathaussaal „zu ergötzen die Herzen mit Singen und Scherzen, weil Hamburgs regierender Götterkreis lacht“, wie es in einer Tafelmusik für das Matthiae-Mahl von 1711 heißt. Das Kronprinzenpaar hat für den Hamburg-Besuch die zwanzig Zimmer des Senats-Gästehauses bezogen, wo natürlich auch extra ein Kinderbett aufgestellt wurde. Das Gästehaus ist eine weiße Villa an der Außenalster mit der schönen Adresse Schöne Aussicht.
An diesem Samstag kommt das Kronprinzenpaar nach Schleswig-Holstein. Wieder geht es in eine Kunsthalle, diesmal die Kieler, wo dem Paar Höhepunkte dänischer Kunst gezeigt werden. Arbeiten von Richard Mortensen sind das sowie von Michael Elmgreen und Ingar Dragset, besser bekannt als Elmgreen & Dragset. Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU), der erst Mitte Januar in Kopenhagen Königin Margarethe II. hatte treffen dürfen, wenn auch nur für wenige Minuten, gibt für den Sohn der Königin und dessen Frau ein Mittagessen. Danach führt die Reise nach Norden in den Landesteil Schleswig, das einst so heftig zwischen Dänemark und Deutschland umstrittene Grenzland. Das Kronprinzenpaar wird zu den noch heute imponierenden Wallanlagen des Danewerks geführt, der „Waldemarsmauer“, die einst die Landenge zwischen Treene und Schlei sichern sollte und heute als das größte Bodendenkmal Nordeuropas gilt.
Schließlich geht es nach Gottorf in das im vergangenen Jahr eröffnete Globushaus mit dem Nachbau des begehbaren Riesenglobus, dessen Original unter Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf konstruiert und dann, schlecht getarnt als „Geschenk“, vom siegreichen Peter dem Großen nach Rußland mitgenommen worden war. Im prächtigen Schloß Gottorf schließlich, in der Gotischen Halle, soll es für das Kronprinzenpaar schon vor der Abreise fast wieder heimatlich werden, beim Small talk auf Dänisch mit Repräsentanten der dänischen Minderheit in Schleswig.
Frank Pergande Jahrgang 1958, politischer Korrespondent für Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Schwerin.
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