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Dänischer Astronom Wie Tycho Brahe starb, steht noch in den Sternen

 ·  Die vermutete Quecksilbervergiftung war es nicht – aber woran der dänische Astronom Tycho Brahe am 24. Oktober 1601 in Prag wirklich starb, ist noch immer nicht geklärt.

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© IMAGO Vergrößern In Stein verewigt: Das Grab von Tycho Brahe in der Prager Teynkirche.

Woran der dänische Astronom Tycho Brahe am 24. Oktober 1601 in Prag starb, ist immer noch nicht geklärt. Aber eines steht jetzt fest: Eine Quecksilbervergiftung war es nicht. Ein dänisches Forscherteam, das die vor zwei Jahren in der Prager Teynkirche am Altstädter Ring exhumierten Gebeine Brahes untersuchte, konnte keine außergewöhnlich hohe Quecksilberbelastung in den Knochen des Gelehrten feststellen.

Die Quecksilber-Hypothese geht auf das Jahr 1996 zurück. Damals hatten sich schwedische und dänische Forscher ein Barthaar vorgenommen, das bei der letzten Öffnung der Grabplatte 1901 entnommen worden war und das einschließlich der Wurzel erhalten ist. Sie kamen zu dem Schluss, dass der Astronom einen Tag vor seinem Tod eine hohe Dosis Quecksilber zu sich genommen hatte. Jens Vellev (Universität Aarhus) äußerte Zweifel an diesem Ergebnis. Er bekam die Erlaubnis, das Grab abermals zu öffnen. Zwei Jahre lang untersuchte das Team des Mittelalter-Archäologen Brahes Knochen, vorige Woche veröffentlichten sie das Ergebnis: eine tödliche Quecksilbervergiftung ist ausgeschlossen. Geklärt wurde auch eine etwas weniger umstrittene Frage: Die Nasenprothese Tycho Brahes war nicht, wie bisher angenommen, aus Edelmetall, sondern aus Messing. Eine silberne Nase konnte man sich als Wissenschaftler nicht einmal am Hofe Rudolfs II. verdienen.

War es Johannes Kepler?

Über die Todesursache soll nun eine Untersuchung der Zähne des Gelehrten Auskunft geben. Bis dahin darf weiter spekuliert werden, zum Beispiel über Johannes Kepler, Brahes deutschen Assistenten, Konkurrenten und Erben seines wissenschaftlichen Nachlasses. Über Kepler schwebt der Verdacht, Brahe aus Neid und Eifersucht aus dem Weg geräumt zu haben. Es stimmt, dass das persönliche Verhältnis zwischen den beiden nicht das beste war. Aber warum sollte Kepler den Mann umbringen, der ihn erst ein Jahr zuvor nach Prag eingeladen und ihn mit den Messdaten versorgt hatte, die er zur Verifizierung seiner Theorien brauchte? Tycho schätzte Kepler sehr, aus der Zusammenarbeit gingen verbesserte Planetentafeln hervor, die Kepler auf der Grundlage von Tychos Messungen neu berechnet hatte.

Als weiterer möglicher Täter käme Brahes Vetter Erik in Frage. Seine in Geheimschrift abgefassten privaten Aufzeichnungen, die vor fünf Jahren entdeckt wurden, hatten den Verdacht erregt, er könnte seinen Vetter im Auftrag des dänischen Königs ermordet haben. Christian IV. habe den Astronomen beseitigen wollen, heißt es, weil er ihn einer Affäre mit seiner Mutter Sophie von Mecklenburg verdächtigte. Man weiß, dass die Mutter des Königs ein ausgeprägtes wissenschaftliches Interesse hatte, dass sie den Astronomen kannte und dass damals einiges faul war im Staate Dänemark. Die Aufzeichnungen enthalten Erik Brahes Tagebucheintragungen über seine Besuche bei Tycho zwischen Juli und September 1601, in denen sich „Mea culpa“-Bekundungen finden. Doch wenn es wirklich Erik war - mit Quecksilber hat er seinen Vetter jedenfalls nicht vergiftet.

Vielleicht ist Tycho Brahe doch eines Todes gestorben, den man - unter Einschränkungen - als natürlich bezeichnen könnte. Zehn Tage vor seinem Tod hatte er an einem kaiserlichen Festbankett teilgenommen, an dem, wie in Prag üblich, vermutlich reichlich Bier floss. Der Legende nach soll er aus Gründen der Etikette dem Harndrang so lange widerstanden haben, bis er sich einen Blasenriss zuzog. Sein Freund, der Arzt Jan Jessenius, beschrieb Tychos letzte Tage. Er soll sehr gelitten, aber bei vollem Bewusstsein angesichts des nahenden Todes noch alle weltlichen Angelegenheiten geregelt haben - darunter die Übergabe seines Nachlasses an Johannes Kepler.

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