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Claudia Cardinale im Interview : „Die Schlacht geht weiter“

  • -Aktualisiert am

Bildnis der Schauspielerin als junges Model: Claudia Cardinale 1959 in Rom. Ihre Weltkarriere hatte sie da noch vor sich. Bild: action press

Leinwandlegende Claudia Cardinale über ihren Einsatz für Frauen, eifersüchtige Männer, schneidend enge Korsette und ihre Filmpartner Belmondo, Delon und Kinski.

          Als wir sie vor ein paar Jahren einmal trafen, empfing sie uns in einem Apartment über der Seine, eklektisch gefüllt mit Einrichtungsgegenständen – afrikanische Tische, ein Stoffsessel aus Afghanistan, eine mit einem Tuch bedeckte Kommode; Kenner mögen darin ein Kostümstück aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ erkennen. Die Wohnung war durchzogen vom Rauch ungezählter Zigaretten. Für dieses Interview hat sich kein gemeinsamer Termin in Paris finden lassen, deswegen rufen wir bei Claudia Cardinale an. Was aber auch über diese Verbindung spürbar bleibt, ist ein schelmischer Humor, oft begleitet von einem kurzen Auflachen, und eine ungebrochene Lebensenergie.

          Sie sind nur noch selten in der Öffentlichkeit zu sehen, aber in Cannes waren Sie beim Protestmarsch der 82 Frauen gegen die Ungleichbehandlung in der Filmbranche dabei...

          Weil es wichtig ist, dass wir uns gegenseitig Mut machen. Ich habe an vielen Demonstrationen für Frauenrechte teilgenommen, habe immer für Frauen gekämpft. Auch in meiner Funktion als Unesco-Botschafterin. Momentan bin ich daran beteiligt, in Tunesien ein Festival für Frauenfilme ins Leben zu rufen.

          Sie unterstützen also auch Bewegungen wie „Me too“ oder „Time’s up“, während sich andere Schauspielerinnen Ihrer Generation wie Catherine Deneuve skeptisch zeigen.

          Aber ja. Das ist eine Selbstverständlichkeit für mich. Es geht auch bei weitem nicht nur um die Filmbranche. Die Gewalt an sich gegen Frauen ist horrend. Ich habe durch meine Unesco-Arbeit viele Opfer getroffen, die auf brutalste Weise entstellt worden waren. Vor kurzem habe ich gelesen, wie viele Frauen in Italien von ihren Männern umgebracht werden. Die Schlacht für uns geht also weiter.

          Sie wurden mit 17 selbst Opfer, als Sie auf dem Schulweg vergewaltigt wurden.

          Es war schrecklich. Auch weil man damals nicht offen darüber sprechen konnte. Ich wurde mit meinem ersten Sohn schwanger, den ich zunächst als meinen kleinen Bruder ausgab.

          Aber in der Filmbranche wurden Sie nicht behelligt? Bei Produktionen wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ zum Beispiel waren Sie eine von ganz wenigen Frauen am Set.

          Was ich sehr genossen habe. Aber, nein, ich hatte in meiner Laufbahn nie Probleme mit Männern. Ich war auch immer ein sehr selbstbewusstes Mädchen. Ich habe viel Sport gemacht, prügelte mich ständig mit den Jungs. Wenn ich mit dem Zug in die Schule fuhr, dann sprang ich immer erst auf, als er sich schon in Bewegung setzte. Bei uns in der Familie waren auch die Rollen anders verteilt. Meine Mutter hatte die Hosen an, während mein Vater eher der sanfte Romantiker war.

          Gab es Frauen, die für Sie ein Vorbild waren?

          Brigitte Bardot war mein Jugendidol. Ich habe mich so gestylt wie sie. Als sie davon erfuhr, schrieb sie mir einen Brief: „Ich liebe dich. Wir sollten einen Film zusammen drehen.“ Was wir dann auch getan haben – „Petroleum-Miezen“. Man erwartete, dass wir uns einen großen Zickenkrieg liefern, die Blonde gegen die Brünette. Die Paparazzi lauerten regelrecht. Aber im Gegenteil, wir waren die besten Freundinnen. Später entwickelte ich dann auch eine Bewunderung für die Politikerin Simone Veil, weil sie viel für Frauen erreicht hat.

          Brigitte Bardot macht inzwischen mit kontroversen Aussagen von sich reden, kanzelte auch „Me too“ als lächerlich ab. Wollen Sie ihr nicht mal den Kopf waschen?

          Wir haben leider keinen Kontakt mehr. Ich habe mal versucht, sie anzurufen, aber sie will lieber für sich sein.

          Zu welchen Ihrer männlichen Kollegen hatten Sie das engste Verhältnis?

          Dazu gehört Jean-Paul Belmondo, mit dem ich vier Filme gemacht habe. Wir waren wie zwei kleine Kinder, haben ständig Unsinn gemacht und den Leuten Streiche gespielt. Beim Dreh zu „Cartouche, der Bandit“ sagte er: „Kannst du nicht mal den Hoteldirektor anlächeln?“ Das habe ich getan. Und was machte er? Er klaute irgendwelche Sachen, während der Mann durch mich abgelenkt war. Ein wirklich schlimmer Junge.

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