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Christian Ude über den Anstich : „Kraft allein reicht nicht“

  • Aktualisiert am

Mit links: Christian Ude waltet seines Amtes im Jahr 2006, in Lederhosen Bild: dpa

Zum letzten Mal eröffnet Christian Ude an diesem Samstag mit dem Bieranstich das Oktoberfest. Im F.A.Z.-Interview spricht der Münchner Oberbürgermeister über seine Vorbereitung, das richtige Outfit und seine Lieblingsattraktion.

          Herr Ude, an diesem Samstag werden Sie auf der Theresienwiese das erste Fass Bier anstechen und damit das 180. Oktoberfest eröffnen – zum letzten Mal, denn bei den nächsten Kommunalwahlen im März 2014 können Sie mit dann 66 Jahren nicht mehr antreten. Es ist Ihre 21. Wiesn als Oberbürgermeister und Ihr 20. Anstich – 2001 wurde nach den Anschlägen vom 11. September darauf verzichtet. Werden Sie es vermissen?

          Ja, bestimmt. Der Wiesn, auf der sich alle Dimensionen des menschlichen Lebens verdichten, werde ich aber natürlich weiterhin treu bleiben.

          Üben Sie vorher?

          Anders als meine Vorgänger habe ich das nie verschwiegen. Am Donnerstag war ich beim Paulaner, um mich noch mal mit der richtigen Mischung aus Schlag, Winkel und Schwung vertraut zu machen.

          Was werden Sie am Samstag anziehen?

          Seit 1995 diesselbe Lederhose, die immer noch passt! Vorher habe ich das unsagbare Vergehen begangen, zum Anstich in einer normalen Anzughose zu erscheinen. Im Sommer 1995 sprach mich dann im Englischen Garten eine schöne Münchnerin an, eine junge Rechtsanwältin. Ich sei ein toller Bürgermeister, aber meine Kleidung beim Anstich unmöglich. Kurz darauf begegnete ich ihr wieder in der Fußgängerzone. Da hatte ich noch immer keine Lederhose. Also ging ich gleich mit ihr zusammen in ein Fachgeschäft und kaufte meine Lederhose.

          Ist das Anzapfen eher eine Frage von Kraft oder Technik?

          Beides. Kraft allein würde nicht ausreichen. Es kommt auch auf die Präzision an, dass man im richtigen Winkel zuschlägt. Also könnte das durchaus auch jede Frau. Man darf nur keine Selbstzweifel haben! Ich bin zwar immer auch aufgeregt, besonders in den zwei, drei Minuten vor zwölf, wenn es losgeht. Aber das Lampenfieber gehört dazu.

          Welches Fahrgeschäft ist auf der Wiesn eher Ihr Fall? Die Achterbahn „Wilde Maus“ oder der „Sky Fall“, wo man aus 70 Metern im freien Fall abstürzt?

          Eindeutig die „Wilde Maus“! Ich bin ein glühender Verehrer, ich fahre bei jedem Volksfest mit. Einmal, es muss ungefähr zwei Jahre vor ihrem Tod gewesen sein, besuchte Elisabeth Mann Borgese ihre Heimatstadt München. Sie war damals Anfang achtzig und sagte mir, sie sei immer traurig darüber gewesen, dass sie emigrieren musste, als sie in dem Alter gewesen sei, in dem man gerne zum Oktoberfest gehe. Ich sagte ihr: „Das holen wir nach!“ Wir sind auf die Wiesn gegangen, haben alles gemacht: Wir waren beim „Schichtl“, dem Kuriositätenkabinett, auf der „Krinoline“, dem Karussell mit Sitzbänken, und natürlich auf der „Wilden Maus“. Dort sah Elisabeth Mann Borgese dann von oben in der Nachbarschaft den „Sky Fall“ und sagte: „Das probieren wir auch aus!“ Ich wurde kreideweiß und habe versucht, sie davon abzubringen. Aber sie hat insistiert. Ich griff dann zu einem Trick: Wir gingen zur Wildwasserbahn, und sie wurde so nass, dass sie zurück ins Hotel wollte. So bin ich noch mal um den „Sky Fall“ herumgekommen.

          Wie viele Schläge werden Sie nun am Samstag für das erste Fass brauchen?

          Jüngere Menschen wissen nur von zwei Schlägen. Ältere werden sich erinnern, dass ich 1993 mit sieben Schlägen angefangen habe. Ich war in Panik! Es war mein erstes Anzapfen, alle haben gesagt: „Das ist jetzt die Bewährungsprobe!“ In den Jahren danach pendelte ich mich bei drei Schlägen ein und landete 2005 bei zwei Schlägen. Man muss schwach anfangen und sich dann steigern.

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