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China Beim letzten brennt noch das Licht

Luo Baogen und seine Frau leben in einem halb abgerissenen Gebäude, das inmitten einer neuen Straße steht. Ihres ist das letzte Haus, das endlich dem Fortschritt Platz machen soll – aber die beiden weigern sich, es zu verlassen.

© AFP Vergrößern So sah die das Haus vor dem Abriss aus. Die Straße wurde einfach drum herum gebaut.

Die Lage könnte kaum ungemütlicher sein. Der 67 Jahre alte Luo Baogen und seine Frau kämpfen seit vier Jahren hartnäckig mit den Behörden der Stadt Wenling in der zentralchinesischen Provinz Zhejiang um die Entschädigung für ihr fünfstöckiges Haus, das der neuen Straßen zum Bahnhof weichen soll. Rund um sie herum haben die Dorfbewohner ihre Häuser schon aufgegeben. Seit dem Jahr 2008, in dem das Bauprojekt in Angriff genommen wurde, haben 500 Familien ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Die Luos sind die letzten, die von den lokalen Behörden stur mehr als die angebotenen 260000 Yuan, umgerechnet etwa 32000 Euro, verlangen. Luo Baogen sagt, das Haus habe ihn 600000 Yuan gekostet. Das Entschädigungsangebot der Stadtverwaltung reiche bei weitem nicht aus, um an anderer Stelle ein neues Haus zu bauen oder zu kaufen. Er verlangt mehr.

Petra  Kolonko Folgen:    

Die Stadtverwaltung verteidigt ihr Zahlungsangebot, das auf einem festen Quadratmeterpreis von 330 Yuan beruht, und sagt, wenn sie Herrn Luo jetzt mehr zahlen würde, wäre dies unfair den anderen gegenüber, die weniger bekommen haben. Sie sagt, wenn Herr Luo und seine Frau nicht gehen, müsste man die Straße um das Haus herum verlegen. Dass die beiden so lange ausgehalten haben, und die Stadtverwaltung noch nicht zu Zwang gegriffen hat, ist eine gute Nachricht in China, wo Übergriffe von Behörden in solchen Fällen an der Tagesordnung sind. Landnahmen durch Städte und Gemeinden verursachen überall in China große Konflikte. Oft führen solche Fälle nicht nur zu Klagen, sondern auch zu Protesten, Petitionen und Demonstrationen.

An old man looks down from his house which stands alone in the middle of a newly built road in Wenling, Zhejiang province © Reuters Vergrößern Gute Verkehrsanbindung: Herr Luo beim Blick aus dem Fenster, auf die neu gebaute Straße.

Gemeinden und Städte vertreiben Bauern und Bewohner von Mietshäusern, nicht nur, wie im Fall Luo, um Straßen zu bauen, sondern vor allem, um Bauland zu erschließen. Oft ist die an die alteingesessenen Bewohner gezahlte Entschädigung gering, während die Verwaltung das Land teuer verkaufen kann. Bei solchen Geschäften landet viel Geld in den Taschen korrupter Funktionäre. Immer wieder wird auch berichtet, dass gegen Bürger, die nicht wegziehen wollen oder mehr Entschädigung verlangen, Schlägertrupps eingesetzt werden, die schnell den Widerstand brechen.

Die Geschichte von Herrn Luo und seinem Haus fand am Freitag ihren Weg in mehrere chinesische Zeitungen. Im Internet gab es eine hitzige Diskussion. Ein Blogger schrieb, eine Entschädigung von 250000 Yuan für so ein großes Haus sei reiner Diebstahl. Viele lobten aber auch die Haltung der Stadtverwaltung, die Geduld mit dem alten Paar gezeigt und seine Rechte respektiert habe.

Quelle: F.A.Z.

 
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