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Jung, lesbisch, konservativ : Ist sie die Zukunft der CDU?

„Wenn man mir einen Knopf geben würde, der mit einem Mal die Welt umkehren würde – ich würde ihn nicht drücken“: Kinnert 2018 auf dem Christopher Street Day in Berlin. Bild: Andreas Pein

Diana Kinnert ist der Vorzeige-Nachwuchs der CDU – und spiegelt doch die Verunsicherung vieler Konservativer wider. Sie selbst setzt auf exzessives Arbeiten wie auf exzessives Feiern.

          Warum geht man in die Politik? Man will etwas verändern, sagen die einen. Man will, dass alles so bleibt, wie es ist, sagen die anderen. Ersteres sagen die Idealisten. Letzteres eher die Konservativen, die Werte bewahren und Stabilität erhalten wollen. Diana Kinnert will nicht unbedingt verändern, aber auch nicht wirklich bewahren. Auf jeden Fall will sie machen.

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Für ein Gespräch mit Kinnert muss man eigentlich keine Fragen vorbereiten. Erst einmal will sie selbst einiges wissen: Werden die Zitate autorisiert? Dann redet sie nämlich erst mal ganz frei, da kann man ja hinterher immer noch . . . Und wie ist man auf sie gekommen? Ist es wegen Seehofer? Und dann will sie sowieso auch noch ein paar Dinge klarstellen, etwa das mit der Party.

          Sie steht inmitten von königsblau gestrichenen Holzmöbeln herum, dirigiert zwei junge und hippe Schluffis, die für ebenjene anstehende Party dekorieren oder aufbauen, und plappert ununterbrochen. Nach 14 Minuten schaut man auf das Aufnahmegerät, es wurde noch keine einzige Zwischenfrage gestellt. Und Kinnert? Hat sich warm geredet.

          Drei Topfpflanzen für eine Gartenparty

          Die Party wurde ursprünglich angekündigt als eine Pre-CSD-Party; die eigentliche Party dann, der Christopher Street Day nämlich, findet am kommenden Tag statt. Aber Kinnert hat es sich schon anders überlegt: Das Ganze soll eine Reihe werden, einmal im Monat sollen sich Menschen der Berliner Kunst- und Medienblase hier einfinden, trinken und tanzen und sich in dieser ihrer Kunst- und Medienblase ganz außerordentlich wohl fühlen. Kinnert eröffnet hier im August ein israelisches Restaurant, im Innenhof davor findet die Gartenparty statt, zu der sie eingeladen hat.

          Die Bezeichnung ist recht euphemistisch gewählt angesichts der maximal drei Topfpflanzen, die im ansonsten gepflasterten Hof herumstehen und allesamt schon bessere und vor allem grünere Zeiten gesehen haben. Das Restaurant ist eines von vielen Unternehmen Kinnerts. Bei der eigentlichen Eröffnung ist sie nicht einmal dabei.

          Sie redet daher wie eine Seminararbeit

          Früher kannte man Diana Kinnert vielleicht als die junge Mittzwanzigerin mit der Basecap, die in Talkshows eingeladen wurde, damit sie erzählt, warum sie sich trotz ihrer Jugend, trotz ihres Migrationshintergrunds, trotz ihrer Homosexualität und vor allem trotz besagter Basecap dafür entschieden hat, in die CDU einzutreten. Jung, lesbisch und konservativ – kann das sein?, fragte man sie. Jetzt ist sie die leidige Kappe losgeworden, mit der sie immer etwas zu gewollt ihre Jugend und Andersartigkeit hervorheben musste, getauscht hat sie sie gegen einen Schlapphut, der sie aussehen lässt wie eine amerikanische Folksängerin und unter dem sich ihr langes, schwarzes Haar ganz sanft wellt.

          Und sie ist immer noch in keinem Parlament. Sie galt als die große Nachwuchshoffnung für das liberale Spektrum der CDU, Peter Tauber förderte sie, Bundestagsvizepräsident Peter Hintze ließ sie sein Büro leiten bis zu seinem Tod im Jahr 2016. Und Kinnert? Will sich nicht aufstellen lassen. „Es wäre mir noch zu früh.“ Sie ist 27 Jahre alt, hat Philosophie und Politikwissenschaften studiert und redet wie eine Seminararbeit daher, allerdings eine, in der auch mal „Alter“ oder „fucking“ steht.

          Angst vor großen Namen hat sie nicht. „Wenn ich für einen Politiker hätte arbeiten können, den ich richtig gut finde, von dem ich lernen könnte, Merkel selbst oder von der Leyen, und ich inhaltlich hätte mitarbeiten können, das hätte ich gemacht.“ Sie sagt das wirklich so, grammatisch männlicher Politiker, aber dann zwei Frauennamen. „Aber administrativ wollte ich nicht tätig sein. Dafür fühle ich mich zu politisch.“ Immerhin ist sie seit zehn Jahren dabei.

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