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Carl XVI. Gustaf von Schweden : Es fing ganz unschuldig an

Plötzlich steht der König als Lüstling da Bild:

Der schwedische König ein Lüstling, Nachtclubbesucher und Ehebrecher? Eine neue Biographie über Carl Gustaf, die dies behauptet, erregt die Schweden auf ganz ungewohnte Art - und bringt den Regenten nach der Elchjagd in Verlegenheit.

          Eigentlich gibt es kaum gute Gründe dafür, den Namen Camilla Henemark zu kennen. Einst war sie Sängerin der schwedischen Band „Army of Lovers“, die mit Titeln wie „Crucified“ und „Ride the Bullet“ so schnell in die Charts stürmte, wie sie später wieder an Aufmerksamkeit verlor. Das war zu Beginn der neunziger Jahre, die Band läutete die düsteren Jahre des „Eurodance“ ein. In Erinnerung sind vor allem Bilder ihres Dekolletés, das manchmal mit einem Kreuz aus Holz geschmückt war. Zwei Jahrzehnte später aber weiß in Schweden plötzlich wieder jedes Kind, wer Camilla Henemark ist. Nicht weil sie singt oder zu enge Kleider trägt - sondern weil sie angeblich die Geliebte des schwedischen Königs war.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          „Carl XVI. Gustaf - Der widerwillige Monarch“ heißt das Buch, das die Schweden auf ganz ungewohnte Art erregt. Es ist eine nicht autorisierte Biographie des Königs und ein Buch, das alles erzählen will. Weit mehr als sonst vom Leben der schwedischen Königsfamilie berichtet wird. Ein Buch, wie es so noch nicht erschienen ist. Auf einmal tauchen in den Zeitungen im Zusammenhang mit dem König Schlagwörter wie Partynächte und Geliebte und natürlich Camilla Henemark auf.

          Der König von Schweden war nicht frei von Verfehlungen in den vielen Jahren seiner Regentschaft. Nicht immer agierte er glücklich auf diplomatischem Glatteis. Seiner Rede mangelt es nicht nur an rhetorischem Geschick. Auch wurde ihm einst durchaus etwas Dandyhaftes nachgesagt, nicht nur, weil er stets schnelle Autos so gerne mochte. Doch das war vor der Hochzeit mit Silvia. Das erste gemeinsame Bild zeigte die beiden in seinem Porsche. Dann kam die Hochzeit. Dann war Ruhe.

          Um dieses Buch geht es

          Nun steht der König plötzlich als Lüstling da

          Nun steht der König plötzlich als Lüstling da, als Nachtclubbesucher und Ehebrecher. Silvia soll von vielem gewusst haben. Angeblich sei einiges längst vermutet worden in Stockholm. Nur geschrieben wurde es nicht. Die schwedischen Medien tun sich stets ein wenig schwer, wenn es um das Privatleben der Königsfamilie geht. Man könnte sogar den Eindruck gewinnen, sie versuchten tatsächlich, es zu respektieren. Schlagzeilenschlachten, wie sie in England Brauch sind, waren in Schweden kaum denkbar. Doch das ändert sich seit diesem Jahr radikal.

          Als Prinzessin Madeleine von ihrem Verlobten betrogen wurde, gab es kaum ein anderes Thema im Königreich. Sie war die Traumfrau der Schweden, er die vermeintliche Traumpartie aus gutem Hause. Die Zeitungen berichteten über Madeleines Leid. Alles war eine Schlagzeile wert - die Flucht aus Schweden, das erste Lächeln nach der Trennung, die Rückkehr nach Stockholm. Nach der Traumhochzeit ihrer Schwester Victoria kehrte wieder Ruhe ein. Bis zu dem Buch über den König. Plötzlich fühlen sich sogar seriöse Zeitungen in eine Zwickmühle gedrängt.

          So berichtete „Dagens Nyheter“ nicht über die Vorab-Auszüge aus dem Buch. Nicht relevant genug sei dies, hieß es dazu. Doch als der König am Tag der Buchveröffentlichung vor die Presse trat, um ungelenk zu sagen, er habe das Buch zwar nicht gelesen, aber trotzdem schon entschieden, es behandle ein abgeschlossenes Kapitel seines Lebens, da kamen auch sie um eine Doppelseite nicht mehr herum, samt Beitrag zur Reflexion der eigenen Rolle: Schreibe man nicht über das Buch, dann habe dies den Anschein, als unterschlage man dem Leser Informationen. In anderen Artikeln wurde vor allem darüber diskutiert, ob der König nicht ein Sicherheitsrisiko eingehe, wenn er sich in zwielichtigen Nachtklubs herumtreibe. Immerhin ist Carl XVI. Gustaf schwedisches Staatsoberhaupt.

          14 Seiten für Camilla Henemark

          Der Name Camilla Henemark bleibt der Klatschpresse vorbehalten. Das Buch widmet der angeblichen Affäre 14 Seiten. Auf Seite 258 beginnt das Kapitel mit den Worten: „Es fing ganz unschuldig an – eine Hand unter dem Tisch, eine Berührung mit den Füßen.“ Überschrieben ist es mit „Kurtisanen“: Mätresse. Camilla Henemark habe gewusst, dass es Königin Silvia gewusst habe. Nie habe sie aber darüber reden wollen, da sie Angst gehabt habe, Schwedens meistgehasste Frau zu werden, sollte ihre Affäre mit dem König öffentlich werden. Dazu passt, dass Frau Henemark alles andere als glücklich über den Medienrummel zu sein scheint. Nur „Expressen“ gab sie ein Interview: Sie habe das Buch nicht gelesen, wolle es nicht lesen, wolle es nicht kommentieren, überhaupt sei alles lange her. Das klingt nicht nur nicht nach einem Dementi - es klingt vor allem der ungelenken Stellungnahme des Königs erstaunlich ähnlich.

          Seit Donnerstag ist das Buch im Handel, die ersten 20.000 Exemplare sind schon vergriffen, 30.000 weitere hat der Verlag bestellt. Aber auch wenn „Der widerwillige Monarch“ nun alle Verkaufrekorde im Königreich brechen sollte, will der Hof sich dazu nicht mehr äußern. Auch juristisch soll es nicht zur Auseinandersetzung kommen. Vor Gericht könnte es am Ende für den König vielleicht noch unangenehmer werden. Thomas Sjöberg, einer der Autoren, hat im Fernsehen erzählt, seine Quellen seien glaubwürdig, viele von ihnen auch dazu bereit, vor Gericht auszusagen. Wirklich intime Details zum Sexleben des Königs habe er noch ausgespart. Mit Camilla Henemark habe er allerdings nicht direkt über die Affäre geredet. Er kenne sie aber lange, habe beiläufig schon einiges dazu gehört und sei sich sicher, dass es sich so zugetragen habe.

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