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Burg Hohenzollern : Der Prinz und das AfD-Wahlplakat

Burgromantik: das AfD-Plakat Bild: dpa

Für die AfD symbolisiert die Burg Hohenzollern deutsche Tugenden. Der Burgherr selbst findet die Ideen der Partei alles andere als tugendhaft – und klagt deswegen vor dem Landgericht Stuttgart gegen ein Wahlplakat.

          Für manche in der AfD ist das Mittelalter nicht nur Vergangenheit. Der thüringische AfD-Landesvorsitzende Björn Höcke prophezeite einst, es sei „im Bereich des Möglichen“, dass die Zukunft ein „neues Mittelalter mit einer offenen Verfasstheit, ja sogar eine Retribalisierung“ bringen könne. Was Höcke mit „Retribalisierung“ meinte, blieb im Detail unklar, er scheint aber einen Zerfall der Bundesrepublik im Sinn gehabt zu haben – samt einem „Thürexit“, einem Ausstieg Thüringens aus der Bundesländerunion. Auch im AfD-Wahlkampf der Burschen und Mägde im früheren Großherzogtum Baden und dem Königreich Württemberg kommen Anspielungen auf das Mittelalter vor.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Der Landesverband ließ Plakate mit einem Foto der Burg Hohenzollern aufhängen. Von der Abendsonne beleuchtet erhebt sich darauf die Burganlage aus den Wolken. Dazu die Sprüche: „Für unser Land – für unsere Werte.“ Sowie: „Damit Baden-Württemberg Heimat bleibt!“ Welche Tiefenpsychologie das Betrachten einer mittelalterlichen Burg bei potentiellen AfD-Wählern hervorrufen sollte, verriet die Partei bisher nicht. Vielleicht sollen trutzige Burgmauern ein Gefühl der Wehrhaftigkeit in unsicheren Zeiten vermitteln.

          „Klassisch preußische Tugenden“

          Einen aber überzeugte das Plakat überhaupt nicht, nämlich den Burgherren des abgebildeten Gebäudes. Georg Friedrich Prinz von Preußen, der zeitweilig auf der Burg lebt, sah seine Rechte an Eigentum und Persönlichkeit verletzt und klagte vor dem Landgericht Stuttgart. Durch das Plakat entstehe bei vielen Menschen der Eindruck, „Burg und Familie würden die Werte einer politischen Partei“ repräsentieren“, sagte von Preußen dieser Zeitung. Zwar habe auch die Linkspartei schon ein Motiv der Burg genutzt, die AfD verwende es aber mit dem Slogan „unsere Werte“. Damit sei versucht worden, „einen eindeutigen Bezug zum Haus Hohenzollern und zur Geschichte meiner Familie herzustellen“, sagte von Preußen – zumal im Wahlprogramm von „klassisch preußischen Tugenden“ die Rede sei. Das Gericht hingegen wollte seinen Argumenten nicht folgen und wies die Klage ab.

          Trotz seiner Niederlage muss Prinz von Preußen den Anblick seiner Burg auf AfD-Plakaten künftig nicht mehr ertragen. Der baden-württembergische AfD-Landesvorsitzende Lothar Maier gab bekannt, die Partei habe „kein Interesse am Streit“. Man habe das Burgbild von der Internetseite entfernt und werde keine weiteren Plakate nachdrucken. Was die schon gehängten Plakate angeht, ist die Sache ebenfalls fast aus der Welt. Viele seien ohnehin schon von AfD-Gegnern gestohlen worden, sagte Maier.

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