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Veröffentlicht: 09.02.2017, 15:40 Uhr

Bürgermeister von Limburg „Ich will keinen Glaubenskrieg anzetteln“

Weil eine Veganerin sich beschwert hatte, hat Limburgs Bürgermeister Marius Hahn (SPD) das Kinderlied „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“ aus dem Programm des Glockenspiels im Turm des Rathauses genommen. Warum nur? Ein Interview.

von
© dpa Rathaus in Limburg: Die Glocke spielt erst mal nicht mehr „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“

Herr Hahn, wie fühlen Sie sich, wenn das Lied „Der Hahn ist tot, der Hahn ist tot“ erklingt?

Schön finde ich das nicht, aber ich kann damit leben. Der Hahn im Rathaus in Limburg lebt ja zum Glück noch.

Und essen Sie Huhn?

Ja, klar.

Warum haben Sie dann der Bitte einer Veganerin nachgegeben, die aus Gründen des Tierschutzes gegen das Erklingen des Kinderlied-Klassikers „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“ im Glockenspiel des Limburger Rathauses protestiert hatte?

Sie hat mich sehr nett gefragt, ob man das Lied nicht aus dem Programm nehmen könne, weil sie sich als Veganerin damit nicht wohl fühlt. Ich habe dann erst mal recherchiert, ob sie das ernst meint, wir können schließlich den Fuchs nicht davon abhalten, die Gans zu stehlen. Aber ihr ging es weniger um die Gans, sondern um den Jäger, der den Fuchs in der nächsten Zeile des Liedes erschießt. Da heißt es: „Sonst wird dich der Jäger holen, mit dem Schießgewehr. Eine große, lange Flinte, schießt auf dich den Schrot, dass dich färbt die rote Tinte und dann bist du tot.“

44694142 © Stadt Limburg Vergrößern Marius Hahn

Aber in dem Glockenspiel ist doch nur die Melodie zu hören.

Ja, aber die Frau hatte den Text dann wohl immer vor Augen, sie arbeitet eben ganz in der Nähe des Rathauses. Und wer bin ich, ihr so einen freundlich vorgetragenen Wunsch abzuschlagen. Ich habe es nett gemeint.

Aber geht die Rücksicht da nicht etwas zu weit? Achtet man auf jegliche Befindlichkeit, kann man ja wahrscheinlich gar kein Lied mehr spielen.

Natürlich, das wird auch eine Ausnahme bleiben. Unser Glockenspiel ist kein Wunschkonzert. Wir spielen die Nationalhymnen unserer Partnerstädte und ein buntes Repertoire an deutschen Volksliedern. Da wird jetzt auch nichts überprüft, das bleibt wie es ist.

© FNP Nach Veganerprotest: Glockenspiel in Limburg getauscht

Über Ihre Entscheidung wird deutschlandweit berichtet. Überrascht Sie das?

In der Tat. Der Vorteil ist, dass das ganze Land jetzt weiß, dass nicht nur München ein schönes Glockenspiel hat, sondern auch Limburg. Aber mit der Heftigkeit mancher Reaktionen hätte ich nie gerechnet. Aus ganz Deutschland kamen wüste Beschimpfungen auf allen möglichen Kanälen. Ob wir den Verstand verloren hätten, haben die Leute geschimpft, warum wir auf die Forderungen dieser Veganer-Mafia eingehen. Aber das war wirklich nichts Ideologisches. Einfach nur ein nett gemeinter Gefallen für eine Bürgerin, dafür bin ich als Bürgermeister doch da. Und dafür mussten nicht hundert Rädchen ins Laufen gebracht werden, da reichte ein Knopfdruck.

Ihre Entscheidung haben Sie dann in einer Büttenrede öffentlich gemacht.

Ja, ich habe in Anspielung auf meinen Namen gereimt: „Der Hahn, der Hahn ist nicht vegan und er sagt’s ganz unverhohlen: Fuchs, du hast die Gans gestohlen.“ Im Nachhinein würde ich das nicht mehr so machen, ich will keinen Glaubenskrieg zwischen Fleischessern und Veganern anzetteln. Aber immerhin haben jetzt 1000 Büttenredner eine Vorlage.

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Wird die Melodie von „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“ jetzt nie mehr in Limburg zu hören sein?

Doch, auf jeden Fall kommt das wieder. Wir wechseln unsere Lieder in unregelmäßigem Abstand. Beim nächsten Wechsel nehmen wir es wieder rein. Der Fuchs hat nur eine Schonfrist bekommen.

Und wenn sich die Bürgerin dann wieder beschwert?

Dann ist es auch mal gut. Ich habe klar gesagt, dass das nichts Dauerhaftes ist. Schließlich habe ich selbst als Kind dieses Lied immer gerne gesungen.

Der Lied-Text

„Fuchs, du hast die Gans gestohlen, gib sie wieder her!/ Sonst wird dich der Jäger holen, mit dem Schießgewehr.

Eine große, lange Flinte, schießt auf dich den Schrot,/dass dich färbt die rote Tinte und dann bist du tot.

Liebes Füchslein, lass dir raten, sei doch nur kein Dieb. Nimm, du brauchst nicht Gänsebraten, mit der Maus vorlieb.“

Der Liedtext von Ernst Anschütz wurde 1824 unter dem Titel „Warnung“ veröffentlicht.

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