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Rekord-Sängerin : Feuerrote Stimmgewalt

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So hoch kam nicht mal Mariah Carey: Georgia Brown lässt in ihrem Studio die mächtige Stimme hören Bild: Solveig Flörke

In den höchsten Tönen: Die Brasilianerin Georgia Brown singt höher als jeder Mensch vor ihr. Nicht einmal Mariah Carey kann da mithalten. Ein Besuch bei der Dark-Queen des Gesangs. Mit Hörprobe.

          Der Wind wirft die Regentropfen wie Dartpfeile gegen die Scheiben des Hauses. Hier, in der zentralbrasilianischen Hochebene, wohnt die Sängerin Georgia Brown, die eigentlich Rossana Monti heißt. Es ist das Haus mit der Nummer 300 in Goiania, der Hauptstadt des Bundesstaates Goiás.

          Schon vor Jahren hat sie Mariah Carey aus dem Guinness-Buch der Rekorde verdrängt. Damals nahm die „scientific pitch notation“ der Acoustical Society of America auf, was Georgia Brown ins Mikrofon sang. Es waren Töne mit einer Frequenz von 25 Kilohertz. Das entspricht etwa der Note G10, so wie man sie auf einer Piccolo-Flöte spielen kann. Laut Guinness-Buch konnte bislang kein Mensch höher singen.

          „Mae“, ruft Georgia, während sie aufgebracht über den dicken grünen Teppich rennt. „Wo ist meine Sonnenbrille?“ Weil sie die Brille nicht finden kann, geht die Stimmung in Richtung Weltuntergang, aber das ist normal bei der temperamentvollen Sängerin. Nur morgens, da mag sie es ruhig und schläft gern lang. Für das Interview war sie extra beim Friseur in der unteren Etage des Hauses. Ihre langen glatten Haare sind frisch gefärbt, wie immer knallrot. Das ist ihr Markenzeichen. Genau wie ihre schwarze Kleidung im Look einer Gothic-Queen. Eine enggeschnürte Korsage, dazu eine schwarze Hose, hohe Schuhe und dunkler Lidschatten. „Mama hat mir das Make-Up gemacht“, sagt sie und hat sich anscheinend wieder ein wenig beruhigt.

          Wohngemeinschaft: Dark-Queen mit Walkiria

          Für die Vierunddreißigjährige wäre jeder Lidstrich eine Geduldsprobe, denn sie kann kaum sehen. Auf einem ihrer großen, blauen Augen ist sie blind, auf dem anderen hat sie seit ihrer Schwangerschaft vor 14Jahren nur noch fünf Prozent Sehkraft. Bevor der Sohn Giovani geboren wurde, waren es immerhin zehn Prozent, sagt Georgia.

          Bei Licht reagieren ihre Augen empfindlich, deshalb trägt sie tagsüber meist ihre Sonnenbrille, auch wenn der Himmel so bedeckt ist wie heute. Ein Blindenhund oder ein Blindenstock kommt für die eigenwillige Brasilianerin nicht in Frage. „Ich will nichts haben, was auf meine Einschränkung auch noch hinweist“, sagt sie und macht eine abfällige Handbewegung. Ihre Finger gleichen denen einer Puppe. Die Hände sind klein und zart, am Ringfinger steckt seit zwei Jahren wieder ein Ehering, es ist der dritte. Sie alle wohnen unter einem Dach: Georgia, ihr uruguayischer Mann William, der auch Musiker ist, der Sohn Giovani und die Mutter Walkiria.

          Erst kürzlich hat Georgia die Mietwohnung ihrer Kindheit gekauft. Hier kennt sie jeden Quadratmeter. Stolz zeigt sie ihren eigenen Aufnahmeraum, das Schlagzeug ihres Sohnes, die Computer, an denen ihr Mann die Fotos bearbeitet, die er von ihr für CD-Covers macht. Georgia liebt es, fotografiert zu werden und sich zu inszenieren – meist als verführerische Dark-Queen.

          Papa prophezeite eine große Karriere

          Geboren wurde sie in Italien, dem Heimatland ihres Vaters. Nach ihren ersten Lebensjahren in Neapel zog die Familie zurück nach Brasilien, woher Georgias Mutter kommt. Heute managt Walkiria Monti ihre stimmgewaltige Tochter. Sie erinnert sich, dass Georgia schon als kleines Mädchen Sängerin werden wollte. „Sie stand stundenlang vor dem Fernseher und hat zu Madonnas Musikvideos getanzt und gesungen“, erzählt Walkiria Monti. „Mein Mann drückte ihr Kassetten von Franco Ricci aus Neapel in die Hand und sagte zu ihr: Wenn du wirklich eine Sängerin werden willst, dann lerne erst mal so zu singen wie er.“ Und das machte Georgia.

          Georgia Brown : Keine singt höher

          „Sie lud uns in ihr Zimmer ein und gab ein Konzert. Sie sang genauso wie Franco Ricci. Wir waren platt“, sagt Walkiria Monti mit einem Leuchten in den Augen. Der Vater prophezeite der Tochter damals, dass sie einmal die größte Sängerin der Welt werde.

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