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Bosbach bei „Wer wird Millionär“ : Wo steckte Merkel?

Ich ruf’ Dich an: Wolfgang Bosbach und Angela Merkel im Bundestag (aufgenommen 2006) Bild: dpa

Wolfgang Bosbach zieht den besten Telefonjoker der Republik. Sein Plan ging schief. Warum, das weiß nur die Kanzlerin. Er hätte besser mich angerufen.

          Hätte Bosbach mal mich angerufen. Wozu solche DDR-Waschmaschinen gut waren, hätte ich ihm aus dem Stegreif beantworten können. Meine Oma hat in ihrer bis in die neunziger Jahre hinein Obst eingekocht. Hätte ich ihm alles erzählen können, mit viel Mühe sogar in den 30 Sekunden Antwortzeit, die man bei „Wer wird Millionär?“ bekommt. Leider aber hat Herr Bosbach meine Nummer gar nicht.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Dafür natürlich die von Frau Merkel. Und das macht schon etwas her, wenn man bei „Wer wird Millionär“ als Telefonjoker einfach mal die Nummer der Kanzlerin aus dem Ärmel schütteln kann. „Sie freut sich immer, wenn sie mich sieht und meine Stimme hört“, kündigte Bosbach noch an. Doch dann tutete das Telefon ins Leere und am Ende antwortete nur die Mailbox. Wahrscheinlich wäre es besser für ihn gelaufen, wenn Bosbach eine Kurznachricht geschickt hätte. Weiß doch jeder, dass die Kanzlerin viel lieber tippt als redet. Bleibt aber die Frage: Warum ging Frau Merkel nicht ans Telefon?

          Ist das Verhältnis zu Bosbach doch nicht so eng, wie dieser denkt? Nimmt sie ihm noch immer übel, dass er bei der Euro-Rettung nicht hinter der Regierung stand? Aber die Quiz-Show war doch für einen guten Zweck, könnte man nun einwenden. Da geht man doch ans Telefon und hilft seinem Parteifreund.

          Ich habe beim Regierungssprecher nachgefragt, warum Frau Merkel verhindert war. Und natürlich wollte ich auch wissen, ob die Kanzlerin denn die Frage hätte beantworten können. Steffen Seibert aber schweigt bisher auf meine Fragen zu solch delikaten Details.

          Wir dürfen natürlich nicht vergessen, dass RTL am Montag eine aufgezeichnete Sendung ausgestrahlt hat. Vielleicht steckte Frau Merkel noch tief in der Ukraine-Krise, als Bosbach auf Jauchs Stuhl saß. Oder sie sah sich die Ergebnisse der Europawahl an und schimpfte ein wenig auf Juncker und Schulz? Oder, wie Günter Jauch vermutete, musste sie gerade die Welt retten – in geheimer Mission und ohne Handyempfang. Vielleicht aber hatte sie auch gerade mal ein paar Minuten frei – und kochte Obst ein, für Pflaumenkuchen.

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