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Bond-Stuntman Stefan Zürcher : Secret Service

Ski heil: Wenn James Bond im Auftrag der Anständigen in den Bergen unterwegs ist, sorgt Stefan Zürcher für die Knalleffekte. Bild: Imago

Von George Lazenby, über Roger Moore bis Pierce Brosnan – Stefan Zürcher hat sie alle erlebt: Seit 47 Jahren steht der der Stunt-Spezialist in Diensten von James Bond. Im neuen Film „Spectre“ lässt er es wieder krachen.

          Bond schwingt durch den Pulverschnee, im gelben Overall, mit rotem Rucksack, ein einsamer Skifahrer in prächtiger Gletscherlandschaft. Dann - ein Knall. Von hinten rasen vier dunkle Gestalten auf Ski heran. Bond verschwindet in einen Gletscherbruch, begleitet von Einschlägen links und rechts. Er springt über Geländekanten, erledigt im Rückwärtsfahren einen Verfolger, räumt den zweiten bei der Landung nach einem Salto aus dem Weg. Kurz darauf scheint trotzdem alles verloren: Auf einem schmal zulaufenden Felsplateau fährt er auf den Abgrund zu, hinten die Verfolger, vorne die große Leere und keine Aussicht auf Rettung. Bond erreicht die Kante, er springt, er fliegt, er fällt. Scheinbar endlos. Irgendwann löst er in der Luft die Ski, spreizt Arme und Beine - und zieht einen Fallschirm. Darauf prangt: der Union Jack. ("Der Spion, der mich liebte", 1977).

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Es ist eine der berühmtesten Eröffnungsszenen in der Geschichte der Bond-Filme. Sie lässt kaum einen Zuschauer kalt. Schon gar nicht ließ sie Rick Sylvester kalt, den Mann, der da in den Abgrund flog. Gedreht wurde der Stunt im Juli 1976, zu einer Zeit, als das Base-Springen, also das Fallschirmspringen von Gebäuden, Brücken oder Felsen aus, noch längst nicht so populär war wie heute und die Ausrüstung bei weitem nicht so gut. Base-Springen, das war damals Avantgarde im Abenteuersport, ein Grenzfall für absolute Spezialisten. Rick Sylvester war als Bergsteiger und Extremskifahrer bekannt geworden. Einmal sprang er mit Ski und Fallschirm vom El Capitan im amerikanischen Yosemite-Nationalpark in die Tiefe, 1000 Meter hoch über dem Boden. Das gefiel den Werbeleuten einer kanadischen Whiskymarke so gut, dass sie ihn für einen ähnlich verrückten Spot engagierten. Der wiederum brachte die Bond-Produzenten auf die Idee, Sylvesters Luftnummer in den Film "Der Spion, der mich liebte" einzubauen. Als es so weit war, hatte das Bond-Double mächtig Glück: Einer der Ski, die durch die Luft flogen, hätte um ein Haar den Fallschirm getroffen. Wie knapp er ihn verpasst, ist im Film gut zu sehen.

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          "Das war damals schon am Limit", sagt Stefan Zürcher. Kaum einer kann das so gut beurteilen wie er. Seit 47 Jahren arbeitet Zürcher für Geheimagent James Bond, und zwar immer dann, wenn es hart auf hart kommt. Der Schweizer hat im Lauf seiner Karriere als Assistenzregisseur, als Location Manager und als Produktionsleiter gearbeitet, für Filme von Bob Fosse, George Lucas, Kenneth Branagh oder Steven Spielberg, 1989 hat er seine eigene Filmgesellschaft gegründet. Aber über die Jahrzehnte ist er immer wieder dorthin zurückgekehrt, wo seine Karriere als Stuntman begann. Zu James Bond. Oder, wie er es nennt: in die Bond-Familie.

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