http://www.faz.net/-gum-8mnes

Nicht zu erreichen : „Hallo, Mr. Dylan?“

Für’s Nobelpreiskomitee nicht erreichbar, aber ein Konzert in Vegas geben: Unverschämt von Mr. Dylan? Bild: AP

Die Schwedische Akademie erreicht den neuen Literaturnobelpreisträger einfach nicht. Wie sind wohl die Versuche abgelaufen, Bob Dylan ans Telefon zu bekommen? Wir stellen uns das in etwa so vor.

          Auch anderthalb Wochen nach der Verkündung des Literaturnobelpreises am 13. Oktober hat die Schwedische Akademie Preisträger Bob Dylan noch immer nicht direkt kontaktieren können. Man habe seinen Agenten und den Tourmanager erreicht, und sie würden zu gegebener Zeit zurückrufen, hatte die Akademie am Mittwoch erklärt. Dylans Mitarbeiter hätten alle nötigen Informationen erhalten: „Wir haben nur nicht persönlich mit ihm gesprochen.“ Am Freitag nannte ein Akademiemitglied Dylan deshalb „unhöflich“. Der F.A.S. liegen exklusiv und sehr ernsthaft Mitschnitte der Telefonate vor.

          Bertram  Eisenhauer

          Verantwortlich für das Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hallo?

          Ja, hallo. Bin ich da richtig bei Zimmerman, bitte?

          Vielleicht.

          Verzeihung, man hat mir diese Nummer gegeben. Hier spricht Sara Danius, Ständige Sekretärin der Schwedischen Akademie.

          Tut mir leid, wir haben schon gespendet. (Legt auf.)

          ***

          Hallo?

          Ja, ich bin es noch mal. Ich fürchte, wir wurden gerade getrennt.

          Ja, und?

          Hier ist Sara Danius, Sekretärin der Schwedischen Akademie. Wissen Sie: die, die Nobelpreise vergibt.

          Hm.

          Wäre es wohl möglich, mit Mr. Dylan zu sprechen?

          Wozu?

          Wir haben ihm den Nobelpreis für Literatur verliehen, „für seine poetischen Neuschöpfungen in der großen amerikanischen Songtradition“.

          Und jetzt? Ich werde nicht jünger hier.

          Wir wollten fragen, ob er dazu eine Erklärung abgeben möchte.

          Ah. Moment. (Schreit.) Bob, da ist jemand am Telefon, der dir den Nobelpreis für Literatur geben will.

          Gegeben hat, gegeben hat. Die Nachricht müsste mit der Post gekommen sein.

          Ja, ja, gegeben hat. (Wieder laut.) Für die Neuschöpfungen. Du wüsstest Bescheid. Was du davon hältst. (Unverständliches Gemurmel.) Können wir zurückrufen?

          Gewiss. Meine Nummer ist ...

          (Ihr Gegenüber legt auf.)

          ***

          Hallo?

          Guten Tag. Hier spricht Sara Danius von der Schwedischen Akademie. Es geht noch mal um den Nobelpreis.

          Ja?

          Nun ja, ehrlich gesagt, wir warten zwei Tage vergeblich darauf, dass Mr. Dylan sich meldet. Wir haben gehört, dass er inzwischen ein Konzert in Las Vegas gegeben hat, ohne den Preis auch nur zu erwähnen.

          Ich kann ihn jetzt nicht stören. Er wäscht sich die Haare.

          Könnten wir nicht vielleicht ein geheimes Signal ausmachen? Wenn er beim nächsten Gig „Idiot Wind“ spielt, heißt das: Danke für die Auszeichnung.

          Lady, wir machen hier kein Wunschkonzert. Nicht mal Bob Dylan weiß, was Bob Dylan als Nächstes spielt.

          Ja, natürlich. Und wenn ich nun per E-Mail. . .?

          (Ihr Gegenüber legt auf.)

          ***

          Yeah.

          Hallo, Mr. Dylan? Sind Sie das? Hier spricht Sara Danius . . .

          Sorry, falsch verbunden. (Legt auf.)

          (Sie wählt noch mal. Es klingelt lange.)

          Hallo?

          Ja, war das Mr. Dylan?

          Sie waren falsch verbunden.

          Ich könnte schwören, das war seine Stimme. Kann ich ihn sprechen?

          Sorry, er ist, äh, gerade im Keller. (Gegluckse und unterdrücktes Gelächter.)

          Sie nehmen mich aber nicht auf den Arm hier, nein?

          (Ihr Gegenüber legt auf.)

          ***

          Hallo?

          Einen Augenblick, ich verbinde Sie mit Carl Gustaf Folke Hubertus Bernadotte, König von Schweden. (Es ertönt die schwedische Nationalhymne.)

          Hallo?

          Hier spricht Carl Gustav ...

          Ja, ja, weiß schon. Was geht, Majestät?

          Wissen Sie, da ist noch ein Detail der offiziellen Verleihung am 10. Dezember zu klären, die ich mit Mr. Dylan machen soll - ob er beim Galadinner das Steak haben möchte oder die vegetarische Option. Das müsste ich ihn natürlich schon persönlich ...

          Netter Versuch. (Lacht.)

          Danke sehr.

          Aber wenn es einfach wäre, wäre es nicht Dylan.

          Dabei bin ich ein großer Fan seines Werkes. „Songs From a Room“ hat mein Leben verändert damals.

          Das ist Cohen, nicht Dylan. (Legt auf.)

          Herrje. Herrje. Das ist gar nicht gut. Silvia, kommst du mal? Silvia? (Aufnahme bricht ab.)

          Quelle: F.A.S.

          Weitere Themen

          Emotionale Erbstücke Video-Seite öffnen

          Uhr, Gitarre, Gartenlaube : Emotionale Erbstücke

          Wir haben unsere Fotografen gebeten, nach Erbstücken zu suchen. Was Vätern ihren Kindern schenken, ist oft seit Generationen im Besitz der Familien. Schön? Hässlich? Kommt es darauf an? Natürlich nicht. Hier geht es um den ideellen Wert. Ein Blick in Schränke, Keller, Rumpelkammern und Garagen.

          Topmeldungen

          Bundestagsvizepräsident : Der Problem-Kandidat

          Wenn der Bundestag an diesem Dienstag seine Vizepräsidenten wählt, könnte es zum Eklat kommen. Dass der AfD-Kandidat Albrecht Glaser scheitert, gilt als sicher – aber was geschieht dann?

          Streamingdienst : So analysiert Netflix seine Nutzer

          Die Online-Videothek gibt Milliarden für Eigenproduktionen wie „Stranger Things“ aus. Deshalb wird der Erfolg dieser Serien minutiös geplant. Und der Geschmack der Zuschauer ganz genau durchleuchtet.
          Facebook-Post von Hildmann: „Ein Bild mit einer Pumpgun beim Sportschießen ist noch lange keine Gewaltandrohung“, sagt er.

          Vegan-Koch Attila Hildmann : „Wir werden ja sehen, ob ich ausraste“

          Der Vegan-Koch Attila Hildmann schreibt, dass er einer kritischen Journalistin gerne Pommes „in die Visage gestopft“ hätte. Dann lädt er sie und ihre Kollegen zum Essen ein – dazu stellt er ein Foto, das ihn mit Schusswaffe zeigt. Was soll das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.