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Blogger Frankfurt in der Blogosphäre

21.08.2008 ·  Wilde Tiere und schlechte Internet-Verbindungen können Patrick Meier nicht abschrecken. Der Sachsenhäuser hält sein Blog auch unter widrigen Bedingungen auf dem neuesten Stand. Auch andere Frankfurter bloggen fleißig.

Von Andreas Pöschl
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Wilde Tiere und schlechte Internet-Verbindungen können Patrick Meier nicht abschrecken. Der Sachsenhäuser hält sein Blog auch unter widrigen Bedingungen auf dem neuesten Stand. Vor gut einem Jahr hat er zum Beispiel Mobiltelefon und Laptop mitgenommen, als er und seine Frau für eine Safari nach Kenia flogen. Aus den Nationalparks hat er dann unter www.meiers.blogg.de Reiseberichte, Fotos und Videos veröffentlicht. Dadurch erfährt man, dass im Urwald am Mount Kenya zahlreiche Elefanten, Löwen, Leoparden und Spitzmaulnashörner beheimatet sein sollen, Meier aber nur Büffel, Affen und einen Buschbock gesehen hat. Ergiebiger waren da schon die Ausflüge im Samburu-Reservat, bei denen das Ehepaar eine Elefantenherde und einen Leoparden entdeckte. Auch die Begegnungen der Safari-Touristen mit den Einwohnern des Landes werden im Blog erwähnt. Neid spricht aus Meiers Zeilen über einen Stamm, der männlichen Mitgliedern die Vielehe erlaubt.

Seit August 2005 versorgt Meier sein Online-Tagebuch mit Einträgen, auch wenn „es manchmal in Arbeit ausartet“. Immer sei er auf der Suche nach Themen, im Ausland und in seiner Heimatstadt „viel mit offenen Augen unterwegs“. In Frankfurt hat Meier unter anderem den „Ironman“, den Faschingsumzug in Heddernheim und das Radrennen „Rund um den Henninger Turm“ in Wort und Bild festgehalten. Eine seiner größeren „Lokalnachrichten“ handelt davon, dass dreiste Lastwagenfahrer die Parkplätze von Anwohnern benutzen. Eine andere befasst sich mit der Frage, ob die Frankfurter Kaufhäuser am Gründonnerstag wirklich hätten öffnen dürfen. Vor kurzem ist dem Blogger sogar ein kleiner Coup gelungen: Er hat über ein Bestattungsunternehmen geschrieben, das Fans von Eintracht Frankfurt eine stilechte Beerdigung anbietet, und zwar in Urnen mit dem Wappen des Vereins. Den Eintrag hat das „Journal Frankfurt“ zum Anlass genommen, den Eintracht-Urnen einen Artikel zu widmen.

Nur wenige Frankfurt-Blogs regelmäßig aktualisiert

Im Vergleich zu anderen Bloggern berichtet Meier besonders häufig über das Leben in der Stadt. Wer das Internet nach Frankfurter Blogs durchforstet, stellt schnell fest, dass nur wenige regelmäßig aktualisiert werden. „Gerade herrscht Katerstimmung“, sagt Alexander Endl, der selbst ein Online-Tagebuch (www.endl.de) führt und die Szene seit ihren Anfängen im Jahr 2000 beobachtet. Vor zwei Jahren habe es noch eine Flutwelle von Neugründungen gegeben, sie sei jedoch bald verebbt. Nun würde sich die deutsche Blogosphäre, wie die Gesamtheit aller Blogs in Deutschland genannt wird, neu organisieren. Während sich die einen auf bestimmte Bereiche, zum Beispiel Politik oder Computertechnik, spezialisierten, beschränkten sich andere zunehmend auf ihr Privatleben. Dennoch gehört für Endl die frühere Form des Bloggens, die Persönliches mit Sachthemen vereinte, keineswegs der Vergangenheit an.

Endl wohnt mit seiner Familie im Stadtteil Höchst und lässt immer wieder seine Alltagserlebnisse in das Online-Tagebuch einfließen. So liest man dort unter anderem von seinen Erfahrungen mit städtischen Behörden. Verärgert stand Endl eines Tages mit seinem Fahrrad an einer Kreuzung am Rebstockgelände, ohne dass die Ampel auf Grün geschaltet hätte. Offenbar hatte das Straßenbauamt vergessen, einen entsprechenden Sensor in die Fahrbahn einzubauen. Erfreulicher fand Endl, dass seine Frau auf dem Passamt zuvorkommend behandelt wurde. Über das Lob in dem Eintrag freute sich wiederum der Leiter der Behörde. Er nutzte die Kommentarfunktion des Blogs, um sich für die positive Berichterstattung zu bedanken.

230 Stammleser lesen Endl im RSS-Feed

Endl hat in seinem Online-Tagebuch einen Zähler installiert, der täglich bis zu 700 Besucher registriert. Davon hätte etwa die Hälfte eine Suchanfrage bei Google und ähnlichen Suchmaschinen gestellt und sei daraufhin auf endl.de verwiesen worden. Der Rest sei über Hinweise oder Links in anderen Blogs auf ihn aufmerksam geworden. Wichtiger sind Endl allerdings die 230 Stammleser, die sich seine Einträge als „RSS-Feed“ - sozusagen die Internet-Variante eines Nachrichtentickers - schicken lassen. Er bevorzugt eine kleine Leserschaft, die sich ernsthaft mit den Inhalten des Blogs auseinandersetzt.

Patrick Meier hingegen treibt die Besucherzahlen gerne auch einmal künstlich hoch: „Sobald ich über Erotik schreibe, steigen die Zugriffe exorbitant.“ In einem solchen Fall geraten unzählige nach schlüpfrigen Bildern gierende Internetnutzer über Suchmaschinen auf seine Seite. Verstärkt wird dieser Effekt noch dadurch, dass Meier Namen von Prominenten im Zusammenhang mit den stimulierenden Begriffen nennt. Seine Spekulation, dass sich die australische Sängerin Gabriella Cilmi von einem Männermagazin ablichten lässt, begründet der Blogger mit der einfachen Formel: „Nacktfotos plus Künstlername plus Playboy gleich mehr Zugriffe.“ Echtes Interesse hätten die Gäste seines Blogs allerdings an einer fiktiven Presseschau zum EM-Fußballfinale gezeigt, berichtet Meier. Er hatte sich vor dem Endspiel vorgestellt, was europäische Zeitungen am nächsten Tag schreiben würden, wenn die deutsche Mannschaft fünf zu drei gewonnen hätte.

Comicartige Totenköpfe, Fledermäuse oder Skelette

Noch phantasievoller lässt es der Bad Homburger Frater Aloisius unter www.aloisius.blogg.de angehen. Zwar gibt ihm sein Bloggername den Anschein eines Ordensbruders, das Online- Tagebuch schmückt er jedoch mit wenig christlichen Bildern: Mit einem Malprogramm zieht er mit der Computermaus so lange Striche und füllt leere Flächen mit Farbe, bis comicartige Totenköpfe, Fledermäuse oder Skelette auf dem Bildschirm entstehen. Die Zeichnungen begleiten Einträge, die sich um höllisch laute Rockmusik drehen oder den tieferen Sinn von Sprichwörtern wie „Der Teufel ist ein Eichhörnchen“ ergründen. Kein Wunder, dass ein Zertifikat 37 Prozent des Blogs als teuflisch deklariert.

Vor drei Jahren hat Frater Aloisius, der nur mit seinem Pseudonym in der Zeitung stehen möchte, das Bloggen angefangen, um für die gesellschaftliche Integration Behinderter zu werben. Für ihn war das ein ganz persönliches Anliegen, da die ältere seiner beiden Töchter das Downsyndrom hat. Im Laufe der Zeit hat der Blogger jedoch gemerkt, dass ihm „lustige Dinge leichter von der Hand gehen“. Seitdem beschäftigt er sich auf komische Weise mit eher abseitigen Themen. Darüber hinaus kündigt Frater Aloisius hin und wieder Veranstaltungen in seiner Umgebung an. Zuletzt hat er auf das bevorstehende Fantasy-Filmfest in Frankfurt und das Laternenfest in Bad Homburg hingewiesen.

Frater Aloisius hat übrigens einen Besucheransturm auf seine Seite ausgelöst, ohne dass er sich eines sexuellen Reiz-Reaktionsschemas bedient hätte. Vielmehr berichtete der Blogger über ein lokales und laut seinen Angaben überhaupt nicht fiktives Ereignis: den Flug eines Ufos über Bad Homburg. Belegt hat er seine Beobachtung durch ein selbstgeschossenes Foto. Das darauf abgebildete Flugobjekt sieht allerdings einem Kunststoffteller zum Verwechseln ähnlich.

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