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Biographie über Popstar : Ein schreckliches Kapitel im Leben von Prince

  • Aktualisiert am

Für die „Stones“-Fans nicht rockig genug: Prince hatte mit vielen Anfeindungen zu kämpfen. Bild: AP

Heute vor einem Jahr starb Prince. Zu seinem ersten Todestag erscheint seine Biographie. Das wohl traurigste Kapitel aus diesem Buch können Sie gekürzt hier lesen.

          „Mick Jagger schaute sich am 22. März 1981 seinen jungen Rivalen Prince auf einer der New Yorker Lieblingsbühnen der Rolling Stones an, im Ritz. Prince eröffnete die Show, indem er mehrmals sagte: „There's no place like home“, und das traf zu: Seine Shows in der Heimatstadt waren oft Schauplatz seiner einschneidendsten Verwandlungen, wenn er vor einem ihm wohlgesinnten Publikum neue Ideen ausprobierte. An diesem Abend spielte er zwei bis heute unveröffentlichte Songs, „Broken“ und als Zugabe „Everybody Dance“, eine Kurzversion der ausgedehnten roboterhaften Improvisationen in späteren Proben. Die Show im Sam's 1981 steht bei Fans oben auf der Wunschliste der Mitschnitte, die sie gerne veröffentlicht sähen.

          Auf den späteren Tourneen zu „Sign O' The Times“ und „Lovesexy“ gab sich Prince auf der Bühne lockerer. Bei den frühen Besetzungen wurde die Band jedoch sorgfältig positioniert: die Keyboarder Dr. Fink und Lisa Coleman links und rechts vom Schlagzeug, Prince vorne in der Mitte, flankiert von Dez Dickerson und André Cymone. Zu dieser Zeit war die Choreografie simpel. Es gab spaßige Nummern wie „The Walk“, einen Tanzschritt, aus dem er später einen Song für „The Time“ machte. Indem er die Setlist durcheinanderbrachte, später ein Markenzeichen, wollte Prince laut Coleman das Publikum testen. „Wir sammelten Erfahrungen, welche Shows funktionierten. Wenn wir zu viel Funk spielten, gefiel's den Leuten nicht, also spielten wir mehr Rock. Das Gleichgewicht stimmte. Dez war ein feuriger Rockgitarrist. Wendy beherrschte Funk besser als Dez. Prince war der Mastermind dahinter. Er sagte: ,Das ist die Setliste für diese Stadt.'“

          In grüner Fransenjacke, mit rotem Halstuch, schwarzer Unterhose und Strümpfen sah Prince aus wie einer von den Village People. Lisa rezitierte ihre Zeilen in "Head" mit trotziger, träger Stimme unter ihrem Fedorahut hervor, so ganovenhaft wie der Rest der Band. Nachdem er ihn auf der „Dirty-Minds“-Tour gesehen hatte, lud Mick Jagger Prince ins Vorprogramm der Rolling Stones ein, wo er seine schlimmste Abfuhr vor einem Rockpublikum erlebte. "Es war furchtbar", erinnert sich Lisa Coleman. „Wir wurden von der Bühne gebuht. Wir hatten uns so gefreut, uns den Arsch abgeprobt. Das ist der Durchbruch, wir werden die Größten! Sie buchten uns für ein paar Gigs, zwei davon im L.A. Coliseum. Beim ersten hatten wir große Hoffnungen. Die Atmosphäre war unglaublich, viele große Stars hinter der Bühne. Und nach fünf Minuten wurden wir mit Hähnchen, Flaschen und Popcorn beworfen, und alle zeigten uns den Mittelfinger. ,Fick dich, du Schwuchtel', das N-Wort, alles furchtbar. Prince haute ab, und wir anderen dachten: Was machen wir jetzt?

          Pöbeleien gegen eine göttliche Erscheinung: Prince, hier 1992, wurde als Schwarzer und als Schwuler angefeindet.
          Pöbeleien gegen eine göttliche Erscheinung: Prince, hier 1992, wurde als Schwarzer und als Schwuler angefeindet. : Bild: Anna Meurer

          Wir spielten den Song zu Ende und gingen von der Bühne. Das war Freitag. Am Sonntag sollten wir wieder spielen. Wir gingen in unsere Garderoben, und Prince machte sich aus dem Staub, zum Flughafen, flog nach Minneapolis. Ich dachte, Mick Jagger habe ihn zur Rückkehr überredet, aber es war Dez Dickerson. Er redete 45 Minuten auf ihn ein: ,Wir lassen uns nicht von denen aus der Stadt vertreiben. Dagegen kämpfen wir schon immer – Rassismus, Sexismus. Bringen wir die Sache zu Ende.' Die Anspannung war unerträglich, uns war zum Kotzen. Ich war so nervös. Wir gingen auf die Bühne, und es kam einem vor wie in der Kampfsportarena. Am zweiten Tag hatten sie die Sache geplant. Sie brachten Sachen mit, Schuhe, Äpfel, Orangen. Wir hielten durch und spielten ein kurzes Set, mehr Rocksongs - egal, für die war's ein Spiel. Und wir hatten wirklich gedacht, das ist eine Riesenchance für uns.“ Ihre Freundin Wendy Melvoin ergänzt: „Das war ein Rock-'n'-Roll-Publikum. Die wollten keinen schwarzen Typen in Bikini und Trenchcoat sehen.“

          Mit den Rolling Stones verband Prince trotz dieser Szenen weiter eine Affinität. Das lag an seiner Freundschaft zu Ron Wood, an den Tanzschritten, die er sich bei Mick Jagger abgeschaut hatte, vor allem aber an den Songs, die er bewunderte.“

          „Prince - Die Biographie“

          Am 21. April, zum ersten Todestag des Musikers, erscheint „Prince - Die Biographie“ von Matt Thorne (Edel Verlag, 784 Seiten, 29,95 Euro).

          Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin

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