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Billy Crystal im Interview : „Das Gelächter ist mein Heroin“

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Billy Crystal im November auf dem Broadway in New York, wo er seine Show „700 Sundays“ aufführte Bild: Krulwich/ NYT/Redux/laif

Oscar-Gastgeber, Comedian, Sallys ewiger Harry: Billy Crystal über sein Showbiz-Leben, Schicksalsschläge, vulgäre Superstars und übersinnliche Erscheinungen.

          Ganz in Schwarz sitzt Billy Crystal mir in einem Konferenzzimmer der Agentur PMK BNC an der Third Avenue in New York gegenüber. Aus den Fenstern im 20. Stockwerk geht der Blick über Manhattans Skyline, zur Rechten sticht die Antenne des Empire State Building in die tief hängenden Wolken. Crystal, der viele Filme als Darsteller, Autor und Regisseur gemacht hat, in dessen Gesicht man aber wohl immer das von Harry aus dem Klassiker „Harry und Sally“ sehen wird, hat vor dem Gespräch rasch noch eine Suppe gegessen.

          Mr. Crystal, Sie haben mit „Still Foolin’ ’Em“, deutsch „65“, ein Buch übers Altern geschrieben, das krass beginnt und versöhnlich endet. Sind Sie eigentlich Optimist?

          Sagen wir: Ich werde besser darin. Unsere Vorstellungskraft ist ja unser größtes Kapital und zugleich unser größter Feind. Es ist nicht leicht, sie zu zügeln und zu verhindern, dass sie zum bösen Dämon in unseren Köpfen wird.

          Es heißt immer wieder, dass Komik ihren Ursprung in Angst, Schmerz und Traurigkeit hat.

          Ach, das ist doch so ein Klischee! Alle Komiker sind traurige Menschen – bullshit! Wir sind alle unterschiedlich. Humor entspringt Dingen, die wir in unserem Kopf neu ordnen, um damit umgehen zu können.

          Sie waren kaum in der Pubertät, als Ihr Vater starb. Haben schwere Zeiten Ihren Umgang mit dem Komischen geprägt?

          In jedem Fall. Meine Broadway-Show „700 Sundays“ …

          … deren Titel sich auf die Anzahl der Sonntage bezieht, die Sie mit Ihrem Vater teilen konnten.

          Ja, und die Show dreht sich um schwere Zeiten, um die Konfrontation mit Trauer. Sie ist der Versuch, die Trauer bei der Schulter zu packen und für ein Weilchen zum Hinsetzen zu zwingen. Sogar im tiefsten Schmerz ist es völlig okay, zu lachen. Es ist lebenswichtig, dass du lachst. Du machst nichts falsch, wenn du mitten in deiner Trauer einen Witz machst. Wenn es den Schmerz ein bisschen lindert, ist das okay.

          Erleichtert Humor Ihnen die Auseinandersetzung mit dem Alter?

          Natürlich! So habe ich dieses Buch begonnen: Oh Gott, 65, heilige Scheiße! Man muss sich darüber lustig machen, damit es ein bisschen einfacher wird. Und als ich 15 war, brauchte ich das besonders. Ich habe neulich übrigens erkannt, dass das Erste, was ich je geschrieben habe, die Trauerrede für meinen Vater war.

          War sie humorvoll?

          Nein. Ich habe sie in einem alten Notizbuch gefunden, das meine Mutter mir schickte, als sie endlich mein altes Zimmer ausräumte (lacht). Ich war 50, als sie das tat! Sie sagte, ich habe diese Sachen von dir gefunden, du solltest sie an dich nehmen, alte Notizbücher aus einem alten Schrank. Und da war sie, die Grabrede, getippt auf einer Schreibmaschine.

          Haben Sie Angst vorm Tod?

          Ich finde seine Unausweichlichkeit, besonders, wenn man älter wird, ätzend. Der Tod stinkt! (lacht) Wirklich, er ist regelrecht von einem Gestank umgeben, der in den Augen brennt. Allerdings gab es da einige kleine Momente, die mich denken lassen: Oh, vielleicht ist der Tod nicht das Ende.

          Sie sprechen von dem Gefühl, das Sie bei den Dreharbeiten zu „City Slickers“ beschlich – dass Sie angesichts ihres mühelosen Umgangs mit Pferden womöglich in einem vorigen Leben ein Cowboy waren?

          Ja. Und dann war da die Sache mit dem „Lass ihn gehen“.

          Sie beschreiben im Buch, dass Sie diese Worte zu hören meinten, als ihr geliebter Onkel Berns starb – und Sie glaubten, sie von einer nächtlichen Gestalt zu hören, die Ihrem verstorbenen Vater ähnelte.

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