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Kölner Bierkellner : Der Köbes schenkt dem Karneval ein

  • -Aktualisiert am

Darf auch auf der Arbeit trinken: Köbes Daniel Bosdorff Bild: Edgar Schoepal

Daniel Bosdorff, der Köbes, ist nicht dem Gast verpflichtet, sondern nur dem Bier. Er redet, wie es ihm passt, und sieht sich als letzter Aufrechter zwischen all den Latte-Macchiato-Bedienungen. Nur mit Karneval weiß er nichts anzufangen.

          Daniel Bosdorff, der Köbes, nimmt die Musik mit ins Bett. Er liegt dann da und will schlafen, doch die Karnevalslieder schwirren in seinem Kopf und dröhnen in seinen Ohren. Als er noch ein kleiner Junge war, stand er auf der Theke der elterlichen Kneipe und sang aus voller Brust „Mer losse d’r Dom en Kölle“ von den Bläck Fööss. Heute will er einfach nur seine Ruhe haben. Deshalb liebt er seine Arbeit im Brauhaus Schreckenskammer eigentlich so sehr. Denn außer an Karneval gibt es dort keine Musik.

          Bosdorff ist seit 18 Jahren Köbes in der Schreckenskammer, die versteckt ist hinter der St. Ursula Kirche, nicht weit vom Dom entfernt. Wer es nicht besser weiß, denkt, ein Köbes wäre ein einfacher Kellner in einem der rheinischen Brauhäuser. Aber der Köbes ist viel mehr als das. Er ist der König des Brauhauses, ja, vielleicht sogar der ganzen Stadt, nicht dem Gast verpflichtet, nur dem Bier. Er sieht sich als letzter Aufrechter zwischen all den schmierigen Latte-Macchiato-Bedienungen. Er redet, wie es ihm passt, und wenn ihm jemand krumm kommt, bekommt der das zu spüren.

          Wer bei Bosdorff einen Latte Macchiato bestellt, hört nur: „Wann de eine fings, kanns de mir jo eine metbränge!“ In der Schreckenskammer gibt es Kaffee, wenn überhaupt. Und wer Milch dazu möchte, muss lange an der kleinen Kondensmilchpackung herumfriemeln.

          Ruppiger als es ein Kellner sein darf

          Ein Köbes – das ist übrigens die kölsche Form von Jakob – ist so ruppig, weil er eigentlich gar kein Kellner ist. Ursprünglich waren sie Brauereigehilfen, die tagsüber Kölschfässer schleppten und sich abends noch etwas dazu verdienten. Ungelernte, denen es egal war, ob man nun freundlich zu den Gästen ist. Und so hat sich die herzliche Ruppigkeit als Markenzeichen eines guten Köbes gehalten.

          Als Bosdorff vor 18 Jahren in der Schreckenskammer anfing, fragte ihn ein Freund, warum er das denn mache. „Dann bes de verbrannt för de gehovve Gastronomie“ – Dann bist du verbrannt für die gehobene Gastronomie. Aber dahin wollte Bosdorff – damals noch Koch – ohnehin nicht mehr. Warum von acht Stunden Arbeitszeit vier Stunden damit verbringen, Servietten zu falten und Tische zu decken? In der Schreckenskammer braucht er für das Drumherum vielleicht eine halbe Stunde. Ein bisschen Sand auf den alten Dielen verteilen nach Feierabend, um den Dreck zu binden, viel mehr verlangt die Tradition nicht.

          Überhaupt: Feierabend haben. In so einem Nobelrestaurant muss man bis tief in die Nacht bleiben, nur um nach Mitternacht noch irgendeinem Idioten eine neue Flasche Wein zu bringen. In der Schreckenskammer ist Schluss, wenn der Köbes das sagt. Sein Chef sagt, der Daniel ist stur und egoistisch. Bosdorff sagt, der Feierabend ist heilig.

          Nur mit dem Karneval ist das so eine Sache. Denn dann ist er eigentlich gar kein Köbes mehr, sondern einfach nur Kellner. Er rennt mit seinem Kölsch-Kranz, seiner Schürze und dem blauen Wams immer wieder von der Theke zu den Tischen, muss sich an Menschenmassen vorbei quetschen und all seine Sprüche für sich behalten. Und dann diese Karnevalslieder von den Musikkapellen! Abends im Bett spürt er dann noch mehr als sonst seine 45 Jahre, und in seinem Kopf singen de Bläck Fööss, de Höhner und all die anderen kölschen Helden einfach weiter.

          Die Jecken kommen meist in Gruppen

          Nicht, dass er was gegen Karneval hätte, im Gegenteil. Aber es ist nicht der schöne Stress, den er sonst manchmal hat. Die Jecken kommen meistens in Gruppen. 70 bis 80 Mann, in ihren Gardeuniformen, zwischen zwei Auftritten. Die Rechnung zahlt entweder ein einzelner, oder sie wird aus der Vereinskasse beglichen. Das heißt Druckbetankung für alle. Dazwischen Essen für jeden, Rede zwischendurch und dann wieder raus.

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